Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Bürger schützen Bürger: Die Sicherheitswacht

„Ein weiterer Baustein unseres Sicherheitskonzepts“

Sie soll vor allem dort präsent sein, wo Straftaten drohen, die Gefährdung aber dennoch nicht so groß ist, dass Polizeibeamte ständig vor Ort sein müssen.

„Die Sicherheitswacht ist ein weiterer Baustein unseres Sicherheitskonzepts ‚Sicherheit durch Stärke‘. Sie stärkt das Sicherheitsgefühl unserer Bevölkerung.“

Mit diesen Worten hat Innenminister Joachim Herrmann auf einer Pressekonferenz am Dienstag für den Ausbau der Sicherheitswacht geworben. Binnen vier Jahren soll die Zahl der Mitglieder in Bayern auf 1.500 verdoppelt werden.

Keine Hilfspolizei

In Würzburg ist die Sicherheitswacht bereits seit über 20 Jahren erfolgreich aktiv und erfüllt wichtige Aufgaben. Wichtig: Sie ist keine Hilfspolizei. Sie kann und soll die Arbeit der Polizei nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Sie ist auch keine „Bürgerwehr“ (unkontrollierter Zusammenschlüssen von Bürgern, die glauben, selbst für Recht und Ordnung sorgen zu müssen). Die Sicherheitswacht ist die bessere und rechtstaatliche Alternative.

Fragen an die Polizei Würzburg

Wir haben Kathrin Reinhardt, von der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt, ein paar Fragen zur Sicherheitswacht in Würzburg gestellt:

Wie viele Mitglieder hat die Sicherheitswacht in Würzburg aktuell?

Aktuell sind hat die Sicherheitswacht in Würzburg 12 Mitglieder.

Werden künftig weitere eingestellt?

Das ist grundsätzlich denkbar, jedoch sehen wir für den Bereich Würzburg im Moment nicht die Notwendigkeit weitere Mitarbeiter einzustellen.

Die Anzahl der Mitglieder der Sicherheitswacht reicht in Würzburg derzeit aus und die übertragenen Aufgaben können mit dem vorhandenen Personal gut bewältigt werden.

Wie werden die Mitglieder der Sicherheitswacht ausgewählt?

Wer in die Sicherheitswacht eintreten möchte, kann sich vorab telefonisch informieren, muss sich dann aber schriftlich bei der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt bewerben. Im Anschluss an die Bewerbung erfolgt ein Eignungstest.

Ziel dieses Eignungstest ist es, über die Bewerbungsunterlagen hinaus festzustellen, ob die Bewerber den Anforderungen in der Sicherheitswacht gewachsen sind.

Der Eignungstest besteht aus einem schriftlichen Teil, der so aufgebaut ist, dass man innerhalb von 30 Minuten ohne Hilfsmittel einen handgeschriebenen Lebenslauf anfertigt. Im Anschluss findet ein 15-minütiges Auswahlgespräch statt.

Hier soll unter anderem das persönliche Erscheinungsbild, die sprachliche Ausdruckfähigkeit, sowie die Zuverlässigkeit und Verantwortungsbereitschaft geprüft werden.

Dazu gehören auch die Beweggründe für die Bewerbung und die Einstellung zur öffentlichen Sicherheit und zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung.

Was müssen potenzielle Bewerber für die Sicherheitswacht mitbringen?

Für die Sicherheitswacht können sich Frauen und Männer bewerben, die

  • mindestens 18 und höchsten 60 Jahre alt sind
  • die deutsche oder eine ausländische Staatsangehörigkeit haben und ein gültiges Identitätspapier vorweisen können
  • eine abgeschlossene Schul-oder Berufsausbildung nachweisen können
  • Zuverlässigkeit und Verantwortungsbereitschaft bewiesen haben und einen guten Ruf besitzen
  • bereit sind, für diese Aufgabe im Durchschnitt etwa 15 Stunden monatlich zur Verfügung zu stehen kommunikativ sind
  • in Würzburg bzw. in der nächsten Umgebung wohnen
  • gesund sind (weil sie ja witterungsunabhängig und zu jeder Jahreszeit zum Einsatz kommen).

Gibt es eine spezielle Ausbildung für angehende Sicherheitswachtmitglieder und wie sieht diese aus?

Die Ausbildung umfasst grundsätzlich 40 Unterrichtseinheiten von je 45 Minuten. Diese sind innerhalb von drei Monaten zu absolvieren.

Der Ausbildungsinhalt umfasst Strafrecht, Eingriffsrecht (Personalienfeststellung, Platzverweise, Jedermannsrechte) und Dienstkunde (Auftreten in der Öffentlichkeit, Grundsätze der Eigensicherung).

Die Ausbildung wird dann mit einem Prüfungsgespräch abgeschlossen. Dieses Prüfungsgespräch hat die Dauer von etwa 15 Minuten und im Anschluss bekommt man als Ergebnis „geeignet“ oder „nicht geeignet“ für die Mitarbeit in der Sicherheitswacht.

Wie oft sind die Mitglieder der Sicherheitswacht im Einsatz? Wo ist das Einsatzgebiet hauptsächlich?

Wie schon erwähnt, können die Mitarbeiter etwa 15-20 Stunden monatlich den Dienst verrichten. In Würzburg erstreckt sich das Einsatzgebiet von der Innenstadt, Fußgängerzone über die Parkanlagen im gesamten Stadtgebiet, wie auch in Wohnsiedlungen und an Haltestellen bzw. in öffentlichen Verkehrsmitteln selbst.

Auch bei größeren Veranstaltungen oder besonderen Lageentwicklungen (ansteigende Zahl von Ordnungsstörungen oder Straftaten etc.) greifen wir gerne auf die Mitarbeiter der Sicherheitswacht zurück, die jedoch immer als Teil des gesamten Sicherheitsgefüges einer Stadt (neben Polizei, Kommunalem Ordnungsdienst etc.) zu sehen sind und keinesfalls als „Hilfssheriffs“.

Welche Befugnisse haben die Mitglieder der Sicherheitswacht? Was dürfen sie nicht?

„Arbeit der Polizei nicht ersetzen, sondern ergänzen“

Durch ihre Präsenz wirken sie vor allem Vandalismus, Ordnungsstörungen und im gewissen Umfang auch der Straßenkriminalität entgegen.

Sie sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs und allein durch die Präsenz die Sicherheitslage und stärken sie das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger.

Den Angehörigen der Sicherheitswacht stehen zunächst die gleichen Rechte zu wie jedem anderen Bürger auch. D. h., dass sie z. B. einen auf frischer Tat angetroffenen Straftäter bis zum Eintreffen der Polizei festhalten dürfen. Außerdem gilt das Recht auf Notwehr und Nothilfe für andere Bürger.

Darüber hinaus können sie Personen anhalten, sie befragen und ihre Personalien feststellen, wenn dies zur Gefahrenabwehr oder zur Beweissicherung notwendig ist.

Außerdem können sie bei Gefahr im Verzug einen Platzverweis erteilen, das heißt, eine Person anweisen sich zu entfernen. Die Sicherheitswacht ist keine Hilfspolizei.

Sie kann und soll die Arbeit der Polizei nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Welches Equipment haben die Mitglieder der Sicherheitswacht?

Die Mitarbeiter der Sicherheitswacht sind jeweils mit einem Digital-Funkgerät ausgestattet.  Als weitere Ausstattung können unteren anderem Fahrräder, Taschenlampen oder Kartenmaterial verwendet werden.

Die Angehörigen der Sicherheitswacht tragen keine Uniform, sondern an der Brust ein Kennschild auf dem Sicherheitswacht angebracht ist und eine hellgrüne Ärmelschlaufe bzw. einen blauen Blouson, Polo bzw. T-Shirts mit der Aufschrift „Sicherheitswacht“. Auf verlangen müssen sie sich namentlich Ausweisen können (Dienstausweis).

Was verdient ein Mitglied der Sicherheitswacht?

Es handelt sich bei der Tätigkeit um ein Ehrenamt, für das aber eine Aufwandsentschädigung von 8 Euro pro Stunde bezahlt wird.

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