Würzburg - Foto: Pascal Höfig
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Märchen aus dem Mietrecht: Teil 2

Reihe von Irrtümern

Leider hat sich im Bewusstsein vieler Mieter und Vermieter eine Reihe von Irrtümern eingenistet, die den partnerschaftlichen Umgang miteinander unnötig erschweren. Die Experten von Dürrnagel Immobilien aus Würzburg haben diese “Märchen”, die den Juristen immer wieder aufgetischt werden, gesammelt und führen diese nachstehend mit der notwendigen juristischen Korrektur auf. Im ersten Teil ging es um die Märchen der Mieter. Jetzt geht es um die Märchen der Vermieter.

Märchen vom Ausschluss der Mietminderung

Auch Vermieter irren, wenn es um die gesetzliche Mietminderung wegen bestehender Schäden geht. Viele nehmen an, dass der Mieter nicht mindern darf, wenn der Vermieter den Mangel nicht selbst verursacht hat oder wenn er sich bemüht, ihn zu beheben, dies jedoch nicht sofort schafft. Beides ist falsch. Eine Minderung ist nur dann ausgeschlossen, wenn der Mieter den Mangel bei Vertragsbeginn kannte oder wenn er ihn selbst verursacht hat.

Irrig ist auch die Ansicht, der Mieter müsse die Minderung einen Monat vorher ankündigen. Richtig ist, dass eine Minderung sofort ab Schadenseintritt geltend gemacht werden kann.

Märchen vom ungehinderten Zutritt

Viele Vermieter wollen es nicht wahrhaben, dass der Mieter der “Herr” seiner Wohnung ist. Dem Vermieter steht deshalb kein Wohnungsschlüssel zu. Will der Vermieter die Wohnung besichtigen, so muss er sich rechtzeitig vorher anmelden und den Grund nennen.

Märchen vom Raushalten

Wenn zwei sich streiten, hält der Kluge sich heraus. Anders bei Streitigkeiten unter Mietern: Hier muss der Vermieter einschreiten, wenn es um Verstöße gegen die Hausordnung oder Störungen des Hausfriedens geht. Selbst wenn die Mietverträge anderslautende Klauseln enthalten: Der Vermieter muss für Ruhe sorgen. Darauf hat der Mieter, der durch einen anderen Hausbewohner gestört oder belästigt wird, Anspruch.

Märchen vom Widerruf

Wenn es mal Ärger gibt zwischen Mieter und Vermieter, so wird gern zu Repressalien gegriffen, z.B. indem die Benutzung von Gemeinschaftseinrichtungen untersagt wird. So nicht! Langjährig gestattete Nutzungen (z.B. Waschmaschine, Garten) können, wenn überhaupt, nur bei Vorliegen triftiger Gründe widerrufen werden.

Märchen vom schlechten Lüften

Tausende von Wohnungen zeigen Feuchtigkeitserscheinungen an den Wänden. Dann wird dem Mieter gern vorgehalten: “Sie lüften und heizen zu wenig. Sie haben die Schäden selbst verursacht”. So einfach liegt es meistens nicht! Erfahrungsgemäß haben Feuchtigkeitsschäden oft bauliche Ursachen.

Richtig lüften – so geht’s

Dem Vermieter gelingt es selten, dem Mieter tatsächlich nachzuweisen, dass dieser zu wenig geheizt und gelüftet hat. Billiger wird es, den Schaden fachmännisch begutachten und beheben zu lassen, statt mit dem Mieter einen teuren Prozess zu führen!

Märchen vom unerlaubten Untervermieten

“Sie wollen ein Zimmer untervermieten? Kommt bei mir nicht in Frage!”, heißt es fast jedes Mal, wenn ein Mieter untervermieten möchte. Bitte mal ins Gesetz schauen. Wenn bei dem Mieter ein triftiger Grund eintritt, einen Teil der Wohnung unterzuvermieten, muss der Vermieter grundsätzlich einverstanden sein.

Märchen vom Selbermachen

Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne. Dies gilt auch bei Wohnungsmodernisierungen. Das Zusammenfegen der Späne ist ja nicht weiter schlimm. Oft heißt es aber in Vermieterschreiben: “Dekorationsschäden müssen die Mieter nach Abschluss der Arbeiten selbst beheben.”Müssen sie nicht! Werden Wände und Decken bei Modernisierungsarbeiten beschädigt, so muss der Vermieter sie renovieren lassen. Tut er dies nicht, hat der Mieter Anspruch auf Erstattung seiner Malerkosten.

Märchen von den 6 Monaten Kautionsfrist

Viele Vermieter meinen, dass sie bei Ende des Mietverhältnisses grundsätzlich 6 Monate Zeit haben, die Kaution abzurechnen und zurückzuzahlen. Einen solchen Grundsatz gibt es nicht. Die Abrechnung hat in angemessener Frist zu erfolgen. Wenn keine Gründe für einen Einbehalt vorliegen, insbesondere wenn die Wohnung in vertragsgerechtem Zustand zurückgegeben wurde, reichen drei Monate bei weitem aus. Ist noch eine Nebenkosten Nachforderung zu erwarten, kann nicht die ganze Sicherheit, sondern nur ein angemessener Teil weiter einbehalten werden bis zur turnusmäßigen Nebenkostenabrechnung

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