Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Lommbock: Mein Abend am Set

Ein Erfahrungsbericht.

Kleiner Traum wird wahr

Fast jeder kennt sie, jeder hat sie schon mal gesehen, aber nur die wenigsten nehmen sie wirklich wahr: Die Menschen, die im Hintergrund der Filme herumlaufen und die Szenerie füllen, damit sie realistischer wirkt. Ich habe mich immer gefragt, ob diese Menschen gewöhnliche Passanten seien, oder ob sie wirklich mit zur Film-Crew gehören.

Außerdem war es schon immer ein kleiner Traum von mir, mal in einer größeren Filmproduktion mitwirken zu können. Also fasste ich mir ein Herz und bewarb mich als Komparsin für den zweiten Teil der kultigen Kifferkomödie Lammbock mit Moritz Bleibtreu.

Einige Wochen vergingen und überraschenderweise bekam ich irgendwann die Nachricht, wirklich gebucht worden zu sein. Als „Clubbesucher oder Türsteher in/vor einem Club bzw. am Parkplatz“. Wow, verschluckt in der Menge einer wütenden Partycrowd… Natürlich bin ich trotzdem auf die Anfrage eingegangen und war glücklich überhaupt (wenn auch nur ein klitzekleiner) Teil einer so großen Kinoproduktion sein zu dürfen.

Knipsen verboten!

Am Dienstag war es dann endlich soweit. Nach einer kleinen Odyssee vor dem Kleiderschrank (wir sollten drei verschiedene Disko-Outfits mitnehmen) fand ich mich in den Abendstunden an einem bekannten Würzburger Club ein.

Und ich wurde überrascht: Anstatt der erwarteten riesen Menge an Party-Statisten, waren mit mir nur rund 50 gebuchte Komparsen vor Ort.

Kaum angekommen, wurde auch gleich alles Organisatorische geklärt. Ein Formular mit den persönlichen Daten, ein kurzer Vortrag über den Ablauf des Drehs und sogar ausgeteilte Lommbock-Sticker, die über die Kameralinse eines jeden Komparsen- Smartphones geklebt wurden, damit auch niemand in Versuchung kommt, heimlich ein Foto zu machen. Denn Fotos machen am Set ist strikt verboten! Weder knipsen des Kamerateams, noch Selfies mit den Schauspielern.

Warten, warten, warten..

Nach der kurzen Einweisung hieß es dann erst einmal warten. Ich merkte ziemlich schnell, dass dies wohl die Hauptbeschäftigung eines jeden Komparsen ist: Warten, während die Szenen vorbereitet werden, warten, dass die Kameraeinstellung stimmt, warten bis jeder an der richtigen Stelle steht. Mit den Schauspielern hat man so gut wie gar nichts zu tun.

„Uuuuund – bitte“

Irgendwann ging es dann also an das Set. 1. Szene: kurzer Gang über die Straße.

Die Regieassistentinnen gaben uns Anweisungen wo wir zu stehen haben, wie wir zu spielen haben und wohin wir zu gehen haben.

Uuuund bitte„: Nach mehreren Probedurchgängen lief dann auch schon der erste Take. Ich muss gestehen, dass trotz den vielen anderen Komparsen, da ein leichtes Kribbeln im Körper war.. irgendwie aufregend.

Alles durchdacht

Wie jedes Detail in einer Szene eines Films wird auch das Nebengeschehen im Hintergrund von vorne bis hinten durchgeplant. So auch in Szene 2: Jeder Schritt, jedes Lachen und jede angezündete Zigarette – nichts wird dem Zufall überlassen! Trotzdem muss es natürlich und nicht gestellt wirken.

Um welche Handlung es genau in den Szenen ging, werde oder darf ich natürlich nicht verraten. Nächstes Jahr soll der Film dann voraussichtlich in den deutschen Kinos erscheinen.

It´s all about the money..

Vollgepackt mit neuen Erfahrungen und einigen Euros mehr in der Tasche, verließ ich dann nach mehreren Stunden den Drehort. Komparse zu sein ist jedenfalls eine sehr angenehme Art Geld zu verdienen, bei der man nebenbei noch viele interessante Dinge über Filmproduktionen erfährt.

Eines ist auf jeden Fall sicher: Ab sofort werde ich bei Filmen und Serien ganz genau hinschauen und vor allem auch auf die Hintergrundaktionen achten.

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