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Dresscode am Arbeitsplatz: Was geht, was nicht?

Passende Kleidung bei Hitze

Witterungsangepasste Kleidung – bei Sommerhitze heißt das oft: Strand-Look mit Flip-Flops. Das Deutschhaus – Gymnasium hat zum Beispiel 2015 einen extra Dresscode für die Schüler aufgestellt. Laut Schulleiter Michael Schmitt hat sich dieser auch bewährt. Doch wie sieht es am Arbeitsplatz aus? Wer bestimmt eigentlich, welche Kleidung im Büro zu tragen ist? Und wann kann man davon abweichen? Dr. Tobias Schmitt, Rechtsanwalt bei unserem Partner, der Kanzlei Bendel & Partner, gibt Auskunft. Wie der Dresscode bei städtischen Beschäftigten aussieht, verrät Georg Wagenbrenner, Pressesprecher der Stadt Würzburg.

Den Dresscode bestimmt…

… erst einmal der Arbeitnehmer selbst. Denn aufgrund des im Grundgesetz geschützten Persönlichkeitsrechts ist jeder Mensch bei der Gestaltung seines Äußeren (einschließlich der Kleidung) grundsätzlich auch am Arbeitsplatz frei. Erlaubt ist, was gefällt. Die Freiheit ist jedoch nicht grenzenlos. Im Gegenteil: Vom Gesetzgeber über den Arbeitgeber bis hin zu „Herrn Knigge“ wollen Viele mitbestimmen – und dürfen das auch.

… der Gesetzgeber

Einfach ist es, wenn bereits der Gesetzgeber konkrete Vorgaben, z.B. aus Arbeitssicherheits- oder Hygienegründen, macht: Der Helm des Bauarbeiters oder die Kopfbedeckung des Küchenpersonals müssen getragen werden – Hitze hin oder her. Denn Dachziegeln auf dem Kopf oder Haare in der Suppe sind gesundheitsschädlich. Entsprechende Anweisungen des Arbeitgebers muss der Arbeitnehmer also befolgen.

…der Arbeitgeber

Schwieriger wird es, wenn der Arbeitgeber von seinem Weisungsrecht Gebrauch macht und einen Dresscode vorschreibt. Denn die Weisung muss gemäß § 106 der Gewerbeordnung dem „billigen Ermessen“ entsprechen. Das heißt, es müssen die Rechte des Arbeitnehmers und die Interessen des Arbeitgebers gegeneinander abgewogen werden. Generell gilt, dass das Interesse des Arbeitgebers an einem einheitlichen Auftreten seiner Arbeitnehmer gegenüber Kunden die Interessen der Arbeitnehmer überwiegt.

 

Mitarbeiter mit Kundenkontakt sind daher grundsätzlich verpflichtet, den Vorgaben des Arbeitgebers Folge zu leisten und z. B. einheitliche Firmenkleidung zu tragen. Wichtig ist nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes auch die „Branchenüblichkeit“. Der Arbeitgeber darf erwarten, dass sich die Arbeitnehmer dem Charakter des Geschäftes und der Kunden entsprechend kleiden (Urt. v. 10.10.2002 – 2 AZR 472/01). So darf beispielsweise bei männlichen Bankangestellten angeordnet werden, dass sie Anzug und Krawatte tragen.

…und „Herr Knigge“

Auch dann, wenn konkrete Bekleidungsvorschriften fehlen, kann die Wahl der Kleidung faktisch eingeschränkt sein. Denn wer gegen die an seinem Arbeitsplatz ungeschriebenen Bekleidungsregeln verstößt läuft Gefahr, sich den Unmut von Kunden, Kollegen oder dem Chef zuzuziehen.

Was gilt, wenn´s heiß wird?

„Hitzefrei“ für den Dresscode am Arbeitsplatz aus Bequemlichkeitsgründen gibt es nicht. Das heißt, dass auch bei steigenden Temperaturen die Bekleidungsvorgaben zu beachten sind. Wer wiederholt dagegen verstößt, riskiert die Kündigung. Der Arbeitgeber ist erst einmal nicht verpflichtet, den Dresscode zu lockern. Abhilfe kann zunächst auf anderen Wegen geboten werden. Es bietet sich z. B. an, durch Gleitzeitmaßnahmen die Arbeit in der größten Hitze zu vermeiden oder während der Hitzewelle Stundenguthaben abzubauen.

Und auch das Gespräch mit dem Chef sollte man nicht vernachlässigen – vielleicht lässt sich auf diesem Weg so manche Lockerung herbeiführen. Erst wenn sich die Arbeitsbedingungen vom unbequemen in den gesundheitsschädlichen Bereich bewegen, muss der Arbeitgeber den Dresscode lockern.

Dresscode für städtische Beschäftigte

Welche Kleiderordnung schreibt eigentlich die Stadt Würzburg vor? Grundsätzlich gibt es laut Pressesprecher Georg Wagenbrenner keine zentralen Regelungen zur Kleidung der städtischen Beschäftigten. Wenn die Eigenart des Dienstes oder die örtlichen Verhältnisse dies erfordern, können die Dienststellen für ihren Zuständigkeitsbereich aber derartige Regelungen treffen, erklärt er. Beispiele hierfür sind: Berufsfeuerwehr, Müllabfuhr, Verkehrsüberwachung, Gartenamt, Straßenbau, Kanalbetrieb, Stadttheater. Hier gehe es aber um pragmatische Fragestellungen – beispielsweise des Arbeitsschutzes – und weniger um Fragen eines womöglich unangebrachten Sex-Appeals.

Krawatte & Kostüm als Zeichen des Respekts

Für die Verwaltung im engeren Sinne gebe es keinen Dresscode. Die Beschäftigten entscheiden selbst, wie sie sich kleiden. Gleichwohl dürften situationsbedingt gewisse Konventionen vorherrschen. Zum Beispiel bei städtischen Empfängen, Stadtratssitzungen oder Stellen mit viel Publikumsverkehr wird sicher – als äußeres Zeichen des Respekts – eher zu Krawatte oder elegantem Kostüm gegriffen als im Backoffice, bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten oder auf Baustellen-Terminen, erklärt Georg Wagenbrenner. Einen generellen Handlungsbedarf wegen unangemessener Kleidung im Dienst habe es nach Auskunft des Fachbereichs Personal in den vergangenen Jahren nicht gegeben.

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