Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Versuchstierhaltung: Uni klagt gegen Stadt

Etwa 17.000 Versuchstiere

Heute kommt es vor dem Verwaltungsgericht Würzburg zu einer ungewöhnlichen Begegnung: Die Julius-Maximilians-Universität und die Stadt Würzburg treffen aufeinander. In dem Verfahren geht es darum, dass sich beide Parteien nicht auf eine angemessene Betreuung von Versuchstieren einigen können. Es gibt am Zentrum für Experimentelle Molekulare Medizin (ZEMM) derzeit circa 17.000 Tiere, an denen Forschung betrieben wird. Die Uni klagt jetzt gegen gewisse Auflagen zum Züchten und Halten dieser Tiere.

Forderung der Stadt

Laut einem Sprecher der Stadt wurde das Tierschutzgesetz novelliert. Um diese Änderung der Gesetzgebung kommunal umzusetzen, hat die Stadt Würzburg den Haltern von Versuchstieren, in diesem Falle dem ZEMM, neue Bescheide mit verschiedenen Auflagen zugestellt. Im besagten Fall sind zwei Punkte noch strittig. Die Stadt möchte bei den entsprechenden Einrichtungen stets einen Ansprechpartner haben. Bisher ist der Vertretungsfall nicht geregelt, das heißt im Falle eines Ausfalls der verantwortlichen Person, gibt es keinen Stellvertreter. Des Weiteren wird vor dem Verwaltungsgericht auch noch das Berechnungsmodell behandelt, das regelt wie viele Mitarbeiter – je nach Kapazität der Einrichtung – für die Betreuung der Tiere benötigt werden. 

Kein Querstellen gegen Auflagen

Die Uni indes sieht für diese Forderungen keine rechtliche Grundlage, da es in den letzten Jahren seitens der Stadt im Bezug auf die strittigen Punkte bislang keine Beschwerden gab. Laut einer Sprecherin der Uni Würzburg werden seit 2008 am ZEMM Tiere mit Erlaubnis gehalten, dies erfolgt unter Beachtung strengster hygienischer Bedingungen. Sämtliche Voraussetzungen des Tierschutzgesetzes werden von der Uni vollumfänglich eingehalten, zum Teil sogar übererfüllt, heißt es. Die Universität wendet sich in keinster Weise gegen Auflagen, die den Tierschutz betreffen. Es geht lediglich um die Aufhebung von den zwei genannten Auflagen (Stellvertretung, Maximal-Kapazitäten), die selbst in den strengen Regelungen des Tierschutzgesetzes nicht vorgesehen sind.

Tierversuchsgegner entsetzt

Über die Haltung der Universität zeigen sich Tierversuchsgegner entsetzt. Auf Anfrage unserer Redaktion bekommen wir folgendes Statement von Dr. Corinna Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche e. V.: „Skandalös, wie die Uni mit einer unglaublichen Arroganz geringfügigste Auflagen der Stadt torpediert, die nicht einmal eine Einschränkung von Tierversuchen zur Folge hätten. Die mit unseren Steuergeldern finanzierten Tierexperimentatoren sitzen mit ihrem schändlichen Tun in einem Elfenbeinturm und meinen, machen zu können, was sie wollen.“ Es ist außerdem nicht das erste Mal, dass die Uni Würzburg die Gemüter der Tierschutzorganisationen erhitzt.

Beispielloser Fall

Ein solcher oder ähnlicher Fall, bei dem sich zwei staatliche Institutionen gegenüberstehen und nicht außergerichtlich einigen können, war bisher weder Stadt, Verwaltungsgericht Würzburg noch dem Bundesbildungsministerium bekannt.

- ANZEIGE -

Kommentare zum Artikel

Kommentare zum Artikel

AUCH INTERESSANT