Symbolbild Dating App - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Dating App - Foto: Pascal Höfig

Dating-Apps – Zeitvertreib vs. Fulltime-Beschäftigung

Ein anonymer Gastbeitrag

Was ist an Gerüchten dran?

Sei es Tinder, Lovoo oder wie sie alle heißen – über Datingapps kursieren die wildesten Gerüchte: Zum Einen heißt es Männer wollen auf derartigen Plattformen nur das Eine, zum Anderen hört man von ominösen Fakeprofilen. Weiterhin sollen es Frauen in der Partnerbörse viel leichter als Männer haben. Während sich das weibliche Geschlecht angeblich kaum vor Chatanfragen retten könne, warte die Männerwelt vergeblich auf Nachrichten. Melanie (Name von der Redaktion geändert) hat die Dating-App Lovoo einmal für Euch getestet und ist den Gerüchten auf den Grund gegangen:

Schnell eingerichtet

Die Anmeldung ist simpel und geht super schnell. Ich habe die Möglichkeit mich über meine E-Mail-Adresse, mit Facebook oder Google anzumelden. Das Profil ist ebenso fix ausgefüllt. Nach etwa fünf Minuten ist die App zum Stöbern startklar. Jetzt heißt es warten oder selbst durchforsten. Nun gut, warten muss ich eigentlich nicht: Fünf Minuten nach der Anmeldung kommt die erste Nachricht: von meinem Exfreund!

Mein erstes Match

Ein hoch auf Lovoo – der Slogan scheint zu passen: hier trifft man wirklich neue Leute. Ich war sehr gespannt wie so ein Match, also eine Konversation zwischen zwei Personen, abläuft. Jedoch dachte ich vor zehn Minuten noch nicht, dass ich eines mit meinem Exfreund führen werde. Naja, man nimmt es wie es ist!

Bist du echt?

Mein zweiter Chat: Anfrage bekommen, schaut pasabel aus, nehme ich an. Als erstes werde ich gefragt, ob ich „echt“ bin. Seltsam, aber nun gut. Angeblich tummeln sich bei Lovoo viele Leute, die Werbung für Seiten im Netz machen, so mein neuer Chatpartner.

„Nettes Bild. Wie geht es dir? Was machst du denn so?“

Nachdem ich ihn von meiner Echtheit überzeugt habe, geht die Konversation weiter: „Nettes Bild. Wie geht es dir? Was machst du denn so?“ – gähn! Gefolgt werden diese Standardfragen von langen Texten, die vor Selbstdarstellung strotzen. Innerhalb kürzester Zeit bin ich über den kompletten Lebenslauf meines Lovoo-Matches informiert – vom ersten Milchzahn bis hin zum Studienfach – ohne ihn je persönlich getroffen zu haben.

Was ist mit der Männerwelt los?

Jetzt möchte ich die App und die Männer selbst erkunden. Also das Karten-Symbol unten anklicken und schon spielen wir ein Match. Das bedeutet, ich bekomme Fotos von Männern angezeigt, die meinen Suchkriterien entsprechen. Gefallen sie mir, kann ich eine Matchanfrage senden. Los geht’s – und anstrengend wird es. Nach den ersten gefühlten vierzig weggewischten Männern kommt in mir die Frage auf, warum ich mich nochmal hier angemeldet habe.

20 Minuten später sieht es nicht besser aus: Habe ich zu hohe Ansprüche oder was ist hier los? Mittlerweile habe ich sicher 200 Profilbilder weggedrückt – ein Foto ist für mich einfach nicht aussagekräftig. Oder ist das vielleicht der Scham vor der App? Ich bin mir noch nicht sicher. In mir kommt immer wieder die Frage auf, warum sich knapp 30-jährige Männer mit dem Smartphone vor dem Spiegel stellen und selbst fotografieren. Wie lange haben sie für dieses ach so perfekte Foto wohl geposed? Ein No-Go liebe Männer! Und viele der Profilnamen ermuntern auch nicht dazu, einen Flirt anfangen zu wollen. Wie soll ich meinen Eltern erklären, dass ich einen „Crossfitter“ oder „Stylie“ kennengelernt habe?

Mittlerweile habe ich mich eine ganze Weile mit der App beschäftigt und von gefühlten 500 Männern etwa sechs geliked – wie es hier heißt gematcht. Zudem hatte ich ein paar Chats, haufenweise Anfragen und Nachrichten. Bin gespannt was der morgige Tag bringt! Genug für den ersten Abend mit Lovoo.

Nur arbeitslos zu bewältigen

14 Stunden Lovoo: Am nächsten Morgen erwacht zeigt mir ein Blick auf mein Handy: sie haben 176 Match-Anfragen! Bitte was? Um die Anfragen alle „abzuarbeiten“ bräuchte ich Stunden. Gut, das ist vielleicht übertrieben, allerdings entwickelt sich der Zeitvertreib in Richtung harter Arbeit. Auf sein Profil kommt etwa im Zehn-Minuten-Takt ein neuer Besucher. Den ganzen Tag bekommt man Nachrichten, beispielsweise „Manuel hat dir eine Chatanfrage gesendet“ oder „Alex hat dein Profil besucht“. Ein potentieller Chatpartner beschwert sich auch gleich, warum ich ihm nicht antworte, wenn ich seine Nachrichte doch gelesen hätte.

Nach 20 Stunden Lovoo steht für mich fest: das war es mit der App – die Aussagen der Damenwelt treffen voll ins Schwarze. Eindeutige Anfragen kamen in der kurzen Zeit nicht, allerdings bestätigte sich die Überladung an aussagelosen Nachrichten bereits nach einem Tag.

Mein Fazit: ich konnte mich nicht allein von Bildern zu jemanden hinreißen lassen, die fünf Gespräche waren allesamt mehr oder minder das Standard-Gelangweile, dass man auch nicht in der Disco hören möchte. Und der größte Faktor: Spam!

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de

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