Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Sterben ist alles, was ihr noch könnt

Prince, Bowie und der Typ von Motörhead sind tot

Prince¹, Bowie² und der Typ von Motörhead³ sind tot. Das weiß ich jetzt. Danke. Wer sie eigentlich waren, da habe ich keine Ahnung. Ist mir auch schnuppe. Wahrscheinlich so etwas, wie die Justin Bibers eurer Zeit. Aber genau das ist das Ding:

Eurer Zeit!

Und die ist rum. Aus Poppern oder Rockern sind doch längst Anzugträger und Jogalehrer geworden. Ihr Hippiefrauen mit Dreads in den Haaren seid heute blond oder frech-rot getönt und habt jetzt einen kleinen, süßen Jonas, den ihr zum Tennis fahren müsst. Das ist doch auch was. Deswegen:

Hört auf so zu tun, als ob euer Pop und deren Legenden noch eine Rolle in eurem – oder irgendeinem – Leben spielen würden.

Hört auf mit diesen nostalgischen Mitleidsbekundungen. Trauert nicht öffentlich einem vor vielen Jahren verstorbenen Lebensgefühl hinterher – Das geht gewaltig auf die Eier.

Das einzige, was eure großen Idole die letzten zehn Jahren hinbekommen haben: Sterben. Hätten sie noch irgendetwas anderes, erwähnenswertes erreicht, würde ich sie kennen. Das sage ich nicht nur… das entspricht den Tatsachen. Schaut einfach die Wikipediaeinträge dieses Jahrtausends eures Prinzen an – Ups. Genau. Da gibt es keine.

Trotzdem taucht seit mehreren Wochen plötzlich Bowie in meinen Youtube-Playlists auf. Nirgends kann ich mich mehr vor eurer traurigen Fake-Nostalgie retten: Tribute-Tweets, zigtausende Facebook-Posts von Purple Rain und Wir-werden-dich-vermissen-,-du-wirst-immer-in-Erinnerung-bleiben-Gesülze. Nein, hört auf damit! Oder, wenn ihr das unbedingt machen müsst, nutzt doch eure Medien. Druckt das in diese Tagesblätter, faxt euch gegenseitig schwer depressive schwarz-weiß Bilder oder schreibt SMSn mit weinenden Smiley(4. Aber spammt damit nicht meine Timeline zu(5.

Ich habe begriffen, dass Snapchat und Instagram noch jüngeren Menschen gehört. Lasst mir bitte Facebook und mein Twitter. Gesteht es euch ein: Twitter und Prince gehörten nie der gleichen Generation an. All diese Künstler und ihr Pop haben aufgehört zu existieren, bevor das mit diesen neuen Medien überhaupt aufkam.

Lasst unsere Generation den Raum unsere Artists, Musiker und Stars – einfach unseren Pop – abzufeiern; tut nicht so, als ob die eurigen heute noch die gleiche Aufmerksamkeit verdienen würden.

Denn ein Hauptmerkmal von Pop ist seine Vergänglichkeit. Das macht ihn auch so großartig. Akzeptiert das, bitte. Irgendwann wird auch mein Pop vergehen und dann werde ich versuchen, den Platz für Neues zu räumen. Jetzt seid ihr dran.

Feiert lebende Künstler!
Fabi

Mehr über Fabian lest Ihr hier.

1 Für Leser unter 45: der mit dem peinlichen Auftritt in der letzten Staffel New Girl
2 Pop des letzten Jahrtausends – hört man
3 Anscheinend sehr haarig
4 Das habt ihr ja gelernt seit es ein iPhone+ gibt, das ihr ohne Brille benutzen könnt.
5 Das gilt genauso für die mittlerweile in ganz Deutschland vertretenen techno-minimal hörenden Berlin-Mitte-Hipster, die bis vor ein paar Tagen Purple Rain für das beste Lied von Metallica gehalten haben: Nicht jeder Idiotenhype ist die drei Likes wert; und nein: dein Motörhead-T-Shirt ist nicht über Nacht wieder cool geworden. #jesuisanyone

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an:redaktion@wuerzburgerleben.de.

- ANZEIGE -

Kommentare zum Artikel

Kommentare zum Artikel

AUCH INTERESSANT