Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Serientäter mit Zeugenhilfe geschnappt: Eine kleine Anerkennung

Wie im Krimi

VEITSHÖCHHEIM, LKR. WÜRZBURG. Die Szene hätte auch aus dem Drehbuch für einen neuen „Tatort“ stammen können. Zwei Männer hantieren in der Dunkelheit in einem Kleinlaster am Ortsrand von Veitshöchheim herum. Es ist kurz vor 23:00 Uhr im März 2016.

Einer Streifenbesatzung der Polizei, die wegen eines zuvor in der Thüngersheimer Straße gestohlenen Zigarettenautomaten nach den Tätern suchte, kam das verdächtig vor. Als ein Beamter die Beifahrertüre des Sprinters öffnet, springt ein Mann auf den Fahrersitz, startet den Motor und gibt Gas. Der zweite Polizist, der vor dem Wagen stand, konnte sich nur noch mit einem Sprung zu Seite retten.

Automaten aus Heckklappe geworfen

Mit sehr hoher Geschwindigkeit flüchten die Verdächtigen über Wald- und Flurwege. Einer der beiden reißt die Hecktüre auf und schleudert den vorher gestohlenen Zigarettenautomaten in voller Fahrt vor den Streifenwagen. Glücklicherweise konnte der Beamte dem Hindernis ausweichen.

Als der Fahrer des Sprinters auf der regennassen Staatsstraße 2294 die Kontrolle über das Fahrzeug verliert und in den Straßengraben kracht, endet die spektakuläre Verfolgungsjagd. Die zwei Insassen im Alter von 19 und 20 Jahren werden festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Der Fall sorgte im März für reichlich Diskussionsstoff.

Dank aufmerksamen Zeugen geschnappt

Dass die beiden geschnappt werden konnten, haben die Ermittler letztendlich aber einem aufmerksamen Anwohner zu verdanken. Daniel Goutrie kamen die lauten Geräusche seltsam vor, die er an diesem Samstagabend gegen 22.15 Uhr direkt vor seinem Haus in der Thüngersheimer Straße hörte. Als er dann noch einen weißen Sprinter mit quietschenden Reifen wegfahren sah, wählte er sofort den Polizeinotruf und merkte sich einen Teil des Kennzeichens.

Optimaler Fluchtweg

Als wenig später die Polizei vor Ort eintraf und Daniel Goutrie Kennzeichen und Beschreibung des Fahrzeuges weitergab, hatte er noch einen sehr wertvollen Hinweis auf Lager. Er gab den Beamten den Tipp, die Täter in Richtung der Sendelbacher Straße zu suchen. Diese könne durch ihre Gegebenheiten ein optimaler Fluchtweg sein. Und damit sollte er dann auch noch komplett richtig liegen.

Gegen 23:00 Uhr entdeckte eine Streifenbesatzung den weißen Sprinter auf einem Flurweg in der Verlängerung der Sendelacher Straße. Dem Ort, an dem später die spektakuläre Verfolgungsfahrt startete und mit der Festnahme endete.

Zahlreiche Taten verübt

Durch Daniel Goutrie konnten so letztendlich sogar zwei Serientäter aus dem Verkehr gezogen werden, die in der Vergangenheit für reichlich Schaden und Arbeit gesorgt hatten.

Rund 50.000 Euro Sach- und Beuteschaden

 

Im Rahmen der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die angebrachten Sprinter-Kennzeichen als gestohlen gemeldet waren und die Zwei für etwa ein Dutzend Zigarettenautomatendiebstähle im Raum Würzburg und Kitzingen verantwortlich sind. Rund 50.000 Euro Beute- und Sachschaden und insgesamt 17 Straftaten waren es am Schluss.

Jeder Hinweis kann wichtig sein

Man sieht an diesem Beispiel sehr gut, wie selbst kleinere Hinweise helfen und die Polizei bei Ihrer Arbeit unterstützen können. So ein vorbildliches Verhalten muss natürlich auch honoriert werden, dachte sich Polizeioberkommissar Herbert Tumpach, der den Fall bearbeitet.

Der Ermittler beantragte über seine Dienststelle, der Polizeiinspektion Würzburg-Land, kurzerhand eine sogenannte „Belohnung für die Mitwirkung von Privatpersonen beim Aufklären strafbarer Handlungen und Ergreifen flüchtiger Straftäter“.

Am Dienstag konnten sich Daniel Goutrie und seine Familie dann über 100 Euro freuen, die Herbert Tumpach persönlich überreichte  – eine kleine Anerkennung für seine Mithilfe.

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