Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Youngcaritas: Ein Stück die Welt verbessern

Obdachloser berichtet

Wie ist es, ohne ein Dach über dem Kopf zu leben? Was macht man eigentlich den ganzen Tag, wenn man nicht zur Arbeit geht? Und ist es möglich, als Obdachloser eine Freundin zu haben? „Das ist ziemlich schwierig“, meinte laut Pressemitteilung der Wohnungslose Berti zu den Schülerinnen und Schülern der Würzburger FOS, die am Stadtspaziergang des Projekts youngcaritas der Caritas Würzburg teilnahmen. Welche Frau lässt sich schon auf ein derart unstetes Leben ein!

Kreativität als zentraler Aspekt

Vor knapp einem Jahr installierte der Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Würzburg das Projekt youngcaritas. „Unser Ziel ist es, jungen Menschen einen anderen Blick auf die Welt zu eröffnen und sie zu ermutigen, ein Stückchen Welt zu verändern“, erläutert Koordinatorin Esther Schießer laut Pressemitteilung. Die Projekte selbst finden mit verschiedenen Schulklassen in und um Würzburg statt. Mal stehen soziale, mal interkulturelle, mal ökologische Themen im Mittelpunkt. Umgesetzt werden sie jeweils jugendgerecht und mit einem gehörigen Schuss Kreativität.

Stadtspaziergang zur „Wohnungslosigkeit“

Der Stadtspaziergang zum Thema „Wohnungslosigkeit“ stieß nach Presseinformationen schon zum zweiten Mal auf große Begeisterung bei den Jugendlichen. Zwar hatte jeder FOS-Schüler schon mal irgendwo in der Stadt einen Obdachlosen mit Pappschild sitzen gesehen. Doch nie hatten die Jugendlichen bisher das Gefühl, dass diese Menschen sie irgendetwas angingen. Geld zu geben, warnen Mama und Papa, ist sowieso nicht gut. „Davon kaufen sich die Obdachlosen doch nur Alkohol“, meinte eine Jugendliche bei der Stadtführung. „Ach, entgegnete ein Junge, „tun wir das nicht auch?“

Für Esther Schießer war dies ein Schlüsselsatz: „Die Jugendlichen spüren bei unseren Projekten, dass ihr Leben gar nicht so viel anders ist als etwa das eines obdachlosen Menschen oder auch das eines Flüchtlings.“ Plötzlich schmilzt die Kluft, die bis dahin so groß war. Plötzlich kommen Lebenswelten in Berührung, die bisher strikt getrennt schienen.

Kleine Freuden

Nach einem solchen Spaziergang bewegen sich die Jugendlichen mit einem anderen Blick durch ihre Stadt. Sie nehmen anders und Anderes wahr. Im besten Fall denken sie darüber nach, inwieweit sie einen kleinen Beitrag dazu leisten können, dass Ungerechtigkeiten, unter denen Männer und Frauen in prekären Lebenslagen leiden, ein Stück weit verschwinden. Menschen wie Berti eine Freude zu bereiten, ist im Übrigen gar nicht so schwer: „Berti erhielt neulich eine Jahreskarte für die Stadtbücherei geschenkt, worüber er sich unglaublich gefreut hat.“

Bundesweit über 50 youngcaritas-Projekte

In ganz Deutschland gibt es inzwischen über 50 youngcaritas-Projekte. Die bundesweite Initiative transportiert Themen, die der Caritas wichtig sind, auf peppige, für junge Menschen attraktive Weise. „Unser Auftrag als Caritas ist es vor allem, solidarisch in die Gesellschaft hineinzuwirken“, so Schießer. In ihren Projekten entdecken Jugendliche, wie viel Ungerechtigkeit hinter der schillernden Kulisse unserer Überflussgesellschaft lauert. Sie beginnen, zu verstehen, dass gesellschaftliche Phänomene nicht vom Himmel gefallen, sondern von Menschen gemacht sind: „Und auch von Menschen verändert werden können.“

Garten gestalten mit Senioren

Durch youngcaritas gelingt es, selbst sperrige Themen zu transportieren. So plant Esther Schießer ein Projekt, das sich mit der Frage nach der Generationengerechtigkeit in unserer Gesellschaft befasst. Allein der Begriff „Generationengerechtigkeit“ turnt Jugendliche ab. Doch es soll hier nicht um theoretische Ausführungen zum Rentensystem oder zum demografischen Wandel gehen. „Wir planen für dieses Frühjahr ein Urban Gardening-Projekt“, verrät die 27-jährige Germanistin laut Pressemitteilung. Dabei sollen Schüler gemeinsam mit Senioren einen Garten mitten in der Stadt gestalten.

Garten für Demenzkranke

Im Zuge des Gärtnerns wird den jungen Menschen vermittelt, wie wichtig es ist, darauf zu achten, dass es der Natur gut geht. Wird die Umwelt zubetoniert, werden natürliche Ressourcen bis zur Neige verbraucht, gehen nachfolgende Generationen leer aus. Was zutiefst ungerecht ist. Der Garten selbst soll einen Sinnesbereich für Menschen mit Demenz umfassen: Sie sollen dort Kräuter befühlen und riechen können. Was die Krankheit Demenz sowohl für Betroffene als auch für Angehörige bedeutet, auch das soll durch das Projekt ganz nebenbei auf eine lebendige Weise vermittelt werden.

Dieser Beitrag beruht auf einer Pressemitteilung des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Würzburg e. V.

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