Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Warum die Polizei die Herkunft von Straftätern nicht immer nennt

Einheitliche Vorgaben gibt es nicht

Nach der Silvesternacht in Köln wird die Forderung lauter, die Polizei solle grundsätzlich die Nationalität bzw. die Herkunft von Straftätern und Tatverdächtigen nennen. Warum die Zurückhaltung aber auch gute Gründe haben kann, wird dabei leider oft vergessen.

Wann veröffentlicht die Polizei die Herkunft von Straftätern?

Eines vorweg – bundeseinheitliche Vorgaben gibt es nicht. Jedes Bundesland entscheidet selbst, wie viele Details die Polizei in Pressmitteilungen zu Straftätern und Verdächtigen macht. In Bayern variiert das von Präsidium zu Präsidium.

Für die Berichterstattung über Einsätze der Polizei in unserer Region ist das Polizeipräsidium Unterfranken mit Sitz in Würzburg zuständig. Der Bereich umfasst die Regionen Bayerischer Untermain, Main-Rhön und Würzburg.

Berichterstattung nach Pressekodex

Das Polizeipräsidium Unterfranken richtet sich bereits seit Jahren nach dem Pressekodex des Deutschen Presserates. Hier heißt es in Punkt 12.1:

„In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.“

Einfacher ausgedrückt: Die Polizei erwähnt die Herkunft eines Straftäters bzw. eines Tatverdächtigen nur dann, „wenn Nationalität oder Aufenthaltsstatus prägend für den zugrunde liegenden Sachverhalt sind bzw. im Zusammenhang mit Tatmotiv und/oder –begehung eine maßgebliche Rolle spielen“.

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Herkunft bei Motiverklärung wichtig

Woher beispielsweise ein Einbrecher, Ladendieb oder Gewalttäter stammt, kann also dann eine Rolle spielen, wenn die betreffende Person einer Bande angehört, die sich auf ethnische oder Clanstrukturen gründet. Bei einem Verkehrsdelikt hingegen gibt es kaum Gründe, die eine Nennung der Herkunft begründen. Wichtig ist die Herkunft auch, wenn dadurch das Motiv erklärt wird. Bei antisemitischen oder fremdenfeindlichen Straftaten oder wie beispielsweise bei einem „Ehrenmord“.

Medien erhalten grundsätzlich Auskunft

Wenn dagegen ein Täter zur Fahndung ausgeschrieben wird, wird alles veröffentlicht, was auch der Polizei zu der Person bekannt ist und helfen kann. Allerdings können ermittlungstaktische Gründe verlangen, daß die Herkunft eines Tatverdächtigen zunächst nicht erwähnt wird.

Grundsätzlich erhalten Medien beim Polizeipräsidium Unterfranken bzw. auch bei der Staatsanwaltschaft Würzburg auf gezielte Anfrage auch Auskunft über die Herkunft der Täter. Diese Regelung gab es auch bereits vor der Silvesternacht.

Hinweise aus der Bevölkerung

Wie auch in der Vergangenheit sind wir Euch dankbar, wenn Ihr uns Hinweise, zusätzliche Informationen oder aber auch (noch) nicht zur Anzeige gebrachte Vorkommnisse meldet. Diese prüfen wir und geben diese Informationen (anonym) an die Polizei weiter. Helft so mit, Taten aufzuklären und zu verhindern.

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