Würzburg - Foto: Pascal Höfig
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Spuren auf der Seele: Auch Einsatzkräfte brauchen Hilfe

Enorme Belastungen – Täglich

Jeden Tag aufs Neue sind Einsatzkräfte in ihrem täglichen Dienst enormen seelischen Belastungen ausgesetzt. Schwere Verkehrsunfälle, die Bergung von Verstorbenen und vieles mehr hinterlassen ihre Spuren in der Seele des Helfer. Was die Retter täglich erleben, wird leider viel zu oft vergessen. Ein Artikel der Freiwillige Feuerwehr Lengfeld macht deutlich, was die Einsatzkräfte täglich verarbeiten müssen:

Stressbewältigung für Einsatzkräfte! Was heißt das? Brauchen wir sowas überhaupt?

„Mir macht es nichts aus, wenn ich einen Verkehrsunfall mit einem Schwerverletzten habe.“ oder „Das Schicksal einer Familie, welche gerade ihr Hab und Gut durch ein Feuer verloren haben, lässt mich kalt.“

Moment mal! Stimmt das so?

Das Bild des starken Helden, dem kein Einsatz nahe geht, kein Schicksal berührt, ist längst überholt.

„Wir sind keine Helden“

Wir sind keine Helden; wir sind der Arbeitskollege, den man immer gerne um Rat fragt, der Nachbar, bei dem man sich schon das ein oder andere Werkzeug geliehen hat,
der umsorgende Vater, mit drei kleinen Kindern, die kleine Schwester, der geliebte Sohn, der beste Freund, kurz: Wir sind ganz normale Menschen!

Und als diese werden uns bei jedem Einsatz auf’s Neue physische und psychische Höchstleistungen abverlangt. Wir sind darauf trainiert, dass wir im Einsatz die Situation schnell und richtig erfassen um dann effektiv und kompetent Hilfe zu leisten.

Doch heißt das noch lange nicht, dass wir uns nach einem Einsatz gleich wieder ins Bett legen und selig ins Land der Träume eintauchen. Es gibt Einsätze, die begleiten uns noch eine ganze Weile danach, wenn nicht sogar unser Leben lang.

Es sind zwar auch positive Momente dabei, aber leider sind es vor allem die negativen Erfahrungen welche hängen bleiben. Dies gilt sowohl für ehrenamtliche als auch für hauptamtliche Kräfte.

Aus diesem Grund ist es besonders wichtig nicht dem Klischee vom unnahbaren Feuerwehrmann anzuhängen und seine Gefühle und Emotionen tief in sich zu begraben. Gerade bei belastenden Einsätzen heißt es deswegen sich Hilfe zu holen.

Wichtig: Darüber reden!

Diese Hilfe fängt schon im Kleinen an. Man sucht das Gespräch mit seinen Kameraden; entweder im privaten Gespräch oder auch in der großen Runde. Bei dieser sogenannten Einsatznachbesprechung kommen alle am Einsatz beteiligten Einsatzkräfte noch einmal zusammen. So bei uns geschehen zum Beispiel auch nach einem tödlichen Verkehrsunfall verursacht durch einen Geisterfahrer in der Nacht zu Heiligabend:

„Es war eine schöne Geste, als alle zusammen nach dem Einsatz [noch an der Unfallstelle] im Kreis standen, ihre Helme abgenommen haben und einen Moment innehielten; ein Zeichen des Respekts gegenüber dem Verstorbenen.“

Im Gegensatz zu früher gibt es mittlerweile auch speziell für so eine Situation ausgebildete Kräfte. Diese Kräfte bieten nicht nur Angehörigen eine professionelle Begleitung und Betreuung an. Auch für beteiligte Einsatzkräfte haben sie ein offenes Ohr.

In den Anfängen waren es nur Einzelpersonen, welche eine Initiative gestartet haben. Entwickelt haben sich daraus flächendeckende und gut organisierte Systeme.

Die gängigsten Bezeichnungen für diese Systeme oder besser gesagt diese Teams sind folgende:

  • Notfallseelsorge
  • Kriseninterventionsteam (KIT),
  • Stressbewältigung für Einsatzkräfte (SbE-Team),
  • Critical Incident Stress Management (CISM),
  • Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV),
  • Psychosoziale Unterstützung (PSU),
  • Organisierte Personalunterstützung für Extremeinsätze und Nachsorge (OPEN-Team)

Diese Teams setzen sich meist ebenfalls aus haupt- und ehrenamtlichen Kräften zusammen. Sie sind gut geschult und bringen die unterschiedlichsten Voraussetzungen mit. Zum Teil sind es Fachkräfte aus dem ökumenischen Bereich. Zum anderen Teil kommen sie ebenfalls aus dem Katastrophenschutz, wie der Feuerwehr oder auch dem Rettungsdienst.

Sie begleiten Einsatzkräfte während beziehungsweise nach einem Einsatz und helfen bei der Nachbereitung von belastenden Ereignissen. Angefordert werden sie von den Einsatzkräften über die Leitstelle und sind so gut organisiert, dass zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Alarmierung möglich ist.

Zum Schluss bleibt nur noch eines zu sagen:

Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn uns ein Einsatz belastet. Wir sind ganz normale Menschen. Menschen, die jetzt und auch in Zukunft für andere in Not geratene Menschen da sein möchten.

Wir möchten dabei unser bestes geben. Und danach möchten wir wieder zu unseren Familien und Freunden zurückkehren und unser Leben genießen. Das können wir nur, wenn wir seelisch ausgeglichen sind. Und dabei brauchen auch wir manchmal ein kleines bisschen Hilfe.

Quelle: Freiwillige Feuerwehr Lengfeld

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