Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Würzburger Studentin Opfer der Silvester-Übergriffe von Köln

Ein Tatsachenbericht

Carla (Namen und Alter von der Redaktion geändert) ist 23 Jahre und studiert BWL in Würzburg. Mit ihrem Freund besucht sie Ende des Jahres Bekannte in Köln, um gemeinsam Silvester zu feiern. Sie wird mehrfach Opfer von sexuellen Übergriffen. Erst Tage später wird ihr und der Öffentlichkeit das ganze Ausmaß der schockierenden Übergriffe bekannt. Ein Tatsachenbericht.

Anmerkung der Redaktion

Liebe Leserinnen und Leser, bevor Ihr den erschütternden Text von Carla lest, möchten wir vorwegschicken: die unsäglichen sexuellen Übergriffe in Köln sind nunmehr seit Tagen in den nationalen und internationalen Medien. Wir haben dieses Thema bislang nicht aufgegriffen, da es keinen direkten Bezug zu Würzburg gab. Das hat sich nun geändert. Die folgenden Zeilen einer Würzburger Studentin bringen die Ereignisse auch in unsere Stadt, haben sie, ihre Familie, Freunde und Bekannte verändert. Ihr Tatsachenbericht soll Anlass zu einer sachlichen und konstruktiven Diskussion geben, wie solche in ihrem Ausmaß noch nie da gewesenen Übergriffe künftig verhindert werden können. Denn nicht nur Köln war betroffen, in ganz Deutschland gab es solche Übergriffe.

Im Erfahrungsbericht werden die Dinge von Carla so benannt, wie sie sie erlebt und empfunden hat. Es ist eine Einzelfallschilderung. Das muss sie und ein Medium wie unseres benennen dürfen. Falsch ist es, von Carlas Schilderung pauschal auf alle Flüchtlinge und Immigranten zu schließen. Falsch ist es aber auch, die Vorkommnisse in Köln mit in der Qualität- und Quantität anderen Sexualstraftaten zu vergleichen (Oktoberfest). Beides ist für sich eine absolute Unsäglichkeit.

Führt deshalb in den Kommentaren eine sachliche und respektvolle Diskussion. Alle Kommentare, die deutschem Recht und Gesetz sowie unseren AGBs widersprechen, löschen wir.

Meine Erfahrungen über Silvester in Köln

Mit meinem Freund fuhr ich für ein paar Tage nach Köln, um mit Bekannten gemeinsam Silvester zu feiern. Unsere Freunde leben bereits seit einigen Jahren in der Domstadt, wo wir sie bereits des Öfteren besucht und immer eine tolle Zeit gehabt haben.

Diese tolle Zeit schien sich in der Silvesternacht fortzusetzen. Wir kochten gemeinsam, tranken ein paar Kölsch und gingen mit bester Laune gegen 23.00 Uhr an das Rheinufer, um das Feuerwerk anzuschauen. Dort wurde es uns aber zu laut und man musste zu sehr aufpassen, nicht von Silvesterknallern getroffen zu werden. Nun gut, jeder wird das von anderen beliebten Plätzen wohl auch kennen.

Gegen 02.30 Uhr entschlossen wir uns dazu, noch einmal in die Kölner Altstadt zu gehen, wo in der Silvesternacht noch einiges los war. Beim Überqueren der Hohenzoller Brücke und beim Anblick des Domplatzes war uns klar, dass noch viele Menschen dort feierten – für eine Großstadt ebenfalls völlig normal. Auf dem Domplatz angekommen, suchte ich kurz die Toiletten des Bahnhofs auf, während meine Freunde davor warteten. Als ich heraus kam, sprach mich dann ein junger Mann an.

15 Männer kreisten mich ein

Er teilte mir in einer Mischung aus Deutsch und Englisch mit, dass ich eine sehr schöne Frau sei, er mich hübsche fände und er wollte wissen, wohin ich denn um diese Uhrzeit alleine ginge. Ich ignorierte ihn, zeigte kein Interesse. Das hielt ihn nicht davon ab weiter zu fragen, wohin ich gehen wolle und ob er denn mitkommen könne.

Plötzlich wie aus dem Nichts kamen zehn bis 15 weitere Männer auf mich zu. Dunkler Teint, dunkle Augen, schwarze Haare. Sie kamen von allen Seiten und dann ging alles ganz schnell. Sie kreisten mich ein und fingen zunächst an, auf mich einzureden. Das meiste davon konnte ich nicht verstehen. Einige von ihnen kamen immer näher, versuchten mich zu umarmen und Küsse zu geben. Schließlich versuchten sie alles anzufassen, was in ihrer Reichweite war. Es widerte mich so an. Anfangs versuchte ich nach ihnen zu schlagen, doch ich merkte, dass dies keinen Sinn hatte, so dass ich mir nur noch Hände und Arme vor das Gesicht hielt. Wann immer sie versuchten meine Beine zu begrapschen, trat ich nach ihnen so fest ich nur konnte. Ich fühlte mich absolut wehrlos, ich fand es abartig, unbemerkt fing ich an zu weinen. Nach wenigen Minuten kamen meine Freunde zur Hilfe, die mich aufgrund meiner gelben Jacke inmitten der Männer erkannten. Sie kämpften sich zu mir durch, um mich aus dem Pulk herauszuziehen.

Ich sammelte mich kurz, regte mich ab, doch das Entsetzen über das, was gerade passiert ist, blieb. Wir gingen Richtung U-Bahn-Station. Ein junger Mann kam auf meinen Freund zu und frage auf Englisch nach einer Zigarette. Als Nichtraucher musste er ihm leider sagen, dass er keine Zigaretten habe. Sogleich wurde der junge Mann aggressiv und im selben Moment kamen ca. sechs weitere hinzu und gingen auf meinen Freund los. Sie schubsten und beschimpften ihn, schlugen auf ihn ein. Erst als meine Freunde und weitere Männer, die ein wenig Abseits standen, zu Hilfe kamen, konnte man ihn aus der Menge lösen. Wir alle liefen davon.

Die Polizei war hilflos und frustriert

Allmählich begriffen auch meine Freunde, dass etwas ganz Seltsames vor sich ging. Aber niemand von uns wusste genau, was wirklich los war. Wir schauten in unseren Hand- und Jackentaschen, ob etwas geklaut wurde, aber nichts fehlte.

Es war seltsam und beängstigend. Wir wollten jetzt nur noch nach Hause, aber wir mussten ja immer noch zur U-Bahn gelangen. Auf dem Weg dorthin trafen wir dann auf eine Polizistin, die mich ansah und fragte ob ich in Ordnung sei. Vermutlich sah sie mir durch mein verweintes Gesicht, das von Make-up verschmiert war, an, dass eben nicht alles ok war.

„Nein“ sagte ich. Doch sie blockte bereits ab. Sie, die Polizei, wüssten Bescheid, aber könnten leider nichts machen. Zu früherer Uhrzeit sei es noch schlimmer gewesen, es habe sich schon gelegt. Sie riet uns, auf unsere Taschen zu achten und schnellstmöglich von hier weg zu kommen.

Am nächsten Tag saßen wir gemeinsam am Tisch und konnten nicht wirklich begreifen, was mir und uns in dieser Nacht widerfahren war. Aber als wir vier Tage später über die Nachrichten vom tatsächlichen Ausmaß dieser Übergriffe in Köln zur Silvesternacht erfuhren, wussten wir nun, dass wir kein Einzelfall waren.

Jetzt, fast zwei Wochen später, ekelt es mich immer noch an, was mir widerfahren ist.

Auch Ihr habt ein Thema, eine Geschichte oder Kritik, die Ihr mit den Würzburgern teilen wollt? Dann schickt sie uns an redaktion@wuerzburgerleben.de.

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