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Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Unwort des Jahres 2015: „Gutmensch“

Im Zusammenhang mit Flüchlingsthema

Das „Unwort des Jahres“ ist „Gutmensch“, so die Jury der Sprachkritischen Aktion. Das Wort „Gutmensch“ sei zwar bereits seit langem im Gebrauch und wurde auch 2011 schon einmal von der Jury als ein zweites Unwort gewählt, doch ist es im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsthema im letzten Jahr besonders prominent geworden, so die Begründung in einer Pressemitteilung.

Als „Gutmenschen“ seien 2015 insbesondere auch diejenigen beschimpft worden, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellten, schreibt die Aktion „Unwort des Jahres“ in einer Pressemitteilung. Mit dem Vorwurf „Gutmensch“, „Gutbürger“ oder „Gutmenschentum“ würden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert.

„Gesinnungsterror“ und „Empörungsindustrie“

Der Ausdruck „Gutmensch“ floriere dabei nicht mehr nur im rechtspopulistischen Lager als Kampfbegriff, sondern werde, laut Pressemitteilung der Aktion „Unwort des Jahres“, auch von Journalisten in Leitmedien als Pauschalkritik an einem „Konformismus des Guten“ benutzt (vgl. z.B. Wolfram Weimer „Schluss mit dem Gutmenschen-Gegurke“, Handelsblatt 11.12.2015). Die Verwendung dieses Ausdrucks verhindere somit einen demokratischen Austausch von Sachargumenten. Im gleichen Zusammenhang seien auch die ebenfalls eingesandten Wörter „Gesinnungsterror“ und „Empörungs-Industrie“ zu kritisieren.

Platz Zwei: „Hausaufgaben“

Das Wort „Hausaufgaben“ wurde nach Angaben der Aktion „Unwort des Jahres“ in den Diskussionen um den Umgang mit Griechenland in der EU nicht nur, aber besonders im Jahr 2015 von Politikerinnen und Politikern, Journalistinnen und Journalisten als breiter politischer Konsensausdruck genutzt, um Unzufriedenheit damit auszudrücken, dass die griechische Regierung die eingeforderten so genannten Reformen nicht wie verlangt umsetze: sie habe ihre „Hausaufgaben“ nicht gemacht. In diesem Kontext degradiere das Wort souveräne Staaten bzw. deren demokratisch gewählte Regierungen zu unmündigen Schulkindern: Ein Europa, in dem „Lehrer“ „Hausaufgaben“ verteilen und die „Schüler“ zurechtweisen, die diese nicht „erledigen“, entspringt einer Schule der Arroganz und nicht der Gemeinschaft, so die Begründung der Aktion Sprachkritik. Das Wort sei deshalb als gegen die Prinzipien eines demokratischen Zusammenlebens in Europa verstoßend zu kritisieren.

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Platz Drei: „Verschwulung“

Das Wort „Verschwulung“ ziert einen Buchtitel des Autors Akif Pirinçci („Die große Verschwulung“) und wurde von der Online-Zeitschrift „MÄNNER“ und ihren Lesern zum „Schwulen Unwort 2015“ gekürt. Die Jury teilt die Ansicht der Zeitschrift und ihrer Leser, dass ein solcher Ausdruck und die damit von Pirinçci gemeinte „Verweichlichung der Männer“ und „trotzige und marktschreierische Vergottung der Sexualität“ eine explizite Diffamierung Homosexueller darstelle und kritisiert den Ausdruck daher ebenfalls als ein Unwort des Jahres 2015. Auch durch die Analogie zu faschistischen Ausdrücken wie „Verjudung“ sei die Bezeichnung laut der Pressemitteilung kritikwürdig.

Unwort Statistik 2015:

Für das Jahr 2015 wurden 669 verschiedene Wörter eingeschickt, von denen ca. 80 auch den Unwort- Kriterien der Jury entsprechen. Die Jury erhielt insgesamt 1644 Einsendungen. Die zehn häufigsten Einsendungen insgesamt, die allerdings nicht sämtlich den Kriterien der Jury entsprechen, waren Lärmpause [165], Willkommenskultur [113], Gutmensch [64], besorgte Bürger [58], Grexit [47], Wir schaffen das! [46], Flüchtlingskrise [42], Wirtschaftsflüchtling [33], Asylgegner/-kritiker/Asylkritik [27] und Griechenlandrettung/ Griechenlandhilfe [27].

Mitglieder der Aktion „Unwort des Jahres“

Die Jury der institutionell unabhängigen Aktion „Unwort des Jahres“ besteht aus folgenden Mitgliedern: den vier Sprachwissenschaftlern Prof. Dr. Nina Janich/TU Darmstadt (Sprecherin), PD Dr. Kersten Sven Roth (Universität Düsseldorf), Prof. Dr. Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Universität Trier) sowie dem Autor und freien Journalisten Stephan Hebel. Als jährlich wechselndes Mitglied war in diesem Jahr der Kabarettist Georg Schramm beteiligt.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Sprachkritischen Aktion „Unwort des Jahres“ 

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