Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Gastbeitrag: „Über den Schreck des Erwachsenseins“

Ein Gastbeitrag von Sophie

Neue Wohnung, neue Stadt  und neues Bundesland

Die Freude war riesig, als ich in meine erste eigene Wohnung zog – von Würzburg nach Frankfurt. In ein neues Bundesland, in eine neue Stadt. Alles war neu. Neu ist toll, weil es aufregend ist.

Kurz vor meinem Umzug habe ich geträumt wie es so wäre mit neuen Leuten, coolen Kneipen und Klamottenläden en masse. Ich wusste nicht, wie es werden würde, jedenfalls, und da war ich mir sicher, es würde gewiss großartig.

Die gezogene Bilanz

Nach über einem Jahr ziehe ich Bilanz: Ohne Zweifel, ich habe neue Leute kennengelernt, tolle Menschen. Ich war in Restaurants, deren Gerichte ich nicht aussprechen kann, geschweige denn bezahlen und ich bin überall ohne Auto hingekommen. Für die letzten Monate bin ich sehr dankbar. Trotzdem habe ich mir das alles so anders vorgestellt. Denn in Wirklichkeit bedeutet in eine neue Stadt ziehen nämlich auch folgendes:

Die Menschen, die einen wirklich gut kennen, sind weg. Es gibt neue Leute, die eigentlich überhaupt nicht wissen wo du herkommst, sondern nur wer oder was du im Moment bist. Und das ist ja auch irgendwie aufregend. Nur ist es ein wenig „unentspannt“.

„In meiner Vorstellung ging ich jeden Abend aus“

In meiner Vorstellung ging ich jeden Abend aus. Nope. Fehlanzeige. Eine neue Stadt bedeutet viel noch nie Dagewesenes. Die Einsamkeit ab und zu mit eingeschlossen.

Ein kuschliges Café am Marktplatz gibt es nicht. Die Bedienung kennt deinen Namen nicht. Cafés müssen hier irgendwie hip und teuer sein, eine Deep House Playlist und einen Barista haben. Apropos teuer. Einkaufen ist teuer. Und einkaufen bedeutet eigentlich nur recht selten Klamotten, weil die Fütterung des Kühlschrankes Priorität hat. Der Kühlschrank ist so ein Raubtier.

„Das war bei Mutti anders“

Das war bei Mutti anders. Da gab es Essen in Hülle und Fülle und abends stand das Mahl schon dampfend auf dem Tisch. Ich möchte nur kurz erwähnen, dass ich „Zuhause“ sogar die Wahl zwischen verschieden Salzsorten hatte. Nur mal so am Rande. Spülmaschine ausräumen war dann mal die Höchststrafe. Ach ne, Müll rausbringen war schlimmer. Mehr gab es eigentlich auch nicht zu tun.

Jetzt schlage ich mich mit Strom- und Gasanbietern rum, lese Zählerstände ab, kümmere mich um die Einrichtung des WLAN, melde GEZ an, schmeiße den ganzen Haushalt alleine (Spülmaschine ausräumen inklusive) und schraube sogar Lampen an Wände. Bei Letzterem wäre ich fast gestorben, weil ich die Drähte falsch verbunden habe. Oooops. Klingt eigentlich alles gar nicht mal so toll.

„Ich bin froh, dass ich nicht wusste, was auf mich zukommt“

Trotzdem bin ich froh, dass ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Sonst hätte ich das nämlich nicht gemacht. Dann hätte ich niemals einen Vergleich. Und würde mich auch nie so erwachsen fühlen, wie ich es jetzt tun kann. Ich glaube das muss so sein, das gehört einfach zum Leben dazu. Diese Phase des Austestens, Entdeckens und ab und zu auch mal auf die Fresse-Fliegens. Und Bitch, wer kann schon von sich behaupten, dass er eine Gu10-Birne wechseln kann und sogar das passende Zubehör Zuhause rumliegen hat? Punkt für mich.

#callmechucknorrisdeshaushalts

Über Sophie

Sophie ist 21 Jahre alt, lebt in Frankfurt und ist verliebt in ihren Mops Emil, Macarons, Make-Up und Reisen. First Pug ist ihr persönlicher Blog über das schöne Leben.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an:redaktion@wuerzburgerleben.de.

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