Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Wie wunderbar wüst die SMAUL auf dem Würzburger Weihnachtsmarkt wütet

TEIL 2

Ein Gastbeitrag der SMAUL-Redaktion 

In Teil 1 des Gastbeitrags der SMAUL-Redaktion begann ein ereignisreicher Abend auf dem Weihnachtsmarkt, dessen Fortsetzung Ihr hier nun lesen könnt.

Italienische Schweinkost

Wir gelangen reich beschenkt an einen italienischen Stand. Schwarze Trüffel werden angeboten, eine Leibspeise unseres Chefs. Er genießt sie „nach ein paar Nasen Koks mild und gut unter der Tanne, für die scheiß Besinnlichkeit“ wie er erfrischend offenherzig bekennt. „Sind noch Trüffel da, Paolo?“, brüllt er erlesen höflich den Verkäufer an. „Nein, die sind ausverkauft“, will dieser ihm doch tatsächlich weismachen. Frank F. – dieser Mann opfert sich auf für die Recherche, auch privat.

Er geht auf alle Viere, schnüffelt laut grunzend, schnaubend hinter der Theke umher. Wir halten uns hinter ihm, fangen die Dinge auf, die er bei seinen selbstverständlich notwendigen Nachforschungen herunterschmeißt. „Eh, hören Sie . . . sind Sie verrückt geworden?“, macht sich die vermutlich fachlich minder qualifizierte Verkaufshilfe frech. Ein Schnipsen des von uns verehrten Zeilen-Zars genügt. Wir ziehen „Paolo“ unter seinen Tresen, verprügeln ihn mit seinen eigenen, riesigen Parmaschinken. Obwohl wir unser Bestes geben, ist die gute Laune von Frank Frei verflogen.

Bauuuuuuuuuuummm . . . fällt!

Unser Frank. Er denkt sogar nach solch ärgerlichen Erlebnissen nur an uns! Er kauft für jeden gleich drei teure Alpaka-Mützen. „Die verliert man ja dauernd!“, weiß er. Der schon wieder flennende Hyacintho bekommt sogar noch eine Schokoladenbanane geschenkt, die er sofort und am Stück verzehren darf. Plötzlich hört die ganze Redaktion ein sich steigerndes Krachen. „Haben wir vielleicht nach diesen tollen Erlebnissen Weihnachten verpasst, ist schon Silvester?“, fragen wir uns. Doch nein: Die 17 Meter hohe, zwei Tonnen schwere Fichte vor der Marienkapelle, geschmückt mit 1200 Lichtlein, fällt malerisch langsam ächzend um.

Wir sind geschockt. Erstaunlich ist, dass vom Unglücksort zahlreiche bunte Fäden zu Frank F. führen. Einige der völlig unsauber verarbeiteten, peruanischen Wollmützen haben sich offenbar im Gezweig verfangen, sich unbemerkt aufgedröselt und den Weihnachtsbaum unglücklicherweise zu Fall gebracht. Die circa 13 mit lustigen Bömmeln versehenen Mützen hatte unser Chef-Redakteur aus Platzspargründen alle auf seinem Kopf aufgetürmt. Ganz Politiker der ruhigen Hand wirft Frank F. den Berg minderwertiger Waren in eine aufzischende Maronipfanne.

Per Galopp in die Bredouille

„Scheiße, jetzt dreht sich aber die Schehne . . . ähh, Szenerie!“, erkennt er dann als einziger von uns. Er lässt sich auf ein wahrscheinlich dafür bereitstehendes Pferdchen nieder, um zu ruhen. Um den Geist der Weihnacht, wo nicht des Weinbrands, in sich setzen zu lassen. Gerechter Schreck fährt ihm jedoch in die Glieder: Das vorher so ruhige Füllen hebt an, im Kreise herum zu brausen! „Sie holen mich! Jetzt holen sie mich!“, ruft das nur dreimal vorbestrafte Schreib-Genie aus.

Wir trauen unseren Ohren kaum, als wir doch tatsächlich daraufhin die Englein singen hören: „Ihr Kinderlein kommet/ o kommet doch all’/ da liegt er, der F.s Frank/ besoffen gefall’n!“ Doch eigentlich klingen die Stimmen mehr wie die von zwei schadenfrohen Männern. Zu sehen ist aber niemand. Das Kinderkarussell stoppt den Höllenritt, feixende Kinder lachen Frank Frei böse aus. Sie zeigen mit dem Finger auf ihn, der gerade in den Schneematsch geplumpst ist. Wir ziehen den Chefredakteur vom Boden, fönen seine Jacke, lecken ihm die Stulpenstiefel sauber. Geistesgegenwärtig bläst er zum Rückzug.

Ein mieser Streich von Würzburg erleben

Beziehungsweise sind inzwischen fiese Fascho-Bullen in Uniformen da, die ihn in eine Apparatur blasen lassen. Wir sehen Leo und Chris von Würzburg erleben wegrennen, die uns hämisch grinsend den Mittelfinger zeigen. Sie haben uns angezeigt, wollen uns als Konkurrenz erledigen – und das an Weihnachten. Frank Frei hingegen bleibt sogar in dieser vertrackten Lage ein Diplomat sondersgleichen, ganz Mann des Kompromisses. Der vollbusigen Beamtin bietet er sofort einen Ausgleich an. „Aber meine Teuerste! Können sie diesmal nicht statt U-Haft meinen Tannenwedel mit Lametta schmücken?“ Ein solches Angebot würde KEINER aus der Redaktion fahren lassen!

Der Geist der Weihnacht bei der SMAUL

Die untalentierte Streifentante, die nicht einmal ahnt, was sie verpasst, hat aber eine ganz andere Idee: „Hören Sie, Herr F.! Sie bekommen jetzt die Gelegenheit, in einer kleinen, sogar vergitterten Klause zu meditieren. Und sie wissen, dass bei ihrem Strafregister die einzige Alternative die Hinterlegung einer Kaution in Höhe von . . .“

Frank F. handelt schnell, handelt gut, handelt richtig: „Ich nehme ihr schäbiges Angebot an – aus Mitleid. Es ist ja bald – oder war zumindest vor kurzem – ja auch Weihnachten!“ In der Zelle sei, so unser Paragraphenreiter Nummer Eins nach seinem meditativen Aufenthalt in der JVA, dann in der Tat „der Geist der Weihnacht“ in ihn gefahren.

SMAUL – Satire für Würzburg

Die SMAUL hatte zwei ständige und mehrere sporadische Mitarbeiter. Wer Interesse bekommen hat, kann etwas posten. Bei ernsthaftem, längerfristigem Interesse können wir ins Gespräch kommen.

Alle Artikel der SMAUL findet Ihr hier. 

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen oder sogar anstacheln – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen – auch in satirischer Form. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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