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Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Verlegung des Staatsarchivs: CSU und SPD äußern sich

Verlagerung des Staatsarchivs nach Kitzingen

Nachdem der Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU) sich für die Verlagerung des Staatsarchivs aus Würzburg nach Kitzingen eingesetzt hat, hat es von allen Seiten Kritik geregnet. Doch die Meinungen sind unterschiedlich. Während Georg Rosenthal (SPD) sich kritisch äußert, argumentiert Oliver Jörg (CSU) für die Verlagerung. Im folgenden werden die Pressemitteilungen von SPD und CSU aufgeführt.

SPD Landtagsabgeordneter Georg Rosenthal zur Verlagerung des Archivs: 

Diskussion über Verbleib des Staatsarchivs

Der Wissenschaftsausschuss diskutierte auf Antrag der SPD über den Verbleib des Staatsarchivs in Würzburg – Bericht des Heimat- und Wissenschaftsministeriums ist für Februar 2016 zu erwarten.

Eigentlich sollte die Verlagerung des Staatsarchivs von Würzburg nach Kitzingen die Große Kreisstadt strukturpolitisch stärken. Ein im Wissenschaftsausschuss des Bayerischen Landtags behandelter Antrag der SPD-Landtagsabgeordneten auf Verbleib des Staatsarchivs in Würzburg zeigte jedoch, dass hier deutliche Fragezeichen zu setzen sind. Unter Zustimmung aller Fraktionen, ausdrücklich auch der CSU, stimmten die Abgeordneten dafür, die für die Entscheidung zuständigen Ministerien in den Ausschuss vorzuladen. Mit dem Bericht aus dem Heimatministerium von Dr. Markus Söder sowie dem Wissenschaftsministerium von Dr. Ludwig Spaenle ist vermutlich im Februar 2016 zu rechnen.

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Keine echte Stärkung des Wirtschaftsstandorts

In seinem Redebeitrag begründete SPD-Landtagsabgeordneter Georg Rosenthal nochmals seine Ablehnung. Er geht davon aus, dass von maximal 17 neuen Arbeitsplätzen in Kitzingen keine echte Stärkung des Wirtschaftsstandorts zu erwarten sei. Vielmehr gehöre ein Archiv dieser Bedeutung an einen gewachsenen Wirtschafts- und Forschungsstandort wie Würzburg. Hinzu komme, dass das Wehrmachtsgebäude nach Einschätzung des Staatlichen Bauamts als Standort für ein Archiv ungeeignet und damit ohnehin ein teurer Neubau nötig sei. Als Alternative zu einer Verlegung des Archivs mit einer Jahrhunderte zurückreichenden Tradition und 24 laufenden Kilometern Akten brachte er die Direktion des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) und die Qualitätsprüfungsstelle für Weinerzeugnisse ins Gespräch. Beide Behörden passten besser in die Weinbaustadt Kitzingen als ein wissenschaftliches Archiv.

Kaum Nutzen der Behördenverlagerung für Kitzingen

Dem Kitzinger CSU-Landtagsabgeordneten Dr. Otto Hünnerkopf fiel es spürbar schwer, den Nutzen der Behördenverlagerung für Kitzingen herauszustellen. Er ging weder darauf ein, inwiefern die Stadt, die immerhin den Verlust von 7.200 amerikanischen Bürgern zu verkraften hat, von dem Neubau eines Staatsarchivs profitieren könnte noch wie sich die Verlegung fachlich begründen lässt: Vielmehr warf er den Kritikern pauschal vor, Veränderungen und den „Schritt ins Ungewisse“ zu scheuen. Er setzt auf einen Ausbau des Bus- und Bahnverkehrs zwischen Würzburg und Kitzingen. Dieser soll ermöglichen, dass das Archiv auch nach seinem Umzug für die Würzburger Forscher leicht erreichbar bleibt. Von dem Würzburger CSU-Landtagsabgeordneten Oliver Jörg gab es keine Stellungnahme.

Falsche Entscheidung

In der Diskussion wurde deutlich, dass die SPD-Landtagsfraktion, aber auch die Redner der Landtagsfraktionen der Freien Wähler, Prof. Peter Bauer, und der Grünen, Verena Osgyan, darum bemüht sind, dem Minister ein Hintertürchen als Ausweg zu öffnen, um aus dem „Schildbürgerstreich“ (Osgyan) ohne „Gesichtsverlust“ wieder herauszukommen. Bauer sprach an Söder gerichtet vielmehr von einem „Zeichen von Größe“, eine Entscheidung als falsch anzuerkennen.

Petition mit 650 Unterschriften

Eine Petition mit 650 Unterschriften, ablehnende Stellungnahmen etwa des für die Geisteswissenschaften zuständigen Vizepräsidenten der Universität, zahlreiche Eingaben und Briefe von den Archivaren über die historischen Vereine und Heimatpfleger bis hin zum Würzburger Bischof Dr. Friedhelm Hofmann und dem Mainzer Kardinal Bischof Prof. Dr. Karl Lehmann zeigen, wie groß die Sorge um den Abzug des historischen Gedächtnisses der Stadt Würzburg, des Fürstbistums Würzburg und des Kurfürstentums Mainz aus der Wissenschaftsstadt Würzburg ist.

CSU Landtagsabgeordneter Oliver Jörg zur geplanten Verlagerung des Staatsarchivs:

Chance für Neustrukturierung der Festung

Der Landtagsabgeordnete Oliver Jörg (CSU) ruft dazu auf, die geplante Verlagerung des Staatsarchivs als Chance für dessen Neustrukturierung sowie als Chance für das neue Museumsquartier auf der Festung zu sehen.

Die durch den Auszug des Archivs frei werdenden Räumlichkeiten auf der Festung sind für das neue Museumsquartier Marienberg von grundlegendem Wert. Mit dem zukünftigen Landesmuseum und der stark verbesserten Nutzungsverteilung auf der Marienfeste ist ein entscheidender touristischer Mehrwert zugunsten Würzburgs verbunden. Auf wissenschaftlicher Seite erwartet Jörg von der Gründung eines neuen Landesmuseums wesentliche Impulse für die Fränkische Geschichtswissenschaft.

Aufnahme Kitzingens in Heimatstrategie

Da die Festung das Staatsarchiv künftig also nicht mehr beheimaten kann, wäre ohnehin ein neuer Standort gefragt gewesen. „Sicherlich hätten wir Würzburger uns über einen weiteren attraktiven Neubau in unserer Stadt auch gefreut“, so Jörg. Die Aufnahme Kitzingens in die Heimatstrategie der Staatsregierung begründete jedoch die Verlagerung des Archivs in die Kreisstadt. Kitzingen hatte zuvor keine Projekte im Rahmen der Nordbayern-Initiative zur Bewältigung des wirtschaftlichen und demografischen Wandels erhalten und konnte bisher auch noch nicht von Behördenverlagerungen profitieren. Mit dem Abzug der US-Streitkräfte 2006 verließen ca. 7220 Soldaten, Angehörige und Zivilbeschäftigte die Stadt.

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Infrastrukturen in den Regionen ausbauen

„Vor zwei Jahren wurde sich per Volksentscheid für die Verfassungsverankerung gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz Bayern ausgesprochen. Es geht für Kitzingen nicht allein um die Verlagerung von 17 Arbeitsplätzen. Es geht darum, wichtige Infrastruktur in den Regionen aufrechtzuerhalten bzw. auszubauen“, so Jörg. Behörden und staatliche Einrichtungen schaffen eine zentrale Örtlichkeit, die die Nutzung weiterer Flächen in der Umgebung sowie den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs begünstigt. Sie bilden erfahrungsgemäß einen Nukleus für weitere positive Impulse. Die stärke einer Region lebt auch von der gegenseitigen Solidarität.

Heimatstrategie fördert ländliche Räume

Wie auch die Mehrheit des Würzburger Stadtrates erkennt Jörg die schwierige Situation Kitzingens an. Würzburg entwickle sich mit seinem international anerkannten und exzellenten Hochschulstandort erfolgreich. „Dazu haben auch die großen Investitionen der letzten Jahre beigetragen – beispielsweise die Sanierung und Erweiterung des Uniklinikums, der Um- und Ausbau des Chemiezentrums oder die Neugründung eines Forschungszentrums Herzinsuffizienz. Bei allen Großprojekten habe ich mich auf die Unterstützung der unterfränkischen Fraktionskollegen aus den ländlichen Räumen verlassen dürfen“, so Jörg. Die Bayerische Heimatstrategie werde nun verstärkt auch die ländlichen Räume fördern.

Worauf es nun vor allem ankommen muss:

  • Erstens gilt es persönliche Härten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Staatsarchives zu vermeiden.
  • Zweitens gilt es sich dafür stark zu machen, dass die Neustrukturierung ein Gewinn für das Staatsarchiv wird. Moderne archivarische Belange müssen Berücksichtigung finden. Der jetzige, zweite Standort in der Residenz ist weder vom Brandschutz noch von den klimatischen Gegebenheiten her zukunftsfähig.
  • Drittens verdient die attraktive Gestaltung der öffentlichen Räume des neuen Staatsarchivs ein kräftiges Engagement. Denn aktuell kommen nur noch 6 Besucher pro Tag ins Staatsarchiv. Geeignete Räume für Wechselausstellungen und Veranstaltungen könnten hier den Trend sinkender Besucherzahlen umkehren.
  • Viertens sollte die wissenschaftliche Arbeit mit flankierenden Maßnahmen begleitet werden. So fordert Jörg, dass das Staatsarchiv sodann in den Bücherdienst der Universität Würzburg aufgenommen wird und nach Möglichkeit am Universitätsstandort eine Präsenzeinrichtung des Staatarchives entsteht, damit Lehrende wie Studierende und andere Nutzer eine Anlaufstelle finden, an der sie die Archivalien auch nutzen können.
  • Fünftens gilt es, eine optimale ÖPNV-Verbindung zwischen dem neuen Standort in Kitzungen und Würzburg einzufordern, damit eine direkte Verbindung zwischen dem Universitätsstandort am Hubland und dem zukünftigen Standort des Staatsarchives entsteht. Damit wäre die Strecke mit ca. 20 Minuten in der gleichen Zeit zu bewältigen, wie etwa der Weg in die Zellerau oder zum Heuchelhof. Auch bleibt zu berücksichtigen, dass die Zugverbindung von Würzburg nach Kitzingen gerade mal 18 bis 20 Minuten beträgt und für einige Teile Unterfrankens und Nordbayerns der Standort Kitzingen attraktiver liegt als die Innenstadt Würzburgs.

Dieser Artikel beruht auf den Pressemitteilungen der Landtagsabgeordneten Oliver Jört (CSU) und Georg Rosenthal (SPD).

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