Würzburg - Foto: Pascal Höfig
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Macht Erfolg wirklich unsozial?

Gute Noten führen zu unsozialem Verhalten

Schon während der Schulzeit waren Streber nicht wegen ihrer guten Noten, sondern wegen ihres unsozialen Verhaltens unbeliebt. Obwohl sie stets mit sehr gut abschlossen, ließen sie nie jemanden an ihrem Erfolg teilhaben, sprich: man durfte nie von ihnen abschreiben. Vom Abschreiben einmal abgesehen, wollten sie auch nie mit der Sprache herausrücken, wenn sie von einem Mitschüler etwas gefragt wurden.

Studie vom University College London

Macht Erfolg also unsozial? Nun soll diese Annahme sogar bewiesen sein. Laut der Wirtschaftswoche macht Erfolg tatsächlich unsozialer. Dies zeigt eine Studie von Ana Guinote und Psychologen vom University College London. Anhand von vier verschiedenen Tests veranschaulicht Ana Guinote, dass Menschen, die weniger angesehen sind sozialere Verhaltensweisen zeigen und auch Werte vertreten, die für soziale Gleichheit stehen im Vergleich zu Menschen mit einem höheren Status.

Schon Kleinkinder sind betroffen

Diese Verhaltensmuster sollen sich sogar schon bei Kleinkindern bemerkbar machen. Die Wirtschaftswoche schreibt, dass bei einigen Versuchen Vorschüler, deren soziales Ansehen geringer war, größere Hilfsbereitschaft gezeigt haben sollen, selbst wenn sie deswegen höheren Aufwand betreiben mussten. Die Autoren dieser Studie stellen, laut Wirtschaftswoche, fest, dass sich dieses Muster der Beziehung zwischen dem sozialen Status und Altruismus schon bildet, bevor die Kinder das Lesen erlernen und komplexe moralische Überlegungen oder soziale Wahrnehmungen anstellen können.

Kinder mit hohem Ansehen weniger hilfsbereit

Bei einem Versuch mit 48 Vorschulkindern im Alter von durchschnittlich 4,7 Jahren wurden jeweils zwei gleichaltrigen und gleichgeschlechtlichen Vorschulkindern ein beliebtes und ein weniger beliebtes Spielzeug vorgeführt. Daraufhin wurde ein Wettbewerb um das beliebte Spielzeug veranstaltet, der Gewinner erlangte damit auch das höhere Ansehen. Später wurden die Kinder gefragt, ob sie von ihren fünf Stickern ein paar an ein Kind im Krankenhaus abgeben würden, da dieses keine Sticker hat. Die Ergebnisse zeigten, dass die Verlierer des vorherigen Wettbewerbs, eine höhere Bereitschaft zeigten ihre Sticker mit dem vermeintlich kranken Kind zu teilen.

Verhaltensmuster bei Erwachsenen ebenfalls sichtbar

Dieses Verhalten soll bei Erwachsenen ebenfalls sichtbar sein, schreibt die Wirtschaftswoche. Menschen mit niedrigerem Status zeigten sich hilfsbereiter und altruistischer als Angesehene. Denn diese legten eher Wert darauf kompetent zu wirken. Die Psychologen der Studie stellen fest, dass weniger angesehene Menschen einen beruflichen Werdegang wählen, der mehr der Allgemeinheit dient und vertreten uneigennützigere Werte.

Versuche mit Studenten

Für einen weiteren Test werden Studenten mithilfe von bewährten psychologischen Mitteln so manipuliert, dass sie glauben ihr Studiengang sei weniger hoch geschätzt oder besonders renommiert. Daraufhin wurde beobachtet, ob diese Studierende einer Person, die ihre Stifte fallenlässt beim Aufheben helfen oder nicht. Das Ergebnis: Die Studenten, die ihr Studium für weniger Wert hielten, halfen öfter, als diejenigen die glaubten ihr Studium sei besonders angesehen, so die Wirtschaftswoche.

Ein anderes Experiment mit 50 Kunststudenten, die durch scheinbare Wertungen ihrer Akademien so konditioniert wurden, dass sie glaubten ihr Status sei niedriger oder höher, interpretierte die Ergebnisse der Zukunftspläne der Probanden. Diejenigen, die ihren sozialen Status für niedriger ansahen, wählten gemeinnützigere Ziele, die auch dem Wohl anderer Menschen dienen, als diejenigen, die ein höheres Ansehen genossen.

Gemeinnütziges Verhalten als Anpassungsstrategie

Ana Guinotes Erklärung für dieses Phänomen liege, laut der Wirtschaftswoche, in der Evolution der Menschen. Denn gemeinnütziges Verhalten könne eine Anpassungsstrategie für Personen mit niedrigeren Positionen sein. Kooperatives Verhalten habe schon in der Vergangenheit der Evolutionsgeschichte höhere „Überlebenschancen“ versprochen, da die Nahrungsbeschaffung, die Partnerfindung und die Verteidigung vor Bedrohungen dadurch effizienter wurden.

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