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Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

SPD diskutiert über Zukunft des deutschen Fernsehens

„Wann, endlich, kommt ein deutsches ‚Breaking Bad‘?“

„Wann, endlich, kommt ein deutsches ‚Breaking Bad‘?“, lautete das Thema einer Podiumsdiskussion mit Schauspielerin Kristin Meyer zur Zukunft des deutschen Qualitätsfernsehens. Bei einer Veranstaltung der unterfränkischen SPD-Landtagsabgeordneten in dem Würzburger Musikclub Posthalle begegneten sich ausgewiesene Experten des deutschen Films. Während in den USA seit Jahren innovative Serien entstehen, die auch international erfolgreich sind, werden in Deutschland überwiegend Kriminalserien von eher hausbackener Machart produziert. Kritiker machen dafür das gebührenfinanzierte Fernsehen in Deutschland verantwortlich. Aber ist dem wirklich so? Sind es wirklich die Gebühren, die neue Ideen in den Köpfen der Kreativen blockieren?

„Gutes Fernsehen braucht Förderung“

„Es geht um nichts weniger als die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien“, stellte SPD-Landtagsabgeordneter Georg Rosenthal in seinem Grußwort fest. „Sie stellen in unserer Medienlandschaft den freien Meinungsaustausch sicher“, verteidigte er die Gebühren gegen wiederholte Vorstöße, sie abzuschaffen. In ihrem Schlusswort stellte die Schweinfurter SPD-Landtagsabgeordnete Kathi Petersen heraus, dass eine ausreichende Finanzierung dafür entscheidend sei, dass sich die Medien dem Einfluss von Wirtschaft oder Politik entziehen könnten. „Gutes Fernsehen braucht eine entsprechende Förderung“, betonte sie. „Auch die Schauspieler sollten vernünftig davon leben können.“ Initiiert wurde die Veranstaltung von einer Gruppe junger Wissenschaftler der Romanistik der Universität Würzburg.

Enormer Kostendruck

Mit Kristin Meyer war eine erfahrene Serien-Schauspielerin zu Gast, die nicht notgedrungen, sondern aus Überzeugung für die Gattung in Serien mitspielt. Für sie ist es reizvoll, eine Figur über eine längere Zeit als Schauspielerin zu verkörpern und ihre allmähliche Entwicklung herauszuarbeiten. Auch dass die einzelnen Folgen vergleichsweise kurzfristig auf gesellschaftliche Ereignisse reagieren können, findet sie spannend. Was ihr jedoch die Freude am Drehen verdirbt, sind die ernüchternden Produktionsbedingungen: Im Durchschnitt hat eine Folge kaum mehr als sieben Drehtage. Der Kostendruck ist enorm. Während bekannte Namen für sich Sonderkonditionen herausschlagen könnten, habe sich rund um die Filmproduktionsfirmen ein „Medienprekariat“ herausgebildet, ohne das kaum noch ein Film entsteht, kritisierte sie. „Es ist normal, dass das Budget so gering ist, dass man mit Praktikanten arbeiten muss.“

US-Serien unterscheiden sich kaum von Kinofilmen

In den USA lässt sich ein gegenläufiger Trend erkennen: Während Serien lange Zeit als zweitrangig galten, haben sie in den letzten zwanzig Jahren deutlich an Anerkennung gewonnen. Die Zeiten, dass eine eher flache Soap Opera nebenher lief, um das Bügeln kurzweiliger zu gestalten, sind vorbei. Erfolgsserien wie „Breaking Bad“, „Game of Thrones“ oder „True Detective“ sind aufwendig hergestellt, unterscheiden sich oft kaum noch von Kinofilmen und setzen in Sachen Kreativität und Innovation neue Akzente. Die Regie führen namhafte Regisseure wie Martin Scorsese.

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„Es fehlt bei uns an Mut“

„Es fehlt bei uns an Mut, es fehlt an der Durchsetzung neuer Ideen“, legt denn auch Meyer den Finger auf den wunden Punkt der deutschen Filmproduktion. Ein Übermaß an Vorfestlegungen im Programmschema und zu eng gefasste Kontrollmechanismen in den Redaktionen hält sie für Gift für die Kreativität. „Ich organisiere Polizeiabsperrband“, bekommt sie von ihrem Mann, einem Krimiregisseur, als Antwort auf ihre Frage, was er gerade tue, des öfteren zu hören. Ein Running Gang unter Filmemachern, die zu großen Teilen mit dem Abdrehen von Krimi-Serien beschäftigt sind.

Seit 2009 keine Erhöhung der Einnahmen

Eben hier setzt das gebührenfinanzierte Fernsehen an: „Die Gremien ermutigen dazu, nicht nur auf die Zuschauerzahl zu blicken“, erklärt Peter Hufe, der Medienexperte der SPD. Oft seien es die Redaktionen, die auf Einschaltquoten fixiert sind und bremsen. Peter Hufe sieht die Ursache für den hohen Kostendruck in den vielfältigen Anforderungen, die an die öffentlich-rechtlichen Medien gestellt werden. Die Umstellung des Fernsehens auf ein digitales Sendeformat, neue Streaming-Angebote, eine Vielzahl an Sendern, darunter auch Rundfunksender, und ein gewisses Maß an sozialen Standards seien nicht zum Nulltarif zu haben. Seit 2009 habe es keine Erhöhung der Einnahmen gegeben, bei gleichzeitig steigenden Kosten.

US-Kino profitiert von Größe des Marktes

Zudem: Blickt man genau auf das „Filmwunderland“ USA, relativiert sich der Erfolg des amerikanischen Kinos: Es profitiert von der Größe des Marktes, der weit über die USA hinausreicht. Dass der tatsächliche Marktanteil einer Serie in den USA oft nur wenige Prozent erreicht, spielt kommerziell keine Rolle. Oft ist einfach auch nur die schiere Menge an Produktionen, die jedes Jahr entsteht. Allein beim diesjährigen Festival in Cannes waren es 400 Serien, die neu vorgestellt wurden. „Vieles ist Einheitsbrei“, stellt Hufe fest. Nur wenige schaffen es wirklich, sich auch international durchzusetzen. „Stimmt die Zuschauerzahl nicht, sind die Produktionen auch ganz schnell wieder weg.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der SPD. 

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