Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Einbrüche gestanden: LUPUS-Chef vor Gericht

Selbsternannte Ordnungshüter

WÜRZBURG. „Wir sind ein kleiner Verein, der sich aus mehreren Wachleuten und Angehörigen von Rettungsdiensten gegründet hat, dessen Ziel es ist, Zivilcourage zu zeigen, und so Gewalt und Vandalismus für die Täter zu erschweren.“, hatte der Chef der „Einsatzgruppe LUPUS“ vor über zwei Jahren erklärt.

Wochenlang patrouillierte die Gruppe damals vor Diskotheken oder lief „Streife“ in der Innenstadt. Mit weißen Hemden und LUPUS-Logo, Handschellen und Pfefferspray gingen die selbsternannten Ordnungshüter auf Tour und spielten Polizei um die „Straßen sicherer zu machen“. Die Bürgerwehr wurde von der Stadt Würzburg dann verboten.

Schaden von rund 800.000 Euro

Seit Dienstag steht nun der ehemalige Bürgerwehr-Chef laut einem Bericht der Main Post zusammen mit einem 36-Jährigen Mechaniker wegen des gewerbsmäßigen Einbruchsdiebstahls in rund 50 Fällen vor dem Landgericht Würzburg. Die Angeklagten sollen laut Staatsanwaltschaft dabei rund 377.000 Euro erbeutet und einen Sachschaden von über 400.000 Euro hinterlassen haben.

Mit dem Jobverlust des 26-Jährigen im Jahr 2011 bei einem Pizza-Service, bis ins Jahr 2014 brachen die zwei Angeklagten in Würzburg und Umgebung in zahlreiche Firmengebäude ein – das behauptet jedenfalls der ehemalige LUPUS-Chef, der ein umfassendes Geständnis abgelegt hat. Autohäuser, Motorradhändler oder auch das Mainfranken Theater gehörten laut ihm zu den Zielen des Duos.

Motorradwerkstatt verwüstet

Den 36-jährigen Mitangeklagten belastet er mit seiner Aussage schwer und gibt an, dass er selbst in den meisten Fällen „nur“ aufgepasst haben will, während sein Partner die Einbrüche begangen hatte. Der Betreiber einer Würzburger Zweirad-Werkstatt hingegen streitet alles ab und will mit keinem der Fälle etwas zu tun gehabt haben.

Zur Last gelegt wird den beiden auch ein Fall, welcher besonders viele Schlagzeilen gemacht hatte. Bei einem Einbruch im Frühjahr 2014 in eine Motorradwerkstatt in Heidingsfeld wurden fast 50 Zweiräder beschädigt und knapp 300 Liter Öl verschüttet. Der oder die Täter richteten alleine hier einen Sachschaden von knapp 230.000 Euro an.

Was hier ziemlich auffällig ist und den 36-Jährigen Zweirad-Mechaniker in keinem guten Licht erscheinen lässt ist, dass er ein Verhältnis mit der Ehefrau des Werkstatt-Inhabers hatte und laut seiner Aussage der biologische Vater dessen Sohnes ist. Ob das reiner Zufall oder ein Tatmotiv ist, wird das Gericht jetzt klären müssen.

Der ehemalige Lupus-Chef ist wegen seinem Geständnis bisher auf freiem Fuß. Sein mutmaßliche Mittäter, der bereits wegen Einbruch vorbestraft ist, sitzt dagegen seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft. Insgesamt sind zwölf Verhandlungstage angesetzt.

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