Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Studentin verklagt juristische Fakultät und erkämpft sich ihren Traum zurück

Alle fünf Richter auf Seite der Jura-Studentin

Lisas Traum ist es eines Tages als Juristin zu arbeiten. 2011 beginnt sie deshalb ihr Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Würzburg. Im April letzten Jahres kam dann der harte Schlag: Die 23-jährige Studentin fiel im Drittversuch durch ihre Zwischenprüfung, wurde exmatrikuliert und sollte nie mehr in Deutschland Jura studieren dürfen. Dies wollte die aus Fulda stammende Frau nicht akzeptieren.  Sie empfand die Prüfungen als unzumutbar und fühlte sich ungerecht behandelt. Daher zog sie vor Gericht – und das mit Erfolg. Wir haben mit Lisa über ihren Fall gesprochen.

Lisa, inwiefern hast du eine ungleiche Behandlung an der juristischen Fakultät Würzburg erfahren? 

Auf Grund der großen Anzahl an Studenten, die den Kurs Öffentliches Recht – Allgemeines Verwaltungsrecht belegt haben, musste der Kurs in 2 Gruppen gesplittet werden. Die beiden Gruppen mussten dann an unterschiedlichen Tagen unterschiedliche Klausuren bei unterschiedlichen Professoren schreiben, die in keiner Weise einen vergleichbaren Schwierigkeitsgrad aufwiesen. Gruppe 2 bekam eine  Fallbearbeitung , die sehr einem im Konversatorium behandelten Fall glich. Gruppe 1 hingegen eine Klausur, die aus 2 quasi unbehandelten Themen bestand und dessen Prüfung nicht gelehrt wurde.

In welchem Ausmaß fanden die von dir benannten „rechtswidrigen Klausuren“ statt?

Für die Klausur im Allgemeinen Verwaltungsrecht, welche Teil der Zwischenprüfung ist, hat man in der Regel 3 Versuche. Der erste Versuch hatte ebenfalls das Thema beinhaltet, was das Gericht bei meiner Klage bezüglich Versuch 3, als nicht zumutbar beurteilt hat. Somit sind bereits beim Erstversuch eine Vielzahl von Studenten durchgefallen.

Bei dem beklagten Versuch hatte der Professor dieses, so schon kaum zumutbare Thema, noch mit einem anderen Verfahren kombiniert, was die Klausur für einen Studenten, der erst 1,5 Jahre Jura studiert quasi unlösbar macht. Die Universität hat somit Verfahrensfehler begangen. Damit wurde der allgemeine Gleichbehandlungsgrundsatz gemäß Art. 3 GG verletzt, da die Chancengleichheit unter den Studenten nicht gewahrt, und der zulässige Prüfungsstoff überschritten wurde.

Wie lange hat sich das Verfahren hingezogen?

Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses: Durchgefallen durch die Zwischenprüfung – Exmatrikulation – Kein Jura-Studium mehr in Deutschland habe ich zunächst im April 2014 Widerspruch eingelegt. Dieser wurde dann im Juli 2014 abgelehnt und daraufhin habe ich Klage beim Verwaltungsgericht in Würzburg erhoben. Die Verhandlung fand am 02.09.2015 statt. Das Ganze hat sich also mehr als 1,5 Jahre hingezogen und ich habe sehr viel Zeit verloren.

Welche Auswirkungen hat das Verfahrensergebnis für dich persönlich? 

Die Zwischenprüfung im Fach Rechtswissenschaften besteht aus 4 Teilprüfungen, für die es maximal 3 Versuche gibt.  Wer die Zwischenprüfung nicht besteht, darf in Deutschland nicht mehr Jura studieren und wird exmatrikuliert. Mein Anwalt hatte bereits nach Einlegung des Widerspruchs mit der Uni geklärt, dass ich und meine Kommilitonin die Klausur noch ein viertes mal, unter Vorbehalt, schreiben durften. Die Juristische Fakultät gab dem statt, die Klausur sollte allerdings erst bei erfolgreicher Klage bewertet werden. Durch meine Klage habe ich erreicht, dass mein Drittversuch als ungültig, und somit mein Viertversuch gewertet wurde. Diese Klausur habe ich bestanden und damit auch die Zwischenprüfung, die mir nun die Wiederaufnahme des Jurastudiums ermöglicht. Des Weiteren bin ich ins 5 Semester zurückgestuft worden.

Welche Konsequenzen hat das Urteil für die Universität Würzburg?

Ich denke, dass die Universität jetzt vielleicht mehr überprüft, was für Klausuren durch die Professoren gestellt werden, um einem erneuten Machtmissbrauch und einer Ausnutzung der Freiheit der Lehre und der Berufsfreiheit durch die Professoren entgegenzuwirken. Des Weiteren hoffe ich, dass die Universität ihre Prüfungsordnung überarbeitet, da diese in vielen Teilen, durch das Gericht, als nicht hinreichend bestimmt beurteilt wurde.

Was trieb dich dazu an wirklich vor Gericht zu ziehen?

Ich bin vor Gericht gezogen, weil es schon immer mein Traum war, Jura zu studieren und ich diesen nicht kampflos aufgeben wollte. Schließlich hat mich das Studium schon sehr viel Kraft,  Mühen, Nerven und auch Geld bis zum Zeitpunkt meiner vorläufigen Exmatrikulation gekostet. Für mich stand fest, dass die Universität Fehler gemacht hatte und ich keinen fairen Drittversuch bekommen hatte, der über meine Zukunft entscheiden sollte. Ich habe mich somit ungerecht behandelt gefühlt und wollte dies nicht stillschweigend hinnehmen, weil es ja für mich alles oder nichts hieß. Bei solch wichtigen Klausuren müssen faire Bedingungen und Chancengleichheit herrschen und es kann nicht sein, dass der Professor von Gruppe 1 seine Berufsfreiheit derart ausnutzt und den Prüfungsstoff in einem solchen Maße überschreitet. Zudem hätte ich vier Jahre ohne Ergebnis studiert, vier Jahre immense Kosten gehabt und stünde jetzt mit 23 Jahren da und hätte nichts als mein Abitur vorzuweisen.

Hast du Zuspruch von außen erfahren?

Zuspruch von außen gab es wenig, ich bin meistens belächelt worden, wenn ich erzählt habe, dass ich als kleine Studentin die Juristische Fakultät der Universität Würzburg verklage.  Viele haben sich ,,das Maul darüber zerrissen’’ und gemeint ich sollte die Entscheidung der Uni akzeptieren und dass ich vielleicht einfach nicht geeignet wäre für diesen Studiengang.

Wie konntest du diesen 1,5 Jahre langen „Kampf“ finanziell stemmen?

Während dieser 1,5 Jahre in der Schwebe hat mich eigentlich nur eine Person wirklich unterstützt, mein Großvater. Dieser hat die Kosten übernommen und mir immer zugesprochen, dass ich für mein Recht und meine Zukunft kämpfen muss. Alleine hätte ich die Kosten als Studentin niemals tragen können.

Hast du einen Rat für Studenten, die Ähnliches erlebt haben?

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Kämpft für eure Zukunft auch wenn es aussichtslos scheint. Ich habe nach der nervenraubenden Wartezeit von 1,5 Jahren selbst nicht mehr daran geglaubt, dass meine Klage Erfolg hat, aber ich habe nicht aufgegeben. Auch wenn die Universität oder Professoren eine enorme Größe sind sollte man sich davon nicht einschüchtern lassen. Man muss da einfach ein bisschen Vertrauen in sich selbst haben und darf sich nicht von anderen entmutigen lassen. Da ich meine Zwischenprüfung nun bestanden habe und meine Ergebnisse auch über dem Durchschnitt liegen, bin ich froh, dass ich gekämpft habe und freue mich sehr, dass ich mein Studium nun endlich wieder aufnehmen kann.

- ANZEIGE -

Kommentare zum Artikel

Kommentare zum Artikel

AUCH INTERESSANT