Würzburg - Foto: Pascal Höfig
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Anstieg der Flüchtlingszahlen trifft bayerisches Schulwesen unvorbereitet

Schriftliche Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten

Die Zahl der Flüchtlinge, die dieses Jahr in Deutschland ankommen, fällt nach Schätzungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit etwa 800.000 etwa doppelt so hoch aus als ursprünglich erwartet. Auf die große Zahl an schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen ist das bayerische Schulwesen zum neuen Schuljahr nicht vorbereitet. Dies geht aus einer Schriftlichen Anfrage des Würzburger SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal hervor.

Mangel an interkulturell ausgebildeten Lehrern

Zwar bestünden zum 31. Mai in Unterfranken 25 Übergangsklassen in den Städten, wo die jungen Menschen zusammen mit anderen Schülern mit Migrationshintergrund Deutsch lernen und an die Gesellschaft herangeführt werden, so der Abgeordnete in einer Pressemitteilung. Auch gebe es Deutsch-Förderunterricht an den Grund- und Mittelschulen im ländlichen Raum. Problematisch sei jedoch die enge personelle Ausstattung. Zudem falle es den Schulen zunehmend schwer, auf geeignet ausgebildetes Personal zurückzugreifen. „Der rasche Anstieg der Flüchtlingszahlen trifft die bayerischen Schulen völlig unvorbereitet“, stellt Rosenthal in der Pressemitteilung fest. Der Mangel an interkulturell ausgebildeten Lehrern erschwere es, flexibel auf den rasch steigenden Bedarf zu reagieren. „Dabei war seit langem abzusehen, dass unsere Gesellschaft in verstärktem Maße auf Zuwanderung angewiesen ist.“

Aus der Anfrage gehe hervor, dass die Förderstunden an den Regelschulen in den meisten Fällen von den regulären Lehrern übernommen werden. Über eine eigene, auf die besonderen Bedürfnisse von Flüchtlingen Rücksicht nehmende Ausbildung verfügen sie in den meisten Fällen nicht. Für Lehrerkollegien, die erstmals mit dem Thema Asyl in Berührung kommen, gibt es an zwei Nachmittagen eine schulinterne Fortbildung. Im Rahmen der Ausbildung von Junglehrern ist seit wenigen Jahren im Vorbereitungsdienst für die Grund- und Mittelschule ein verbindlicher Ausbildungstag vorgesehen. Das Kultusministerium hält dies, so die Antwort auf die Anfrage, für ausreichend, dass „ein Basiswissen für Fragen der Sprachförderung und der interkulturellen Erziehung bei allen Lehrkräften an Grund und Mittelschulen erreicht“ wird.

Zusatzqualifikationen für Lehrer

Ein eigenes, die besonderen Bedürfnisse von jungen Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigendes Fach „Didaktik des Deutschen als Zweitsprache“ wird an den bayerischen Universitäten erst seit 2008 als Unterrichtsfach oder Didaktikfach im Rahmen des regulären Studiums angeboten. In Würzburg befindet sich ein eigener Studiengang noch in der Startphase. Erst seit dem Wintersemester 2015/16 hat der Studiengang damit begonnen, auch in Unterfranken Lehrer auszubilden. Außerdem können verbeamtete Lehrer an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen eine eineinhalbjährige Zusatzqualifikation absolvieren. Hier haben 2014 gerade einmal 14 Lehrer ihre Staatsprüfung abgelegt.

Der Engpass wird besonders an Realschulen und Gymnasien deutlich. Während an Grund- und Mittelschulen 507 über eine entsprechende Lehrbefähigung verfügen, sind es hier derzeit lediglich sechs und an Gymnasien nur 39 Lehrer.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung von Georg Rosenthal. 

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