Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Papst Franziskus entlässt Würzburger Priester aus Klerikerstand

Papst Franziskus entzieht 75-Jährigem alle Rechte und Pflichten eines Priesters

Papst Franziskus hat einem Ruhestandspriester der Diözese Würzburg wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger mit sofortiger Wirkung alle Rechte und Pflichten entzogen, die mit dem Klerikerstand verbunden sind. Damit ist der 75-jährige Wolfdieter W., der zeitweise auch im Bistum Limburg und im Erzbistum Bamberg tätig war, aus dem Klerikerstand entlassen. Dies zieht mehrere Konsequenzen nach sich, der Mann darf nicht mehr predigen, unterrichten und auch keine seelsorgerischen Aufgaben mehr unternehmen.

Das Schreiben vom 26. Juni 2015 ist vom Präfekten der römischen Kongregation für die Glaubenslehre, Gerhard Kardinal Müller, unterzeichnet. Es wurde Bischof Dr. Friedhelm Hofmann über die Apostolische Nuntiatur in Berlin zugestellt. Bischof Hofmann, Generalvikar Thomas Keßler und Offizial Dr. Stefan Rambacher teilten dem Priester die Entscheidung am Donnerstag, 30. Juli 2015, im Bischöflichen Ordinariat Würzburg mit. Gegen den Ausschluss aus dem Klerikerstand kann der Betroffene keine Rechtsmittel einlegen.

Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs Anfang 2015

Das Bistum Limburg hatte Anfang 2015 bei der Kongregation für die Glaubenslehre eine Anzeige vorgelegt, nachdem in den vergangenen Jahren im Bistum Limburg neue Vorwürfe gegen den Priester wegen sexueller Missbrauchshandlungen bekannt wurden. Die Anzeige führte zur Entscheidung des Papstes. In jüngster Zeit meldeten sich außerdem drei weitere Missbrauchsopfer aus der Zeit der ersten Pfarrstellen des Priesters bei Professor Dr. Klaus Laubenthal, dem Missbrauchsbeauftragten des Bistums Würzburg. Dieser bestellte W. daraufhin zur Anhörung ein. Bei zwei Missbrauchsopfern wurden bereits die Anträge auf finanzielle Leistung in Anerkennung des Leids genehmigt.

Die Diözese Würzburg bedauert zutiefst das schwere Leid, das durch den Priester Opfern und deren Familien widerfahren ist. Sie verurteilt auf das Schärfste das Verhalten des Priesters.

Zweijährige Bewährungsstrafe im Jahr 2000

Der Priester war bereits im Jahr 2000 wegen sexuellen Missbrauchs von drei Kindern in sieben Fällen durch das Landgericht Coburg zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe hatte das Urteil 2001 bestätigt. In der Folge wurde der Priester in den zwangsweisen Ruhestand versetzt, der mit einem Zelebrationsverbot verbunden war. Bischof Hofmann entpflichtete W. im Jahr 2009 vom priesterlichen Dienst, nachdem in unerträglicher Weise die Opfer und ihre Familien nach all den Jahren wieder belästigt wurden. Außerdem wurden die Ruhestandsbezüge des Priesters um 20 Prozent gekürzt. Nach seinem Widerspruch gegen die Entpflichtung in Rom bestätigte die Glaubenskongregation im Entscheid vom 18. September 2009 die im Dekret enthaltenen Einzelschritte: Zelebrationsverbot, Verbot der Kontaktaufnahme mit den Opferfamilien, Pensionskürzungen um 20 Prozent.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Bistum Würzburg. 

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