Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Lehrberuf: Domäne der Frauen

Mädels sind einfach besser

422 angehende Lehrerinnen und Lehrer haben jetzt ihr Studium an der Universität Würzburg beendet. Bei der Abschlussfeier in der Neubaukirche wurden die Prüfungsbesten geehrt. In ihrer Festrede räumte Professorin Margarete Götz mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf.

Sie schreiben schlechtere Noten. Bleiben häufiger sitzen. Sind an Mittel- und Förderschulen überrepräsentiert. Und verlassen die Schule häufiger ohne Abschluss. Jungs zählen zu den Bildungsverlierern im deutschen Schulsystem. Und wer ist schuld? Die Überzahl an Lehrerinnen! Wie haltlos diese voreilige Analyse bei genauerer Betrachtung ist, zeigte Professorin Margarete Götz bei der akademischen Abschlussfeier für 422 Absolventen der Lehramtsstudiengänge in diesem Sommersemester auf.

Früher war die Schule in Männerhand

In ihrem Festvortrag legte die Inhaberin des Lehrstuhls für Grundschulpädagogik an der Universität Würzburg anhand historischer Befunde dar, dass Mädchen schon früher besser waren als Jungs. Und zwar auch schon zu Zeiten, als von einem zu hohen Frauenanteil an Schulen absolut keine Rede sein konnte. So schnitten im Jahr 1878 die Mädchen unter den insgesamt 9.000 Prüflingen der Primarschulen der deutschsprachigen Schweiz besser ab als die Jungs: „Damals war die Schule noch fest in der Hand der Männer.“

Ob ein Junge oder Mädchen in der Schule gut oder schlecht ist, das liegt an vielen Faktoren. Jedoch garantiert nicht am Geschlecht der Lehrkraft. Tatsache ist Götz zufolge allerdings, dass Frauen heute die Schule dominieren. Besonders groß ist ihr Anteil an den Grundschulen, so Götz: „Hier sind Männer inzwischen regelrechte Exoten.“ Aber auch an Realschulen und Gymnasien schreitet die Feminisierung des Lehrberufs fort. In jedem Bundesland gibt es insgesamt deutlich mehr Lehrerinnen als Lehrer. Götz: „Der Lehrberuf ist heute eine Domäne der Frauen.“

Männermangel führt zur Jungfernproblematik

Der Blick zurück in die Geschichte zeigt eine insgesamt spannende Entwicklung auf. So eröffnete der Lehrberuf nach der Mitte des 19. Jahrhunderts für unverheiratete Frauen einen Weg, sich außerhalb ihrer Familie eine Existenz aufzubauen. Dieser Weg war begehrt, denn es gab einen Männermangel und damit, wie man damals sagte, eine „Jungfernproblematik“.
Allerdings: In höheren Schulen durften Frauen nicht unterrichten. Sie waren auf die niederen Volksschulen und die unteren Klassen der höheren Mädchenschule beschränkt. Um auf einem Gymnasium unterrichten zu dürfen, musste man studiert haben. Das Studium war Frauen jedoch untersagt – mit Argumenten, die mindestens so haltlos waren, wie die heute an Frauen gerichteten Schuldzuschreibungen, was die Bildungsmisere der Jungen anbelangt – so Götz.

Das Lehrerinnenzölibat

Erst seit Ende 1903 ist Frauen in Deutschland das Studium erlaubt. Wobei das Verbot, zu studieren, nur eines von vielen Hemmnissen für Frauen war. Lehrerinnen, die sich zur Heirat entschlossen, handelten sich dadurch quasi ein Berufsverbot ein. „Denn es gab das sogenannte ‚Lehrerinnenzölibat’“, erläuterte Götz. Lehrerinnen mussten bis in die 1950er-Jahre hinein ledig sein.

Auch die akademische Abschlussfeier, die das Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (ZfL) in der Neubaukirche organisierte, war weiblich dominiert. Von den fünf Prüfungsbesten waren drei Frauen: Anna-Lena Dietrich schnitt als beste Absolventin für das Lehramt an Grundschulen ab, Anika Walter ist Prüfungsbeste für das Lehramt an Realschulen, Julika Rauer, Förderschullehrerin in spe, erzielte die Bestnote in der Sonderpädagogik. Christoph Meixner war der beste Absolvent unter den künftigen Mittelschul- und Michael Kohler Bester unter den künftigen Gymnasiallehrern.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Universität Würzburg. 

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