Würzburg - Foto: Pascal Höfig
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Cannabis-Anbau erlaubt und dennoch nicht genehmigt

Ein Jahr seit dem „Kölner Cannabisurteil“

Am 22.07.2015 jährt sich das „Kölner Cannabisurteil“ vom Juli 2014, wie berichtet, zum ersten Mal. Günter Weiglein bekam vom Kölner Verwaltungsgericht damals die Erlaubnis, Cannabis selbst anzupflanzen. Der Würzburger ist einer der wenigen Menschen, die in Deutschland Cannabis legal konsumieren dürfen. Nach einem Motorradunfall plagen ihn chronische Schmerzen, von denen er durch den Cannabis-Konsum zumindest zeitweise erlöst wird.

Günter Weiglein im Interview über seinen Cannabis-Konsum

Auf Dauer ist die große Problematik jedoch die, dass er für die Kosten seines Schmerzmittels selbst aufkommen muss, aber nicht kann. Durch den Gewöhnungseffekt muss er ständig die Dosis erhöhen, bei 15 € pro Gramm eine kostspielige Angelegenheit.Das Kölner Verwaltungsgericht hatte damals zwar den Anbau erlaubt, möglich war es ihm aber noch nicht. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte musste das Urteil noch prüfen.

Cannabis-Anbau weiterhin nicht genehmigt

Und ein Jahr später? Darf er, trotz Gerichtsbeschluss, immer noch kein eigenes Cannabis anbauen. „Leider darf uns die erlaubniserteilende Behörde aber auf Weisung des Bundesgesundheitsministeriums die erforderliche Genehmigung nicht erteilen. Trotz richterlicher Anordnung!“, so Weiglein.

Grund dafür sei unter anderem, dass eine Kontrolle der Dosierung dann nicht mehr möglich und so ein Missbrauch sehr schwer nachzuvollziehen sei.

Eigenanbau für Weiglein weiterhin unabdingbar

„Anfang Februar teilte nun der Bundesgesundheitsminister höchst persönlich mit, dass ab 2016 die Kosten für das teure Apotheken-Cannabis von den Krankenkassen übernommen wird. Nicht mitgeteilt wurde, dass dieses aus den Niederlanden importierte Cannabis nur sehr selten in den Apotheken verfügbar ist. Diese Situation wird sich auch künftig aufgrund steigender Patientenzahlen eher verschlechtern als bessern, wodurch der Eigenanbau für mich unter diesen Umständen weiter unabdingbar bleibt“, beschreibt der Würzburger seine Situation. Er kritisiert, dass sich, obwohl in Medien und Politik allerhand diskutiert wurde, nichts an der Lage geändert hätte.

Er gibt außerdem zu bedenken, dass es sich nicht um eine „allgemeine Legalisierung von Cannabis zu hedonistischen Zwecken“ handele, sondern um die „Hilfe schwerstkranker Menschen“, deren Leben durch Schmerzen eingeschränkt sei und das noch stärker als ohnehin schon. Er sieht es als unmenschlich und ungerecht den Leidenden den Einsatz von Cannabis zu medizinischen Zwecken zu verwehren.

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