Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Der MOZ-Erhalt – lang lebe der Stillstand!

Ein lokalpolitischer Fachkommentar der SMAUL

MOZ-VoodoOB-Puppe

Es ist ein vollkommen unbewiesenes, haltloses Gerücht, dass die Bürgerinitiative (BI) für den MOZ-Erhalt Voodoo betrieben hat. Niemals hat der mild und freundlich blickende Anführer all der Kämpfer für das Nachkriegsrelikt nah der Residenz, Jörg Töppner, schwarze Magie für den Sieg über das Ratsbegehren genutzt. Ausgeschlossen, dass er zum Beispiel mit einem eichhorngleich keckernden Lachen eine grob genähte Voodoo-Puppe unseres OB Christian Schuchardt in ein Terrarium setzt. Und die Wärmelampe aufdreht: „Scheine, böse Sonne, scheiiiine. So hell und heiß, wie du nur kannnnnst!“ Diese Worte hat er dabei auf keinen Fall gebrüllt und beschwörende Handbewegungen gemacht, während die Wärmelampe vor einer kleinen Pappkulisse des MOZ das Schuchardtpüppchen grell angestrahlt hat.

Mörder-Hitze bei Abstimmung: Voodoo der BI?

Dennoch könnten Befürworter der Neugestaltung des Areals vermuten, dass Voodoo im Spiel war. Am heißesten Wochenende in Würzburg seit dem Beginn der Temperaturaufzeichnung im Jahre 1880 hatte nicht einmal jeder fünfte Wahlberechtigte Böcke, sich in die brütend heißen Wahllokale zu bewegen. Traten nicht vorher der Großteil des Stadtrats und die meisten Bürger für eine Neugestaltung ein? Doch bei der Hitze gingen nicht viele zur Wahl. Die deutlich leidenschaftlicher als die Gegenseite kämpfenden MOZ-Befürworter schmierten sich kiloweise mit Sonnencreme ein und stürmten entschlossen, enthemmt brüllend die Wahlräume. „Motz! Motz! Motz!“ schrien sie und traten die Türen der Wahllokale ein. Und schließlich erreichten sie um Haaresbreite, nämlich um 199 Stimmen, das notwendige Quorum.
Kultur und Kennenlernen im MOZ.

MOZ? KULTUR UND KENNENLERNEN

Auf der Gegenseite täte dem blassen Schuchardt vielleicht etwas Sonne ganz gut. Er konnte die Würzburger nicht so richtig von den Investorenplänen der Strabag Real Estate überzeugen. Die hätten aber den Bürger nichts gekostet, sondern Einnahmen gebracht. Eine Neugestaltung mit Räumen für die Musikschule, 140 neue Wohnungen sowie ein Geschäftshaus und Hotels am Kardinal-Faulhaber-Platz. Was mit letzterem passiert, wusste die BI nicht genau. Notfalls begrünen. Und im MOZ? KULTUR UND KENNENLERNEN und so liberale, soziale Soße halt. Für diese beiden hehren Ziele muss man nach Recherche des knallharten Politmagazins SMAUL rrrein gar nüchts tun.

Fungitastische Nutzungsideen der SMAUL

Schließlich werden wir Würzburger mit rund 26 Millionen Euro pro Jahr die seit den 1950ern im MOZ entwickelten Pilz- und SchimmelKULTUREN aufrechterhalten. Diese fantastische Pflanzenwelt, so ist die Ansicht der SMAUL-Redaktion, sollte man unbedingt als Biotop nutzen. Der nur von außen so langweilig wirkende, in Wirklichkeit einzigartig muffige und gärende Lebensraum sollte einer in jeder Hinsicht breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Dafür schlägt die SMAUL vor, dass eine riesige, gläserne Käseglocke, die aber mindestens 1 cm niedriger als die Residenz sein muss, darüber gestülpt wird. Mal schauen, vielleicht gründen wir dafür eine Bürgerinitiative?

Träume von einer goldenen Zukunft

KENNENLERNEN könnten die sprießenden Fungi und aufregenden Kerbtiere des MOZ sowohl neugierige Schüler wie auch Studenten und Professoren, beispielsweise von der biologischen Fakultät der Uni. Vielleicht wachsen auch neuartige psychedelische Schimmelpilze auf dem wohl in Deutschland einzigartigen, seit Jahrzehnten ungestörten Nährboden des MOZ. Wer diese Pilze zu sich nimmt, kann vielleicht von einem Würzburg träumen, das dynamisch ist, Einnahmen hat – auch für Kultur – und sich bewegt. Doch wird es bei diesen Psilos enden wie bei den anderen Drogen auch: Danach kommt der Kater und man befindet sich wieder in der grauen Wirklichkeit. Und die heißt nach dem Ergebnis des Bürgerentscheids: Stillstand.

SMAUL – Satire für Würzburg

Die SMAUL hatte zwei ständige und mehrere sporadische Mitarbeiter. Wer Interesse bekommen hat, kann etwas posten. Bei ernsthaftem, längerfristigem Interesse können wir ins Gespräch kommen.

Alle Artikel der SMAUL findet Ihr hier. 

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen oder sogar anstacheln – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen – auch in satirischer Form. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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