Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Gedenktag an die Opfer des Genozid von Srebrenica

Ein Gastbeitrag von Sumejja

Gedanken an den Genozid von Srebrenica

„Der Schmerz pocht in meiner Brust, aber ich erlaube keiner Träne aus dem Auge zu fließen. Du fehlst mir so sehr. Letzte Nacht habe ich von dir geträumt, Papa. Davon dich in den Arm zu nehmen und dir weinend zu sagen wie sehr ich dich vermisse, aber Papa du schweigst. Ich schweige Papa, weil du nicht magst wenn ich weine. Dann werde ich es auch jetzt nicht tun, auch dann nicht wenn ich die Tränen brauche um die Last von meinen Schultern zu nehmen…“

Wir leben in einer Zeit, in der Zahlen und Fakten zählen. Hier kommt meine Zahl: 8372! 8372 bislang identifizierte muslimische Jungen und Männer, die im Juli 1995 auf eine grausame Art und Weise ermordet wurden.

20 lange Jahre sitzen wir schweigend hier und hören seither an jedem 11. Juli in den Nachrichten einen kleinen Beitrag über den Genozid in Srebrenica einem kleinen Ort im Westen von Bosnien und Herzegowina. Einige verinnerlichen dies kurz, verspüren eventuell ein kleines Unbehagen bei dem Gedanken daran, dass so etwas nach dem zweiten Weltkrieg in Europa nochmal passieren konnte, denken aber nicht großartig weiter darüber nach. Wieso auch?

Gedenktag an die Opfer des Genozids

Es hat ja nichts mit uns zu tun. Ich könnte auch behaupten, es hat nichts mit mir zu tun. Ich bin 1994 in Würzburg geboren, meine Eltern kamen 1992 als Kriegsflüchtlinge aus Bosnien in die schöne Stadt und sind bis heute hier geblieben. Ich bin gut behütet aufgewachsen, habe eine gute Schulzeit genossen, studiere heute und habe auch einen kleinen Bruder stets an meiner Seite. Ich habe auch Gott sei Dank keine Familienmitglieder auf diese Art und Weise verlieren müssen. Dennoch erschüttert es mich im tiefsten Herzen und mir kommen die Tränen bei jedem auch noch so kleinen Gedanken daran.

Wie leben unsere bosnisch-stämmigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, Schulkameraden, Arbeitskollegen und Vereinshelden ohne Vater, Bruder oder auch Ehemann hier und heute in unserer Stadt? – Wir, die islamisch-bosnische Gemeinde in Würzburg und die „Freunde Bosniens“ möchten nun, nach 20 Jahren, an diesem 11. Juli 2015 unser Schweigen brechen und mit Euch unsere Geschichte teilen. – Das so etwas nie wieder, zu keiner Zeit, an keinem Ort der Welt und keinem Volk passiert!

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen oder sogar anstacheln – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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