Würzburg - Foto: Pascal Höfig
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Cannabis – Das Problem mit dem Problem

Ein anonymer Gastbeitrag 

Wer sind eigentlich diese Konsumenten?

Um ein Problem zu lösen, muss man erst einmal erkennen, welches man hat. Der Cannabiskonsum an sich ist aus meinen Beobachtungen heraus auf keinen Fall das wahre Problem. Er wird zu einem Problem gemacht und trotzdem ist der Konsum mittlerweile ein fester Bestandteil in allen Klassen unserer heutigen Gesellschaft. Aber selbst in kleinen Mengen ist in Deutschland der Konsum und somit Besitz von Cannabis weiterhin strafbar. Wer sind denn diese Konsumenten und warum müssen wir uns eigentlich vor denen schützen?

Vorab gilt es eines zu klären. Hättet Ihr etwas gegen einen Mitmenschen, der ein voll funktionierendes Mitglied unserer Gesellschaft ist? Jemand der Euer Freund, Arbeitskollege, Nachbar oder Verwandter sein könnte? Einen Menschen, der mit beiden Beinen im Leben steht? Wohl eher nicht. Doch was ist, wenn genau dieser Mensch Cannabis konsumiert? Gelegentlich, Verantwortungsvoll und als Genussmittel. Es könnte eben einer dieser fünf Millionen Menschen sein, die in Deutschland Cannabis konsumieren und von denen in letzter Zeit immer häufiger in den Medien berichtet wird. Und dieser Teil ist ein kompletter Querschnitt durch unsere Gesellschaft mit all ihren Schichten und Facetten.

„Ganz normale Bürger“

Wer sind denn also diese „Kiffer“? Nun, der weitaus größte Teil sind Erwachsene und ganz normale Bürger. Tatsächlich kann es jeder sein. Vielleicht ist es Euer 32-jähriger Sohn, Installateur, der sich und die müden Knochen gerne mal mit Cannabis entspannt. Vielleicht ist es die 28-jährige Tochter, die Alkohol nicht mag, aber auch unbeschwert mit Freunden tanzen gehen will. Vielleicht das nette Rentnerehepaar, weil es schon in den Siebzigern schön war, ab und zu mal einen „durchzuziehen“. Vielleicht Euer Kollege? Wie sonst bewältigt der so gelassen die aktuell stressige Phase im Projekt? Vielleicht könnte es aber auch für die krebskranke Oma sein, weil sie nicht mehr so Appetit hat wegen der Schmerzen oder nicht gut schlafen kann.

Ihr könnt es nicht wissen! Niemand dieser Menschen kann dazu stehen, weil diese Menschen sonst nicht länger Mitglied in unserem Kreis wären. Man würde sie ächten, verfolgen und wegsperren. Schlimmstenfalls würden wir ihnen alles nehmen, was sie haben und sie sicher macht. Den Führerschein, den Job und ihre Bezugspersonen. Wir würden wissentlich das zerstören, was Cannabis allein sicherlich nicht geschafft hätte.

Hilfe und Schutz für Konsumenten

Ihr liegt richtig. Ein kleiner Teil von Konsumenten kann tatsächlich nicht verantwortungsvoll mit Cannabis umgehen. Vielleicht haben sie aber auch manipulierte Cannabis-Produkte konsumiert, die es jedoch nur wegen dem illegalen Schwarzmarkt gibt. Doch ernsthaft. Haben diese Menschen es verdient, geächtet, verfolgt und weggesperrt zu werden? Nein! Man sollte ihnen die bestmögliche Hilfe und Schutz geben. Wir sollten diese Menschen weiterhin als vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft ansehen. Sie unterstützen, bis sie wieder auf eigenen Beinen stehen. Jeder fällt mal hin. Dafür darf man aber nicht bestraft, sondern muss vielmehr ermutigt werden, das Leben nicht aufzugeben. Das geht ohne Perspektiven nicht. Wir sollten als die moderne und verantwortungsvolle Gesellschaft handeln, für die wir uns halten. Nicht wegsehen wenn jemand Hilfe braucht. So war es noch vor einigen Jahrzehnten üblich, bevor die Politik den Kampf gegen die Drogen ausgerufen hat.

Aufklärung der Jugend

Ein weiterer kleiner Teil sind Jugendliche. Diese stehen noch in der Entwicklung und in dieser Phase können viele Substanzen und Produkte schädlich auf Geist und Körper wirken. Aber auch falsche Einflüsse. Ist es also der richtige Weg unsere Jugend zu verängstigen und zu bedrohen? Wollen wir sie schon in jungen Jahren ächten, verfolgen und wegsperren? Nein! Wir sollten sie schützen und erziehen, was nun mal unsere Aufgabe ist. Auch wenn es nicht immer leicht ist. Wir sollten sie aufklären und ehrlich zu ihnen sein. Immerhin wird die Jugend unsere Werte in die Zukunft tragen und ausbauen. Ich hoffe es werden nicht die diese sein, die aus Unaufgeklärtheit, Unverständnis, Verachtung und bevormundendem Verhalten geprägt sind.

Cannabis immer noch Grund für Strafverfolgung

Denn vor wem wollen und müssen wir uns denn tatsächlich schützen? Richtig! Menschen, denen unsere Gesellschaft nichts wert ist. Die uns bewusst Schaden zufügen und für die, die unsere gemeinschaftlichen Werte nicht zählen! Das Rauchen eines Joints reicht in Deutschland wohl noch immer aus, um jemanden als Kriminellen zu identifizieren, zu verfolgen und ins Gefängnis zu bringen. Ihm seine Rechte und Freiheit zu nehmen. Unsere Gesellschaft und Gesetzeslage fördert Folgen, welche wir eigentlich der Droge zuschreiben. Isolation, Verlust, Versagen und Ausgrenzung. Wir nehmen heutzutage noch immer Cannabis als Grund für eine Strafverfolgung her und verurteilen unsere Freunde, Familienmitglieder und Bekannte. Und leider kommt es nicht selten vor, dass über solche Menschen aus unserer Mitte in den Medien berichtet wird. Und uns wird nur mitgeteilt, dass diese Leute Drogen im Besitz hatten. Das ist deren einziges Vergehen. Niemand geht auf das Warum ein.

Es ist ein ganz geringer Teil der Konsumenten, der sicherlich auch mit illegalem Drogenhandel zu tun hat. Aber eben nur darum, weil dieser illegal ist. Und nicht erst Cannabis macht diese Menschen zu Dealern. Unser Gesetz sieht jedoch vor, jeden der Cannabis konsumiert oder auch in kleinen Mengen bei sich hat, als Kriminellen und potentielle Gefahr für uns zu identifizieren, ihn dafür zu verfolgen und am Ende wegzusperren.

Strafverfolgung das richtige Mittel?

Die möglichen, gesundheitlichen Folgen des Cannabiskonsums sind unbestritten. Doch die stehen unter diesen Gesichtspunkten nicht zur Debatte und können nicht als Begründung für eine Strafverfolgung von unschuldigen Cannabiskonsumenten missbraucht werden. Das tun wir ja auch nicht bei Extremsportlern, Autobahnrasern, Alkoholkonsumenten oder Rauchern. Diese Liste ist unendlich. Vielmehr müssen wir uns den Problemen, die mit übermäßigem Cannabiskonsum im Einzelfall auftreten können, aktiv zuwenden.

Verdrängung hatte schon immer Schlimmes zur Folge! Die Strafverfolgung ist für den Einzelnen privat und beruflich schädlich, ein Angriff auf seine Freiheit und somit einschneidend in die Grundrechte jedes Einzelnen. Diese Folgen sind für unsere Gesellschaft auf Dauer fatal! Seien Sie sich bewusst, dass bei der aktuellen Gesetzeslage, die ein oder andere Person aus Ihrem Bekannten- oder Verwandtenkreis, für eine Zeit lang aus Ihrem Leben verschwinden könnte. Denken Sie auch an alle Familien, Paare und Freunde, die aktuell voneinander getrennt sind. Nur weil ein Angehöriger im Besitz von Cannabis war. Auch ohne weitere kriminelle Taten. Ist die Strafverfolgung also wirklich das richtige Mittel?

Nicht alles Unbekannte ist eine Gefahr

Wir dürfen niemanden ausgrenzen und isolieren, nur weil er anders ist oder etwas tut, was wir für uns selbst nicht möchten. Wir müssen lernen, dass nicht alles Unbekannte eine Gefahr für uns darstellt. Wir müssen einander akzeptieren und respektieren. Leben und leben lassen. Daher schließe ich mit einem Zitat ab. Für alle die glauben, dass Ihre Meinung die einzig Richtige ist. Ihr müsst Cannabis nicht mögen. Ihr müsst es auch nicht konsumieren. Aber ihr sollt weiterhin über mögliche Gefahren aufklären. Doch verfolgt keine Menschen bei Strafe, die anderer Meinung sind!

Die Demokratie lebt vom Kompromiss – Wer keine Kompromisse machen kann, ist für die Demokratie nicht zu gebrauchen.“ Helmut Schmidt

Preview: Der Krieg gegen Drogen und Cannabis wird seit jeher auf politischer Ebene geführt. Was die Beweggründe dafür waren und warum wir uns davon lossagen sollten, erläutere ich in meinem nächsten Beitrag. Bleibt also dran.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen oder sogar anstacheln – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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