Würzburg - Foto: Pascal Höfig
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Kulturen der Pornographie: „Suce mes boules, salope“

Pornos präsenter als je zuvor

Wie bereits berichtet veranstaltet die Uni Würzburg eine Ringvorlesung zum Thema „Kulturen der Pornographie“. Forscher beleuchten hier das Phänomen aus dem Blickwinkel verschiedener Fachdisziplinen – und natürlich streng wissenschaftlich. Pornographie, so scheint es, ist heute präsenter als je zuvor.

Pornographie in  der TV-Serie Xanadu

Am 23. Juni ab 20 Uhr heißt das Thema im Audimax (Hörsaal 216) an der Neuen Uni am Sanderring „Suce mes boules, salope! – Pornographie und Obszönität in der französischen TV-Serie Xanadu.“
 Julien Bobineau vom Lehrstuhl für Französische und Italienische Literaturwissenschaft der Uni Würzburg wird den Vortrag halten. Hier erzählt er uns schon vorab, worum es dabei gehen wird.

Julien ist Literaturwissenschaftler und beschäftigt sich mit TV-Serien wie Breaking Bad, The Wire oder How I Met Your Mother aus erzähltheoretischer Perspektive. Dabei liest er die Serien wie einen Roman und versucht zB folgende Fragen zu beantworten: Gibt es einen Erzähler? Wir entwickeln sich die Figuren? Wie ist die Zeitstruktur gestaltet? Wie werden Räume konstruiert? Die französische TV-Serie „Xanadu“, die 2011 von ARTE produziert wurde, ist dabei besonders interessant, denn sie behandelt das Tabu-Thema Pornographie.

Französische Pornoindustrie

„Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Familienunternehmen Xanadu, das seit den 1980er Jahren erfolgreich Pornofilme produziert. In der Gegenwart steckt das Unternehmen allerdings in einer Krise: Die Absatzzahlen gehen zurück und der alternde Geschäftsführer Alex Valadine muss sich neu orientieren. Die Frage, die sich Alex aufdrängt: Soll Xanadu nun auch beginnen, billig produzierte Gonzo-Pornos ohne Handlung zu vermarkten? Bereits hier wird deutlich: Xanadu ist ein spannend erzählter Blick hinter die Kulissen der französischen Pornoindustrie. Die Konflikte, die in der ersten und einzigen Staffel thematisiert werden, reichen vom Bild der Pornobranche in der Gesellschaft über die Vereinbarkeit von Sexarbeit und Familie bis hin zu den Geschlechterrollen im Porno.

Für alle, die kein Französisch sprechen: „Suce mes boules, salope!“ bedeutet so viel wie „Lutsch‘ mir meine Eier, du Schlampe!“ Das ist ein Zitat aus der Serie und wurde auf den Grabstein der verstorbenen Porno-Queen Elise Jess geschmiert.“

Freikörperkultur in Frankreich schwierig

Auf die Frage, inwiefern sich Frankreich und Deutschland unterscheiden, wenn es um Pornographie geht, meint Julien: „Der Umgang mit fremder und eigener Sexualität ist in Frankreich, dem Land der Liebe und der Romantik, problematischer als in Deutschland. Sex und Freizügigkeit ist in der Öffentlichkeit nach wie vor ein großes Tabu, was man zunächst nicht glauben mag, wenn man z.B. an die sexualisierten 1920er Jahre oder das Moulin Rouge in Paris denkt. Doch es gibt einige Indikatoren, die diese These untermauern: So ist die Freikörperkultur ein schwieriges Thema, denn in den meisten französischen Saunen herrscht Textilpflicht. Prostitution ist in Frankreich zwar nicht verboten, wird aber strafrechtlich verfolgt. Und auch die Pornographie hat ein schwieriges Image, weil sie mit der kriminalisierten Prostitution und Zuhälterei in einen Topf geworfen wird.

Deutsche Weltmeister im Porno-Schauen

„Im Vergleich wurden wir Deutschen 2013 ja zum Weltmeister im Porno-Schauen gekürt. Der Diskurs über Sex ist in Deutschland einfach viel präsenter, in den Medien, in der Kultur und auch in der Popkultur, wenn man sich z.B. einmal den Erfolg von Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ vor Augen führt. In Frankreich ist Sex und Porno natürlich dennoch ein Thema, es geschieht aber eher im Verborgenen, zu Hause im privaten Raum“, so Julien weiter.

„Es wird dirty“

Es wird auf jeden Fall „dirty“: Julien wird einige Ausschnitte aus der Serie in seinem Vortrag zeigen – Somit gibt es definitiv nackte Haut zu sehen. Allerdings bleibt alles auf einer wissenschaftlichen Ebene. Die Ringvorlesung ist öffentlich, jede/r interessierte Zuhörer/in – ob Student/in oder nicht – ist herzlich willkommen. Allerdings gelten die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes, weshalb die Zuhörer/innen mindestens 18 Jahre alt sein müssen. Der Eintritt ist frei.

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