Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Jahresrückblick 2014 der Würzburger Bahnhofsmission

Zahl der Hilfesuchenden gestiegen

„Die Zahl der Fälle, in denen Menschen Hilfe bei der Würzburger Bahnhofsmission der ökumenischen Christophorus-Gesellschaft suchten, ist erneut gestiegen“, schreibt das Bistum Würzburg in einer Pressemitteilung. 40.442 Kontaktaufnahmen registrierten die Mitarbeiter im Jahr 2014, das sind 1430 mehr als im Vorjahr.

„Dabei spielten finanzielle Probleme in rund zwei Dritteln der Fälle eine Rolle, bei mehr als der Hälfte der Hilfesuchenden kamen gleich mehrere Probleme zusammen“, so die Pressemitteilung. Auch als Kriseninterventions- oder Vermittlungsstelle seien die Mitarbeiter gefragt gewesen: Mehr als 17.000 Mal sei das Gesprächs- und Beratungsangebot genutzt worden – 24 Stunden täglich.

Menschen in finanzieller Not

Insgesamt erbrachten die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Würzburger Bahnhofsmission rund 8.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Bayernweit leisteten die Bahnhofsmissionen im vergangenen Jahr rund 260.000 Mal Unterstützung und erbrachten dabei fast eine halbe Million Hilfeleistungen, teilt die Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen in ihrem Jahresrückblick für 2014 mit.

Finanzielle Schwierigkeiten seien bei 26.433 Kontakten (2013: 25.767) im Spiel gewesen, sagt Michael Lindner-Jung, Leiter der Würzburger Bahnhofsmission. „Viele Menschen, die zu uns kommen, fallen auf den ersten Blick nicht auf und doch ist für sie die Alltagsbewältigung eine kaum noch leistbare Aufgabe. Wer finanziell knapp ist, muss nicht nur jeden Cent mehrmals umdrehen, sondern verliert schnell auch wichtige Teilhabemöglichkeiten in unserer Gesellschaft“, erklärt Lindner-Jung. Finanzielle Not dränge die Betroffenen häufig in das soziale Abseits.

Aufmerksamkeit und menschliche Zuwendung

Deshalb sei jede Sachleistung auch ein wichtiges Kommunikationsmittel. „Eine Scheibe Brot puffert vielleicht die akute Not ab. Mindestens genauso dringend brauchen die Besucher der Bahnhofsmission aber Aufmerksamkeit und menschliche Zuwendung“, ist Lindner-Jungs Erfahrung.

Besonders ab Mitte des Monats werde die prekäre Situation vieler Gäste in den bayerischen Bahnhofsmissionen deutlich spürbar, sagt Hedwig Gappa-Langer vom Referat Bahnhofsmission bei In Via Bayern – Katholischer Verband für Frauen- und Mädchensozialarbeit. Bayernweit sei die Zahl der Menschen in finanziellen Schwierigkeiten um 16 Prozent angestiegen, rund 60 Prozent der Hilfesuchenden seien davon betroffen.

Fehlende Perspektive bei jungen Menschen

Ein hoher Prozentsatz der Hilfesuchenden habe zudem mehr als ein Problem, sagt Lindner-Jung. 24.754 Kontakte mit einer sogenannten Mehrfachbelastung zählten die Mitarbeiter in Würzburg im vergangenen Jahr. Diese Menschen sind zum Beispiel arbeitslos oder beziehen nur eine kleine Rente, oder sie sind krank, einsam und psychisch belastet. „Wirtschaftliche Not paart sich oft mit anderen Nöten“, sagt Lindner-Jung.

Psychische Probleme etwa spielten bei 8.487 Kontakten eine Rolle, das sind rund zehn Prozent mehr als in 2013 (7.507 Kontakte). Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mache sich verstärkt das Fehlen einer Perspektive bemerkbar. Ohne familiären Rückhalt, Ausbildung und gesicherte Wohnung „haben manche sich bereits ein Stück weit aus dem normalen Leben verabschiedet. Aus ihrer Sicht ist die Lage aussichtslos“, sagt Lindner-Jung.

Hilfesuchende mit Migrationshintergrund

Einen deutlichen Anstieg gab es auch bei den Hilfesuchenden mit Migrationshintergrund. Waren es im Jahr 2013 noch 6.739 Kontakte, so stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 8.043 an. Bayernweit waren es nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen rund 113.000, davon allein 89.000 in München.

„Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund suchen uns auf oder werden von der Polizei zu uns gebracht“, sagt Lindner-Jung. Zunehmend seien darunter Menschen aus der Ukraine, Syrien, Eritrea oder anderen afrikanischen Ländern. Er nennt als Beispiel einen Mann aus der Ukraine, der in der Bahnhofsmission nach Menschen suchte, denen er von den schlimmen Erfahrungen in seinem Heimatland erzählen konnte.

Einer Mitarbeiterin habe er über Google Earth sein Haus gezeigt und mit ihr über sein Leben dort und als Flüchtling in Deutschland lange gesprochen. Ein großes Problem sei dabei oft die Sprachbarriere. „Daher haben wir eine große Dolmetscherliste“, sagt Lindner-Jung.

Gegenseitige Wertschätzung

„Wir haben häufig mit Menschen zu tun, für die sich niemand sonst zuständig fühlt“, fasst der Leiter der Würzburger Bahnhofsmission einen Schwerpunkt der Arbeit zusammen. Dabei gehe es aber nicht nur um konkrete Hilfeleistungen, sondern auch darum, einen Raum zu schaffen, in dem sich die Menschen auf Augenhöhe und mit gegenseitiger Wertschätzung begegnen können.

„Man erkennt oft nicht den Menschen, der hinter der Armut steckt“, sagt Lindner-Jung. Manchen sehe man die Notsituation sofort an, unter der sie leiden. Viele betrieben aber auch einen hohen Aufwand, um äußerlich nicht aufzufallen. „Wir brauchen Sensibilität für diese Menschen, auch wenn man nicht gleich sieht, dass sie Hilfe brauchen.“

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Bistums Würzburg

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