Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Schuchardt entzieht Al Ghusain Leitung des Mainfranken-Theaters

Überraschung im Stadtrat

Muchtar Al Ghusain, Vorsitzender der SPD und Kulturreferent der Stadt Würzburg, war bisher, als Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Werkleiter des Mainfranken-Theaters. Bei der gestrigen Stadtratssitzung hat sich dieser Aspekt geändert. Schuchardt entzog Al Ghusain, für viele Anwesende überraschend, die Zuständigkeit für das Theater und übernimmt ab jetzt selbst die Aufgabe als Vorgesetzter der Theaterleitung.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt erklärt das Vorgehen so: „Durch verschiedentliche Einlassungen Muchtar Al Ghusains zu den anstehenden Sanierungs- und Erweiterungsplänen am Theater ist eine Verunsicherung der Theaterbelegschaft wie auch der Freunde des Mainfranken-Theaters herbeigeführt worden.“

Mozart-Schulumbau statt Theateranbau

Schon seit 2008 war der Kulturreferent in diesem Amt tätig, eingesetzt vom damaligen OB Georg Rosenthal (SPD). Als Vorsitzender der SPD hatte er im Zuge des Bürgerentscheids über das MOZ am 5. Juli einen vollständigen Gebäudeerhalt gefordert. Des Weiteren schlug er vor, im Zuge der Sanierungsarbeiten am Mainfranken-Theater eine Ausweichspielstätte in der Mozart-Schule zu installieren. Davor hatte er jedoch noch einen Theateranbau während der Sanierungsarbeiten gefördert.

Muchtar Al Ghusain äußerte sich noch in der gestrigen Stadtratssitzung zu seiner Entlassung aus der Theaterleitung: „Viele von Ihnen und insbesondere auch der Oberbürgermeister haben sich in den letzten Tagen sehr darüber geärgert, dass ich mich als SPD-Vorsitzender zu dem anstehenden Bürgerentscheid geäußert und Vorschläge für alternative Konzepte gemacht habe. Mein Verhalten sei illoyal und ein Affront gegen OB und Stadtrat.“ Erst vor wenigen Tagen hatte die CSU-Stadtratsfraktion Al Ghusain scharf kritisiert.

Unterstützung der Bürger stand im Vordergrund

Weiter sei ihm bewusst, dass ein herausgehobenes Parteiamt in vielfältiger Hinsicht eine Herausforderung sei und die Trennung zwischen Beruf und Parteiamt dort an seine Grenzen geriete, wo so komplexe Fragestellungen öffentlich diskutiert würden und man ohne Detailkenntnis in seiner Bewertung notgedrungen an der Oberfläche bliebe. „Und vielleicht geht auch bei mir ‚mal der Gaul durch und werde ich deutlicher und drastischer, als gerade gut tut“, so Al Ghusain. Er habe mit seinen Äußerungen die Bürger in ihrer Entscheidungsfindung unterstützen wollen und er habe sich darum gesorgt, dass Handlungsalternativen  für die städtischen Aufgaben wegbrechen würden und andere, vielleicht teurere und weniger geeignete Lösungen für Bildungs- und Kultureinrichtungen der Stadt umgesetzt werden müssen.

Al Ghusain zeigt sich betroffen

Jedoch sei ohne jeden Zweifel auch für ihn als Referent das Ergebnis des 5. Juli bindend und er werde, egal wie dieses Ergebnis aussieht, es akzeptieren und an der Umsetzung mitwirken. Er bedauere außerdem, dass der OB dieses Vorgehen als persönlichen Affront Ansieht. „Das war nicht meine Absicht, denn ich möchte auch in Zukunft gerne und in kollegialer Weise mit ihm, den Referenten wie auch mit dem gesamten Stadtrat zusammen arbeiten.“ 

Die Reaktionen, die er jetzt erfahre, würden Muchtar Al Ghusain betroffen machen. „Wenn Sie der Auffassung sind, dass ich mich persönlich hier öffentlich stärker zurückhalten sollte, werde ich das künftig respektieren und noch stärker darauf achten mein Ehrenamt von meinem berufsmäßigen Wahlamt zu trennen.“

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