Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

IHK-Unternehmensnachfolgekongress 2015

Vier von zehn Betrieben vor unsicherer Zukunft

Rund 150 Interessierte informierten sich am 09. Juni 2015 beim Unternehmensnachfolgekongress in der IHK in Würzburg über aktuelle rechtliche, steuerliche und persönliche Herausforderungen einer erfolgreichen Unternehmensübergabe und erfuhren Details zur Nachfolgethematik in Mainfranken. Immer mehr Betriebe in der Region stehen vor der Herausforderung der Unternehmensübergabe. Gleichzeitig wagen immer weniger Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Vor fünf Jahren gab es noch deutlich mehr Übernahmewillige als Unternehmer, die ihren Betrieb übergeben wollten.

IHK informiert

Heute hat sich dieser Trend umgekehrt: es mangelt am Unternehmernachwuchs. Die IHK Würzburg-Schweinfurt sieht das mit Sorge und will mit dem Unternehmensnachfolgekongress auf diese brisante Entwicklung aufmerksam machen. Zugleich bietet der Kongress mainfränkischen Betrieben durch Fachvorträge und Kontaktmöglichkeiten Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge. „Unser Unternehmen befindet sich erfolgreich in der dritten Generation und ist zurzeit frühzeitig dabei, den Übergang auf die vierte Generation sicherzustellen.“, so IHK-Präsident Otto Kirchner in der Einleitung des Kongresses.

Tipps aus der Praxis

Der geschäftsführende Gesellschafter der Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & CO. KG, Königsberg i. Bay., berichtete anhand der eigenen Unternehmensgeschichte über seine Erfahrungen und gab Tipps, wie eine erfolgreiche Nachfolge in der Praxis gelingen kann. So sei es zunächst wesentlich, rechtzeitig nach dem richtigen Nachfolger zu suchen. Wünschenswert sei hierbei aus Sicht eines Familienunternehmens immer die Übertragung an die eigenen Kinder. Ist dies nicht umsetzbar, gelte es im erweiterten Verwandtschaftskreis, bei den eigenen Führungskräften oder bei fremden Dritten im Rahmen eines Management Buy-Ins zu suchen.

Nachfolge früh regeln

„Wenn Sie einen Nachfolger in der eigenen Familie haben, muss dieser den entsprechenden Willen, eine persönliche Leidenschaft und fachliche Qualifikationen für das Unternehmertum mitbringen. Je eher er sich festlegt, desto besser. Die Entscheidung für das Unternehmen muss aber der eigene Wunsch des zukünftigen Chefs sein. Mit Druck oder gar Zwang lässt sich hier nichts erreichen.“ Er riet zudem, bei mehreren Nachfolgern im Unternehmen sinnvoll strukturierte Arbeitsprozesse und klare Verantwortlichkeiten zu definieren, um einen Stillstand zu vermeiden.Den Senior-Unternehmern legte Kirchner besonders an Herz, rechtzeitig loszulassen. „Ich will mich nicht mit 80 noch unentbehrlich fühlen. Wenn Sie sich entschieden haben, die Firma zu übergeben, dann lassen Sie ihren
Nachfolger nicht zu lange die Nummer zwei sein.“

IHK-Nachfolgereport Mainfranken

Dr. Sascha Genders, IHK-Bereichsleiter Existenzgründung und Unternehmensförderung sowie Standortpolitik, stellte den IHK-Nachfolgereport Mainfranken vor, den die Wirtschaftskammer erstmals erarbeitet hat. Basierend auf einer Befragung von rund 3.000 Betrieben in der Region greift er aktuelle Entwicklungen rund um die Nachfolgethematik im IHK-Bezirk auf. „Erfreulicher Weise planen neun von zehn Betriebsinhabern eine Fortführung des Unternehmens durch Übergabe. Bedenklich ist aber, dass 40 Prozent der an der Befragung teilnehmenden Übergabewilligen noch keinen Nachfolger gefunden haben.“, so Dr. Genders.

Rechtzeitige Vorbereitung

Die rechtzeitige Vorbereitung der eigenen Nachfolge sei essenziell wichtig für eine gelungene Übergabe. „Wer hier Entscheidungen auf die lange Bank schiebt, verschließt sich Potenziale.“ Zu den wichtigsten Herausforderungen
bei der Unternehmensübergabe gehören die Übereinstimmung von eigenen Kaufpreisvorstellungen und erzielbaren Preisen, steuerliche Fragestellungen, zum Beispiel aufgrund der Erbschaftsteuerdiskussion, und nicht zuletzt familiäre Gegebenheiten.

Weitere Infos online abrufbar

Der Nachfolgereport Mainfranken steht als Download zur Verfügung. Zu den weiteren Themen des Tages gehörten steuerliche Aspekte der Unternehmensnachfolge, rechtliche Fallstricke, die Kunst der Nachfolgersuche sowie Emotionalität und notwendiges Konfliktmanagement bei der Unternehmensübergabe. Die IHK Würzburg-Schweinfurt bietet ihren Mitgliedsbetrieben ein umfassendes Servicepaket zur Unternehmensnachfolge online an. Nachberichte und Impressionen zum Unternehmensnachfolgekongress 2015 gibt es online.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der IHK Würzburg-Schweinfurt.

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