Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Magersucht: „Mein täglicher Begleiter“

Ein Gastbeitrag von anonym. 

Mit 37 Kilo in die Klinik

Ich habe eine Essstörung, heute habe ich sie gut im Griff, doch 6 Jahre lang war sie mein täglicher Begleiter. Ich kam in eine Klinik, doch trotzdem habe ich in einer Woche 7 Kilo abgenommen und letztendlich mein niedrigstes Gewicht mit 37 Kilo bei 1,68 erreicht.

Nach 3 Monaten brach ich die Therapie ab, die Dinge die man dort hört und sieht sind wirklich schockierend. Magersüchtige, die mit Sonden im Rollstuhl umher geschoben werden und junge Mädchen, die davon erzählen, wie sie ihren erhängten Freund in der Garage gefunden haben.

„Igitt, voll das Skelett“

Ich selbst hatte immer wieder mit Ohnmachtsanfällen und Blackouts zu kämpfen, mitten in einem Kaufhaus rückwärts von dem Treppe zu kippen ist wirklich peinlich. Aber bei meiner Figur war es sowieso unmöglich nicht aufzufallen. Man glaubt es nicht, aber die Leute blieben tatsächlich stehen, starrten mich an und zeigten mit dem Finger auf mich. Unüberhörbare Sprüche wie: „Schau mal, die ist bestimmt magersüchtig“, bis :“ Igitt, voll das Skelett“, habe ich täglich zu hören bekommen. Sowas verletzt ungemein und hilft wirklich kein bisschen! Ich habe mich nur noch schlechter gefühlt und weiter gehungert.

Salatgurken, Kaugummis, Wasser und Sport

Eine Salatgurke, Kaugummi und 4 Liter Wasser und 3h Sport am Tag. An schlechten Tagen, an denen ich mich selbst für zu wenig Sport oder andere Dinge bestrafen musste, trank ich nur Wasser und verletze mich selbst. In der Schule wurde ich gemobbt und ausgegrenzt. Lehrer versuchten mir essen zu zustecken und mich dauernd zum Essen zu bewegen. Schülerinnen sperrten mich auf der Toilette ein oder beschimpften mich. Sogar Familienfeiern waren der reinste Alptraum für mich! Wie lasse ich das Essen auf meinem Teller verschwinden, ohne das jemand etwas merkt? Welche übergroßen Klamotten muss ich heute anziehen, um meine viel zu fette Figur zu kaschieren? Jeder Blick in den Spiegel verursachte Selbsthass und Ekel vor dem „Fett“ und „Speck“ an meinem Körper.

„Wieder Spaß am Leben“

Tausend Probleme wie diese und das Kalorien zählen haben mein komplettes Leben ausgemacht. Heute habe ich nach vielen Höhen und Tiefen endlich normales Gewicht und wieder Spaß am Leben! Leider schafft es nicht jeder aus dieser Krankheit, viele sterben daran. Bitte überlegt deshalb zweimal, wie ihr solche Menschen anseht oder was ihr sagt! Ihr macht es damit nur noch schlimmer.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen oder sogar anstacheln – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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