Würzburg - Foto: Pascal Höfig
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Neue Nachwuchsforschergruppe in den Digital Humanities

Computerphilologie

Das BMBF fördert die Einrichtung einer Nachwuchsforschungsgruppe am Lehrstuhl für Computerphilologie an der Uni Würzburg. Das Team wird sich in den kommenden vier Jahren der „Computergestützten literarischen Gattungsstilistik“ (CLiGS) im Bereich der Romanistik widmen.

1,8 Millionen Förderung

Am Institut für deutsche Philologie entsteht eine neue Nachwuchsforschungsgruppe unter Leitung von Christof Schöch. Sie gehört zum Lehrstuhl für Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte von Professor Fotis Jannidis und wird in den kommenden vier Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit etwa 1,8 Millionen Euro gefördert. Der Lehrstuhl kooperiert hierbei sehr eng mit Professor Andreas Hotho aus der Informatik und Romanistik-Professorin Brigitte Burrichter. „Der größte Teil der Förderung für die Digital Humanities besteht aus Mitteln für den Aufbau von Infrastrukturen. Reine Forschungsprojekte wie die Nachwuchsgruppen-Projekte sind vergleichsweise wenige zu finden, auch deshalb stellt die das so anspruchsvolle wie ehrgeizige Projekt einer ‚computergestützten literarischen Gattungsstilistik‘ etwas Besonderes dar“, sagt Professor Jannidis.

Größere Basis

Gruppenleiter Christof Schöch und sein Team möchten im Rahmen des geförderten Projekts die Grundlagen schaffen, um literaturwissenschaftliche Fragestellungen durch eine Kombination umfangreicher Textdaten, innovativer Analysemethoden und geisteswissenschaftlicher Interpretationsleistungen in einer völlig neuen Weise bearbeiten zu können. Bislang ist es in den Literaturwissenschaften meist so, dass Untersuchungen an einigen wenigen Werken durchgeführt werden, da schlicht die Zeit nicht reicht, etwa alle Komödien aus einer Epoche zu lesen und in Relation zueinander zu setzen oder sie mit allen Tragödien aus der gleichen Zeit zu vergleichen. „Zudem sehen wir, dass beispielsweise in literaturgeschichtlichen Darstellungen immer wieder die gleichen literarischen Werke herangezogen werden“, sagt Schöch. Damit würden vermeintlich allgemeingültige Aussagen über ganze Textgattungen und Epochen getroffen, die auf einer vergleichsweise kleinen Datenbasis beruhten.

Literarische Gattungsstilistik

An dieser Stelle setzt die computergestützte literarische Gattungsstilistik an. Es soll in Zukunft möglich sein, eine deutlich größere Zahl an Texten vergleichend zu analysieren. Dies funktioniert beispielsweise, indem Computersoftware anhand verschiedener Wörter und Wortgruppen selbstständig gewisse wiederkehrende stilistische Mittel und Ausdrucksarten in Texten erkennt – unabhängig von Informationen über den Autor oder bereits bestehenden Einordnungen des Gesamtwerks. Diese erkannten Muster kann der Rechner dann ausgeben und der Philologe hat Ansatzpunkte für weitere Literaturarbeit. Im Zweifel nimmt er ein bestimmtes Buch aus dem Regal und liest es mit Blick auf seine konkrete Fragestellung.

Neue Gattungsbegriffe

Die Forscher erhoffen sich neue methodische Ansätze zum Problem der Trennung der stilistischen Signale von Autorschaft und Gattung in literarischen Texten oder beispielsweise die automatische Erkennung von Deskription, Narration und Argumentation in Erzähltexten. Es sei denkbar, dass sich aus der Arbeit neben neuen Methoden auch neue Gattungsbegriffe entwickelten oder zumindest an bestehenden Zugehörigkeiten gerüttelt werden könnte, so Schöch.

Französische Textsammlungen

Grundlage der Untersuchung sind fünf umfangreiche Textsammlungen. Christof Schöch widmet sich dem französischen und spanischen Theater der Klassik und Aufklärung. Eine bereits bestehende Sammlung französischer Theaterstücke enthält rund 750 Texte. Die weiteren Textsammlungen betreffen das spanische Theater des Siglo de Oro, den französischen Roman der Aufklärung, den spanischen Roman des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und den lateinamerikanischen Roman des 19. Jahrhunderts. Während eine der von Christof Schöch verwendeten Sammlungen bereits gut aufbereitet ist, müssen die Wissenschaftler bei den anderen Sammlungen noch Vorarbeit leisten. „Es ist tatsächlich nicht ganz einfach, gut aufbereitete Daten zu bekommen“, sagt Schöch, der selbst Romanistik, Anglistik und Psychologie in Freiburg und Tours studiert hat.

Dieser Artikel basiert auf einer Pressemitteilung der Uni Würzburg.

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