Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

„Nach 50 Jahren Schlaf“ – Fundstück des Martin von Wagner-Museums

Was wäre, wenn…

Was wäre, wenn … Würzburg nach der verheerenden Zerstörung am 16. März 1945 nicht wiederaufgebaut worden wäre? In seinem Bild „Nach 50 Jahren Schlaf“ beschrieb der berühmte Würzburger Künstler Wolfgang Lenz eine Dystopie des zerstörten Würzburgs, das nicht mehr aufgebaut wurde. Heraus kam eine bittersüße Vision, ein Spagat zwischen Tod und Verfall und der Wiedergeburt als romantische Ruinenlandschaft. Wolfgang Lenz schenkte es zum 60. Jahrestag der Bombennacht der Gemäldegalerie des Martin von Wagner-Museums.

Ein gelungener Stilmix

Künstlerisch zeigt Lenz‘ Werk „Nach 50 Jahren Schlaf“, wie reich das Repertoire des wohl maßgeblichsten zeitgenössischen Würzburger Künstlers ist: Das Gemälde ist ein gelungener Stilmix aus Tiepolo-typischer pastelliger Farbgebung, mit Architektur-Capricci nach Piranesi, bereichert durch die detaillierte Fauna etwa eines Caspar David Friedrich. Wer allerdings Würzburg kennt, der sieht vielmehr die Illustration von Gewesenem und Seiendem: Baukunst, die heute wieder in neuem Glanze erstrahlt, ist nach 50 Jahren Schlaf überwuchert und sprichwörtlich fast dem Erdboden gleich gemacht.

Der Traum eines vergessenen Würzburgs

Lenz beließ dabei Dom und Neumünster im Hintergrund; er fügte in die Baumgruppe links den Vierröhrenbrunnen ein – den Kräften der Natur unterlegen, zynischerweise nur noch mit der kopflosen Justicia geschmückt. Wie unter einer freskenhaften Kuppel ist dieser Traum eines vergessenen Würzburgs eingeschlossen; Tiepolos Viergespann des Apoll (ein Zitat des Kaisersaales in der Würzburger Residenz) galoppiert am Firmament – ohne Insassen und vielsagend führerlos, ohne den Gott des Lichtes und der kosmischen Ordnung.

Wolfgang Lenz ordnete Würzburger Wahrzeichen künstlerisch stimmig, nicht realistisch an – weder ging er auf den amerikanischen Vorschlag ein, den zerstörten Stadtkern zum Freilichtmuseum umzugestalten, noch hielt er sich an die tatsächliche Anordnung der Bauten in der Stadt. So ist es an jedem einzelnen Museumsgast, das Bild mit all seinen Details für sich zu entdecken und zu verstehen.
Hier wurde nur ein kleiner Vorgeschmack gegeben.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Martin von Wagner-Museum der Universität Würzburg

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