Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

LINKE: ohne Tickets Nahverkehr nutzen

LINKE will Diskussion über Nahverkehr

Die LINKE im Stadtrat will die Tickest im Nahverkehr im Stadtgebiet Würzburg abschaffen. Mit diesem Antrag lädt Stadtrat Sebastian Roth die Öffentlichkeit dazu ein, sich „offen zu äußern“ und will die Diskussion zu diesem Thema in Gang setzen. Der Stadtrat wird am 21. Mai darüber diskutieren. Eine offene Diskussion erfordert eine umfassende Information. Deshalb hier der ungekürzte Antragstext der LINKEN:

Übernahme des Gewinnausfalls des öffentlichen Nahverkehrs in Gebiet Würzburg-Stadt durch die Stadt Würzburg

„Der Rat der Stadt Würzburg beauftragt die Verwaltung der Stadt Würzburg mit der zeitnahen Entwicklung eines Konzeptes zur Übernahme des zu erwartenden Gewinnausfalls im öffentlichen Nahverkehr (seitens der WVV und deren Tochterunternehmen) durch die Einstellung des Ticketverkaufs für den Nahverkehr im Einflussbereich des Stadtrats Würzburgs durch die Kommune. Dieses Konzept soll in einen Stadtratsbeschluss münden.“

Begründung

Der öffentliche Nahverkehr in Würzburg stagniert. Die Zahl der Fahrgäste verändert sich kaum, ist aktuell leicht rückläufig. Unter diversen Gesichtspunkten ist die Schaffung einer ticketlosen Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel notwendig. Eine Refinanzierung ist unabdingbar, Vorschläge werden unterbreitet.

  1. Umweltaspekt: Durch die ticketlose Nutzung des Nahverkehrs würde die Anzahl der Nutzer steigen, was zu einer aktiven Verkehrsentlastung in Würzburg führen würde. Dies hätte unter Umweltgesichtspunkten positive Effekte. Die besondere Situation Würzburgs (Kessellage) erfordert ein engagiertes Voranschreiten in Bezug auf die Reduzierung der Umweltbelastungen durch den Individualverkehr. So würde der PKW-Verkehr zurückgehen, damit verknüpft der Parkplatzsuchverkehr und der Bedarf an Parkplätzen, oberirdische, wie auch unterirdische. Hierdurch werden weitere Flächen für den Bürger geschaffen und die Umweltbelastung durch den Schadstoffausstoß reduziert.
  2.  Verkehrsaspekt: Durch einen ticketfreien Nahverkehr wäre das Verkehrsaufkommen in Würzburg geringer, da der Individualverkehr reduziert würde. Dies hat ferner zur Folge, dass er Verstopfung der Straßen entgegenwirken würde. In Anbetracht diverser Wandlungsmaßnahmen, welche aktuell angedacht werden, (Tempo-30-Zone, LKW- Fahrverbot, Umweltzone,…) spielt eine signifikante Reduzierung der PKWs eine Rolle, auch für den PKW-Nutzer. Selbst der überzeugte Autofahrer profitiert von der Stärkung des ÖNVPs, die Straßen werden freier und die Suche nach den verbleibenden Parkplätzen ist weniger zeitintensiv.
  3. Signalwirkung mit Nachahmungseffekt: Mit solchen einem Beschluss würde der Stadtrat eine Signalwirkung aussenden, dass ihm der Nahverkehr außerordentlich am Herzen liegt. Das Vorantreiben des Netzausbaus muss natürlich weiter umweltverträglich vorangetrieben werden. Ein Nahverkehr ist eine öffentliche, eine städtische Angelegenheit und jeder Bürger in Würzburg sollte an den Vorteilen und Kosten beteiligt werden. Solidarisch sollten alle Vorzüge und Kosten verteilt werden.
  4. Soziale Aspekte: Durch die ticketlose Benutzung des Nahverkehrs könnten alle Bewohner und Gäste der Stadt den Nahverkehr ohne Verzögerungen und Ticketlösungen nutzen. Hierdurch würden auch Menschen mit geringerem Einkommen in die Lage versetzt sein, in ihrer Stadt den Nahverkehr zu nutzen. Die Teilhabe am öffentlichen Leben in der Heimatstadt ist ein relevantes, ein hohes Gut und dieses wird durch eine Umlastung auf viele Schultern ermöglicht. So muss eine Lösung erarbeitet werden, welche soziale Aspekte und das Budget der Bürger berücksichtigt.
  5. Effizienz des Nahverkehrs: Der Nahverkehr könnte ohne jede Ticketkontrolle im Stadtgebiet Würzburgs verkehren. Hierdurch würde massiv Zeit gespart werden, die Verkehrsmittel hätten weniger Stehzeiten an den Haltestellen. Somit wären die Frequenz und damit die möglichen Fahrgastzahlen automatisch erhöht, ohne mehr Kosten zu verursachen. Je nach Zuwachs der Fahrgastzahlen muss die WVV angemessen reagieren.

Finanzierungsvorschläge

Die Finanzierungsvorschläge sollen vor allem klar machen, dass eine Kostenübernahme möglich ist, ohne den Haushalt mehr zu belasten. Es ist der Wille, diese Entscheidung zu treffen!

1. Übernachtungspauschale

Würzburg hatte im Jahr 2014 etwas über eine Millionen Übernachtungen. Wenn die Stadt eine Pauschale von 3Euro die Übernachtung erhebt, könnten 3 Millionen Euro ausgeglichen werden. Viele Hotels geben ihren Gästen eh schon Tickets frei Haus. Diese wären dann obsolet, ebenso die Anschaffungskosten für den Hotelbetreiber.

2. Bürgerpauschale

Jeder Bürger der Stadt könnte an der Kostenübernahme beteiligt werden. Sozial differenziert könnte man zum Beispiel einen Betrag von 10 Euro im Monat (Anspruchsberechtigte 5 Euro im Monat) veranschlagen. Von einer effektiven Mehrbelastung kann kaum die Rede sein, denn eine 6er- Streifenkarte kostet aktuell 9,60 Euro für einen Erwachsenen. Eine Einzelfahrt 2,45 Euro. Somit spart ein Bürger, wenn er fünf/ sieben Mal im Monat mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt. Insgesamt ist hier eine Summe von ca. 10 Millionen Euro anzunehmen.

3. Weitere Pauschalen

Es besteht ebenso die Möglichkeit weitere Pauschalen in Bereich der Arbeitsplätze, des Wohnraums oder auch des Parkraummanagements zu erheben. Je nach Konzept können auch hier siebenstellige Beträge erwirtschaftet werden.

4. City-Maut

Auch eine individuelle Einfahrmaut in die Innenstadt Würzburgs würde Staus vermindern, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen, die Umweltgiftkonzentration reduzieren und Geld zur Gegenfinanzierung liefern. Es gibt Beispiele in Europa: Bergen, Göteborg,…, welche 3 Euro verlangen. Somit könnte man auch Auswärtige mit zur Kasse bitten.

5. Reduzierung der Ausgaben der WVV

Ein erheblicher Posten der Finanzierung ist die Kostenreduzierung seitens der WVV. Die Einsparung der Tickets im Stadtgebiet Würzburgs hat einige Minderausgaben zur Konsequenz. Somit müssen keine Tickets ausgedruckt werden, die Automaten können auf ein Minimum reduziert werden. Dies geht mit einer Einsparung der Aufstellungs-, Energie- und Wartungskosten einher. Weiter muss keine Kontrolle der Fahrkarten mehr erfolgen. Auch die Arbeitszeit, welche für das Tarifmodell, dessen Überarbeitung und Preiskalkulation könnte eingespart werden.

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Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der LINKEN Würzburg.

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