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Unsere 5 Ernährungs-Mythen um Schokolade, Fett & Co.

Ein Gastbeitrag von Saida Thenhart

Diät oder Lifestyle?

Dass seit einiger Zeit ein Umdenken in Sachen Ernährung stattfindet, zeigen zahlreiche neue Diätformen wie z. B. die Paläolithische Ernährung (aka Paleo), Clean Eating, Vegan, Raw, Primal, usw. Alle die sich jetzt direkt echauffieren, weil sie Anhänger einer der oben genannten Ernährungsformen sind, die ja schließlich „keine DIÄT!!!“, sondern ein Lifestyle sind, können sich beruhigt wieder in ihren Stuhl zurück fallen lassen. Der Begriff Diät war bewusst gewählt. Denn schon der Begriff Diät und dessen Verwendung führt bereits zu ersten Missverständnissen.

Diät ist nicht gleich Diät

Das Wort Diät stammt nämlich aus dem griechischen δίαιτα (díaita) und wurde ursprünglich im Sinne von „Lebensführung“/„Lebensweise“ verwendet. Eine Diät ist also die selbst gewählte Lebensweise hinsichtlich einer bestimmten Ernährung. Erst durch vermeintlich qualifizierte Fachzeitschriften, wie Freizeit Revue, Petra, Emma, Brigitte und Co. wurde die Diät zur Diät wie sie der allgemeine Sprachgebrauch wohl verwendet: dem nicht enden wollenden Fegefeuer der Berg- und Talfahrt auf der Waage in der Jojo-Bahn. Aber wenn das schon ein Irrtum ist, wie sieht es dann mit den etabliertesten Ernährungsmythen aus?

Mythos 1: Fett macht fett

Aus einer Vielzahl von Gründen ist die wohl leidigste und schlimmste Binsenweisheit der Ernährung, dass Fett fett, also dick mache. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Fett ist der Energieträger Nr. 1, noch vor Eiweiß und Kohlenhydraten. Nur verfügt der gemeine Körper aus der Wohlstandsgesellschaft über  üppig gefüllte Kohlenhydratspeicher, so dass Fett als Energiespeicher quasi überflüssig wurde. Und da es schließlich viel aufwendiger für den Körper ist, Fett zur Energiegewinnung „auszuklamüsern“, als sich einfach an den ohnehin mit Zucker randvollen Glycogenspeichern zu bedienen, bleibt das Fett da wo es ist, wenn es nicht gebraucht wird: in der Figur.

Erst wenn es mal dazu kommt, dass die schnell verfügbaren Quellen leer sind, dann ist der Körper überhaupt dazu „animiert“, an die Fettreserven anzupacken. Die falsche Schlussfolgerung wäre nun, überhaupt kein Fett zu essen, weil man es ja ohnehin nicht als Energie bräuchte, aber abgesehen von wichtigen Bestandteilen in Fetten, ist es nun Mal auch Geschmacksträger Nr.1 und ein bisschen soll man das Leben ja auch genießen. Dabei ist folgendes Wissen der Problemlöser Nr. 1:  Um Fett als solches einzulagern, benötigt der Körper Insulin.

Insulin ist ein Hormon und wird, beim Essen von Kohlenhydraten  (Nudeln, Brot, Reis & Co.) vom Körper produziert, um den Blutzucker zu senken. Es ermöglicht die Nährstoffspeicherung und wird daher oft als das Speicherhormon bezeichnet. Crazy speckig wird es also in der Fett-Affäre also erst, wenn wir Fette zu uns nehmen, deren Energie wir nicht benötigen und dazu Insulin-produzierende Kohlenhydrate essen. Isst man also einen schönen fettigen Burger, die Pizza oder die Portion Pommes, dann kann der Körper freut sich der Körper die überflüssige Energie in seine Depots einlagern – das Fett allein ist also nicht dran schuld!

Mythos 2: Täglich ein Stück Schokolade

Uuuuund weiter geht’s ins Land der genügsamen und nicht-emotionalen Esser! Wer sich und sein Leben hart im Griff hat, den wird die folgende Message wahrscheinlich für den Rest des Tages übel aus der Bahn der perfekt quadratischen, mit Gurkenscheibchen belegten Körnerbrote schmeißen! Denn ein einziges Stück Schokolade sorgt für die gleiche Menge ausgeschüttetes Insulin wie eine verdammte Tafel. Wenn es richtig blöd läuft, wundert sich der Körper dann, wo denn der ganze Zucker bleibt, für den er jetzt das Insulin zum weiter Verarbeiten bereitgestellt hat. Und da ein Stück ja nun nicht gerade reichlich Zucker bietet, endet das Ganze nicht selten in einer Heißhungerattacke durch Unterzuckerung.

Mythos 3: Spätes Essen macht dick

Es macht wahrscheinlich auch dick, sich diesen Mythos immer wieder anhören zu müssen. Auch wenn rund um das Thema Ernährung viele Uneinigkeiten herrschen, so ist man wenigstens hierbei inzwischen dank zahlreicher Studien auf einen gemeinsamen Nenner gekommen: Es spielt für den Körper eine viel größere Rolle wie viel man isst und nicht wann. Einziges Problem bei Leuten, die einen unruhigen Schlaf haben: Durch das Verdauen schläft es sich noch schlechter. Da macht es Sinn, zu später Stunde vor allem auf Rohkost zu verzichten. Zudem sollte man sich wenigstens einmal in 48 Stunden 12 Stunden ohne Nahrungsaufnahme gönnen, damit der Körper auch Mal ruhe für einen „Wartungs-Reset“ hat.

Mythos 4: Honig statt Zucker

Love that one! „Honig hat viel mehr Vitamine und Mineralstoffe und ist deshalb gesünder als raffinierter Zucker!“. Real Talk? Honig enthält zu 20% Wasser. 100 Gramm davon enthalten 330kcal. 100 Gramm Zucker hingegen enthält 410kcal. Auch weniger mathematisch Begabte werden diese einfache Prozentrechnung komplettieren können: 396kcal hätte der Honig ohne das Wasser im direkten Vergleich. Und weniger Süßkaft obendrein. Nun rate ich mitnichten zum Haushaltszucker, aber durchaus dazu, sich einen tatsächlich gesünderen Zuckerersatz, wie z.B. Xylit oder Erythrit in die Vorratskammer des Schreckens zu holen. Um übrigens seinen Tagesbedarf an Vitamin C mit Honig zu decken, müsste man 4kg davon essen! Einen gesunden Appetit wünsche ich da!

Mythos 5: Eier treiben Cholesterinspiegel nach oben

Eier enthalten 200 mg Cholesterin pro Stück. Aber vor allem auch: Jede Menge Vitamin A, D, E, Beta-Carotin und Omega-3-Fettsäuren. Man muss außerdem unterscheiden zwischen Nahrungs- und Blutcholesterin. Irgendwo unterwegs ist diese Zusatzinfo wohl vom Wägelchen gepoltert. Denn Nahrungscholesterin (also solches, dass wir durch Nahrung aufnehmen) aus Eiern wird im Darm so herausgefiltert, dass es kaum einen Einfluss auf die Blutwerte hat. Faktisch gibt es sogar einige Menschen, bei denen ausgerechnet Eier cholesterinsenkend wirken.

Wer also zeitig ableben möchte sollte, statt sich auf Eier zu verlassen, lieber auf einen ordentlich rastlosen Lebenswandel setzen. Denn die körpereigene Cholesterinproduktion läuft zu hochtouren auf, wenn wir gestresst sind. Aber das wird leider zu oft außer Acht gelassen. Sicher spielt es auch eine Rolle, ob wir es mit einem Wiesen-Ei oder einem aus einer Zucht zu tun haben, bei der Futtermittel eingesetzt wurden. Denn Eier von Tieren, die naturgerecht leben, enthalten drei Mal so viele Vitamine und Nährstoffe, vor allem aber gesunde Fette, wie die von Eiern, die eigentlich keiner mehr kaufen sollte. Wer schlechte Blutwerte hat, sollte daher übrigens aus ähnlichen Gründen unbedingt auf konventionelles Fleisch verzichten. Aber dazu kommen wir noch im zweiten Teil der Serie!

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen oder sogar anstacheln – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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