Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

70 Jahre Kriegsende: Täglich am Frieden arbeiten

Feierstunde im Würzburger Rathaus

Als einen Tag der Befreiung und den Beginn des Friedens hat die Stadt Würzburg den 70. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai begangen. Im Mittelpunkt des Abends standen Würzburger Künstler und Aktivisten, die sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln den vergangenen Jahrzehnten des Friedens näherten, ohne dabei die Schrecken des Krieges aus den Augen zu verlieren. „Wir in Würzburg wollen ein Zeichen der Erinnerung, des Gedenkens und Machnens setzen“, betonte Oberbürgermeister Christian Schuchardt bei der Feierstunde im Würzburger Rathaus.

Tolerant, offen und pluralistisch

„Gerade aus unserer Vergangenheit heraus ist es besonders wichtig, dass wir uns sichtbar für den Frieden einsetzen und Menschen in Not helfen“, so Schuchardt. „Würzburg tut das, wir helfen und sehen nicht weg. Wir stehen auf, wo es nötig ist und treffen klare Aussagen, wie unsere Gesellschaft funktionieren soll: tolerant, offen und pluralistisch“, fügt der Oberbürgermeister an. Pluralistisch waren  auch die Wege, auf denen sich die einzelnen Beteiligten dem Thema näherten: In ihren eigenen Kompositionen erarbeiteten Annalena Kohde, Elias Wolf, Cornelius Wünsch, Veronika Paleeva, Andreas Eduardo Frank und Ikuma Saito anhand von Texten des Würzburger Autoren Leonhard Frank die Themen „Krieg“ wie auch „Frieden“, die Zeit des Nicht-Krieges.

Ist Frieden nur ein Märchen?

Während Schauspielerin Britta Schramm aus dem Tagebuch von Ortrun Koerber las und dabei die Gefühle der Würzburger nach zwölf Jahren Schrecken und Zerstörung zur Stunde Null darstellte, blickte Uta Deitert von ÖKOPAX auf die Friedensarbeit in den vergangenen Jahrzehnten zurück. Sie berichtete von den Schwierigkeiten der Friedensinitiativen in der Zeit des Kalten Krieges, aber auch vom Aufbruch in der Neuzeit.

Nachdenklich führte Conférencier Markus Grimm durch die einzelnen Bilder des Abends und fragte sich, ob der „Frieden“ denn ein Märchen ist? Oder ob er nur die Zeit des Nicht-Krieges ist. Und er malte den Traum des Friedens mit einer chinesischen Parabel: Zwei Heere stehen sich kampfbereit gegenüber, müssten aber – um die Schlacht zu beginnen – das Haus einer glücklichen Familie zerstören. Und dass sie das Glück nicht zerstören dürfen, das sahen die Feldherren ein und zogen ab. 

Frieden ist kein Museumsgegenstand

„Leider ist die heutige Welt nicht so friedfertig, wie das chinesische Märchen“, weiß Studentenpfarrer Burkard Hose. Als Träger des Würzburger Friedenspreises 2014 zeigte er an den Geschehnissen eines Tages in seinem Leben die Parallelwelten zwischen den Frieden in Westeuropa und dem Krieg in anderen Ländern auf. Er erzählte vom syrischen Studenten, dessen bester Freund im Krieg getötet wurde, er berichtete von angsterfüllten Familien auf der Flucht und er erzählte von einer Zeitzeugin des Holocausts, die jungen Leuten von den Gräueltaten der Nazidiktatur berichtete.

„Wir leben in Frieden“, sagte Hose, „aber dieser Friede ist kein Museumsgegenstand – er ist Arbeit an jedem Tag in unseren Stadtkalender, in jedem Leben das hier gelebt wird“, ruft Hose zur Friedensarbeit auf.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg

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