Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Röntgenpreis für Ägyptologin

Hochengagierte Nachwuchswissenschaftlerin

Beim Stiftungsfest der Universität Würzburg am 11. Mai 2015 bekam die Ägyptologin Dr. Eva Lange den mit 5.000 Euro dotierten Röntgenpreis verliehen. Die Laudatio hielt Dr. Alfons Ledermann, Schriftführer des Universitätsbundes. Ledermanns Fazit: „Mit Dr. Lange wird eine hochengagierte Nachwuchswissenschaftlerin ausgezeichnet, um die uns Einige beneiden. Sie verbindet auf einzigartige Weise archäologische und philologische Kompetenz.“ Die Preisträgerin hat ein großes Forschungsprojekt initiiert, das sie „mit Herzblut und herausragendem Erfolg auch unter den schwierigen postrevolutionären Bedingungen in Ägypten leitet“.

Schwerpunkte aus Langes Forschung

Das Forschungsinteresse der Preisträgerin ist sehr breit gefächert. Ein Schwerpunkt liegt auf der Archäologie des Nildeltas von der prädynastischen Zeit (ca. 4000 – 3032 v. Chr.) bis zur römischen Herrschaft. Eva Lange untersucht dabei das Zusammenspiel städtischer Strukturen mit dem Hinterland und die Verbindung zwischen Stadt und Tempel als Wohnsitz des Stadtgottes. „Ein sehr interessanter Aspekt mit aktuellem Bezug ist hierbei auch die Frage, wie sich Immigranten im östlichen Nildelta mit einer ihnen fremden Kultur vertraut machten“, so Ledermann.

Weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit sind unter anderem die Landschaftsarchäologie und Landschaftsrekonstruktion im südöstlichen Nildelta, die Erforschung lokaler Kulte und die Rekonstruktion von Ritualen sowie die Analyse von Aufzeichnungstraditionen und Aufzeichnungstabus in der ägyptischen Kultur.

Studium und Promotion

Eva Lange wurde 1974 in Leipzig geboren. In der DDR wurde ihr noch vor dem Abschluss der Schule eine Anmeldung für das Studienfach Archäologie verwehrt. Darum absolvierte sie nach der Wende eine Berufsausbildung. Im Anschluss holte sie das Abitur nach und studierte an der Humboldt-Universität in Berlin Ägyptologie und Klassische Archäologie. Für ihre Promotion wechselte sie 2002 an die Universität Leipzig.

Schon als Studentin war Eva Lange an diversen Ausgrabungen in Ägypten beteiligt, ab dem Jahr 2000 auch am Tell-Basta-Projekt, das damals von der Universität Potsdam und dem ägyptischen Supreme Council of Antiquities geleitet wurde. Dieses Projekt sollte für ihre weitere wissenschaftliche Laufbahn von zentraler Bedeutung werden. Tell Basta ist die heutige Ruinenstätte der antiken Stadt Bubastis im östlichen Nildelta. Diese Stadt erlangte schon in der prädynastischen Zeit um 3150 vor Christus überregionale Bedeutung als Handelsknotenpunkt. Auch später blieb sie eine der wichtigsten Städte im Alten Ägypten.

Grabungsleiterin in Tell Basta

Mit gerade einmal 34 Jahren übernahm Dr. Lange im Jahr 2008 das Tell-Basta-Projekt als Grabungsleiterin. Mit ihrem Konzept hatte sie den ägyptischen Supreme Council of Antiquities davon überzeugt, ihr gegen die starke internationale Konkurrenz die Konzession für die Grabung zu geben. Sie gewann auch zahlreiche Sponsoren und Geldgeber für ihr Vorhaben. Am Bedeutendsten ist dabei sicherlich die Aufnahme des Projekts in die Hauptförderung der altehrwürdigen Londoner Egypt Exploration Society. 2012 wechselte Eva Lange nach Würzburg. Damit machte sie die Universität zur einzigen Universität in Deutschland, die systematisch eine altägyptische Stadt „ergräbt“.

Beeindruckende Publikationsliste

„Trotz der zeitintensiven Grabungstätigkeit von vier Monaten pro Jahr sowie vielfältiger organisatorischer Aufgaben als Grabungsleiterin hat Dr. Lange eine beeindruckende Liste an Publikationen vorzuweisen“, lobte Ledermann in der Laudatio. Zudem sei sie eine international gefragte Referentin. In Würzburg mache sich die Preisträgerin zudem mit Praktika und Seminaren um die Lehre verdient. Würzburger Studierende der Ägyptologie und anderer altertumswissenschaftlicher Fächer können nun regelmäßig nach Bubastis reisen und vor Ort von den feldarchäologischen Erfahrungen von Dr. Lange profitieren.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Universität Würzburg

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