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HWK: Viele Firmen würden Flüchtlinge ausbilden

Sonderumfrage der HWK

Der Flüchtlingsstrom nach Deutschland wird zunehmen und damit die offenen Fragen, wie die deutsche Gesellschaft damit umgehen wird. Die Handwerkskammer für Unterfranken erkennt in dem Zustrom von Flüchtlingen auch eine Chance, Fachkräfte für das Handwerk zu gewinnen. Zudem ist für die Flüchtlinge eine berufliche Integration ein entscheidender Schritt zur gesellschaftlichen Integration. Wie offen die unterfränkischen Handwerksbetriebe Flüchtlingen gegenüberstehen, zeigt eindrucksvoll eine Sonderumfrage der Handwerkskammer: Fast 94 % der Ausbildungsbetriebe würden auch Flüchtlinge ausbilden. Nur müssen Grundvoraussetzungen geschaffen werden.

Chancen für beide Seiten

„Die Handwerkskammer für Unterfranken wird sich verstärkt darum bemühen, Flüchtlinge für das Handwerk zu gewinnen. Davon profitieren die Flüchtlinge, die damit einen wichtigen Schritt zur Integration gehen können und unsere Handwerksbetriebe, die auf der Suche nach Auszubildenden und Fachkräften sind“, sagt Rolf Lauer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken. Bei einer Sonderumfrage der Handwerkskammer zur Flüchtlingsthematik unter den unterfränkischen Ausbildungsbetrieben bestätigten nahezu 90 % der Betriebe, dass auch sie im derzeitigen Flüchtlingsstrom eine Chance für das Handwerk erkennen, Fachkräfte zu gewinnen.

Bürokratiebelastung

Die unterfränkischen Handwerksbetriebe erkennen als Hauptproblem bei einer möglichen Ausbildung von Flüchtlingen eine hohe Bürokratiebelastung. Das ist auch eindeutig nachzuvollziehen, müssen die Handwerksbetriebe nahezu jedes Jahr eine Mehrung der Bürokratiebelastung hinnehmen. Die ungenauen politischen Rahmenbedingen, die derzeit noch bei einer potenziellen Ausbildung von Flüchtlingen herrschen, problematisiert rund die Hälfte der befragten Betriebe. Deshalb fordert die Handwerkskammer für Unterfranken, dass Flüchtlinge nach ihrer Ausbildung noch mindestens zwei Jahre Bleiberecht genießen sollen. Diese Forderung wird von rund 90 % aller ausbildenden Handwerksbetriebe unterstützt.

„Den Blick alleine auf die Zeit der Ausbildung von Flüchtlingen zu legen, ist zu kurz gegriffen. Handwerksunternehmen investieren viel Zeit und Geld in die Ausbildung und womöglich müssen sie bei Flüchtlingen, besonders zu Beginn der Ausbildung, noch etwas mehr investieren. Das Bleiberecht 2 Jahre plus x nach der Ausbildung gibt nicht nur den Handwerksunternehmen Sicherheit, sondern auch dem Flüchtling und spornt sicherlich dazu an, die Ausbildung so gut wie möglich zu absolvieren“, erklärt Hauptgeschäftsführer Rolf Lauer.

Deutschkenntnisse extrem wichtig

Zudem fordert die Handwerkskammer für Unterfranken, Flüchtlingen sofort einen Deutschkurs zu ermöglichen. Die Forderung unterstützen 92 % der befragten Ausbildungsbetriebe. Rolf Lauer: „Deutsch zu verstehen und zu sprechen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um eine duale Berufsausbildung zu bestehen. Ohne Sprachkenntnisse werden Theorie und Praxis zu keiner Zeit zu bewältigen sein.“

Grundlagen für die Ausbildung

Bei den Grundvoraussetzungen, die handwerkliche Ausbildungsbetriebe an potenzielle Auszubildende stellen, gibt es nahezu keine Unterschiede zwischen Flüchtlingen und anderen Auszubildenden. „Zuverlässigkeit“ und „gute praktische Veranlagung“ liegen an den ersten beiden Stellen, gefolgt von „guten Deutschkenntnissen“. „Dieses Ergebnis zeigt eindeutig, wie pragmatisch die unterfränkischen Handwerksbetriebe mit der Flüchtlingsthematik umgehen. Bei Ihnen zählt nicht, wo man herkommt, sondern vielmehr, wo man hinwill“, so der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Handwerk bereit für Entscheidungen

Mit den Ergebnissen der Umfrage möchte die Handwerkskammer einerseits deutlich machen, welches Potenzial Flüchtlinge für die regionalen Handwerksbetriebe haben, aber auch, welch große gesellschaftliche Verantwortung die Betriebe übernehmen würden. Rolf Lauer: „Wir wünschen uns, dass diese Ergebnisse dazu dienen, den politischen Entscheidungsprozess in der Flüchtlingsthematik zu beschleunigen. Das Handwerk ist bereit für konkrete Entscheidungen.“

Integrationskraft Handwerk

Welche integrative Kraft das unterfränkische Handwerk bereits besitzt, beweist auch eindrucksvoll die Anzahl der verschiedenen Nationalitäten der Auszubildenden im unterfränkischen Handwerk: 2014 hatten die Auszubildenden insgesamt 52 unterschiedliche Staatsangehörigkeiten. Hinzu kommt noch eine Vielzahl an Auszubildenden mit Migrationshintergrund. Berufliche Integration ist der wichtigste Schritt zu gesellschaftlicher Integration. Im Handwerk lebt die Integration, hier wird sie verwirklicht.

Herkunft ist irrelevant

Dass bei einer aktuellen Befragung der Bertelsmann Stiftung unter über 1.000 ausbildenden Unternehmen 60 Prozent angaben, noch nie einen Azubi mit ausländischen Wurzeln eingestellt zu haben, spiegele nicht die Realität im unterfränkischen Handwerk wider. Rolf Lauer: „Die Bereitschaft, Lehrlinge mit ausländischen Wurzeln einzustellen, ist bei den Handwerksunternehmen in Unterfranken sehr hoch. Bei der Bewerberauswahl zählen, wie auch die Umfrage bestätigt, Faktoren wie ,gute praktische Veranlagung‘ und ,Zuverlässigkeit‘. Beides Kriterien, die ein potentieller Auszubildender immer mitbringen sollte, egal ob aus Deutschland oder dem Ausland.“

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Handwerkskammer für Unterfranken.

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