Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Weiße Schleifen: Symbol für Todesopfer der Asylpolitik

Aktion der Gruppe „Mehr als 16a“

Mit Interesse und Neugier reagierten Menschen in Würzburg auf die vielen weißen Bänder an Ampeln, Brücken und Laternen, die seit etwa einer Woche in der Stadt zu finden sind. Dabei handelt es sich um eine Aktion der asylpolitischen Gruppe „Mehr als 16a“, die auf die Opfer der menschenverachtenden Asylpolitik der EU aufmerksam machen will.

Symbolisches Zeichen für Todesopfer

„Als symbolisches Zeichen für die Todesopfer binden wir weiße Bänder an Laternen, Pfosten und Bäume im Innenstadtbereich von Würzburg. Die Bänder sollen sichtbare und bleibende Zeichen von Betroffenheit sein. Sie sind ein Mahnmal für die Opfer der Festung Europa. Ein Mahnmal, dass uns, die Bewohner dieser Festung, daran erinnern soll, dass tatenlos zuschauen keine Option ist,“ sagt Elena Hirsch stellvertretend für die Gruppe.

„Jeder ist dazu eingeladen, sich an der Aktion zu beteiligen. In vielen Cafés und Geschäften in der Innenstadt sind Schuhkartons mit weißen Bändern zu finden. Die Leute können sich an diesen Orten weiße Bänder abholen, sie mitnehmen und auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen an Laternen oder Ampeln knoten!“ so Hirsch weiter.

Bereits zahlreiche Teilnehmer

Bis jetzt haben sich schon zahlreiche Menschen an der Aktion beteiligt. Es gibt kein „offizielles“ Ende der Aktion. Vielmehr soll und kann die Aktion in den nächsten Wochen und Monaten von Einzelpersonen immer weiter getragen werden. In den ersten Monaten des Jahres 2015 ertranken bislang über 1600 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat sich die Zahl der Toten mehr als verzehnfacht.

Laut „Mehr als 16a“ sei die Seegrenze zwischen Nordafrika und Europa die mit Abstand tödlichste Grenze der Welt. Von allen weltweiten Todesopfern unter Migranten seien 75 Prozent an der Mittelmeergrenze gestorben. Hirsch merkt dazu an: „Es gibt keine legale Möglichkeit für Geflüchtete nach Europa zu kommen. Die Abschottungspolitik der EU bietet damit den idealen Nährboden für das so diskreditierte Schlepperunwesen. Erst die Abschottung Europas macht dieses Schleppergeschäft möglich. Nicht die Schleuser, sondern dieArchitekten der Festung Europa haben den Tod der vielen Tausend Menschen zu verantworten!“

Tod zur Abschreckung anderer?

Um das Sterben an der EU-Außengrenze zu beenden, müsse die Abschottungspolitik, die auf immer mehr Überwachung und noch mehr Stacheldraht setzte, beendet werden, so „Mehr als 16a“. Der Tod von Geflüchteten werde von der EU-Politik zur Abschreckung anderer Geflüchteter in Kauf genommen. „Für uns, als Bewohner dieser Festung ist es einfacher weg zusehen, unserem Alltag weiter nachzugehen, ohne über das Sterben an den Festungsmauern nachzudenken. Aber es muss sich etwas ändern,“ sagt Hirsch.

„Mehr als 16a“ fordert Politikwechsel

Die asylpolitische Gruppe „Mehr als 16a“ fordert einen Politikwechsel hin zu Offenheit und Solidarität. Eine Solidarität, die Grenzen überschreite und keinen Unterschied zwischen Menschen mache – ganz gleich, welcher Nationalität und Herkunft. „Mehr als 16a“ äußert: „Wir fordern legale und sichere Einreisemöglichkeiten für Flüchtende. Wir fordern sichere Fährverbindungen für Flüchtende über das Mittelmeer. Wir fordern das Ende der unmenschlichen Abschottungspolitik. Wir fordern den sofortigen Stopp der Kriminalisierung von Migration.“

Die Gruppe hofft mit ihrer Aktion möglichst viele Würzburger zu erreichen und so in den Köpfen der Menschen die Erinnerung an die Mauertoten der Festung Europa lebendig zu halten. Dazu Hirsch abschließend: „Wenn die politischen Eliten in Europa versagen, ist es einmal mehr die Pflicht der (europäischen) Zivilgesellschaft, das demokratische Antlitz der EU zu wahren, Druck von unten aufzubauen und für eine menschenwürdige Asylpolitik zu kämpfen.“

Wo gibt es die weißen Bänder?

An folgenden Orten in Würzburg bekommt ihr die weißen Bänder:

  • Café zum schönen René; Bahnhofplatz 97070 Würzburg
  • Café Rudowitz; Sanderstraße 10A, 97070 Würzburg
  • Standard; Oberthürstraße 11, 97070 Würzburg
  • Kult; Landwehrstraße 10, 97070 Würzburg
  • Vollkornbäckerei Köhler; Karmelitenstraße 33, 97070 Würzburg
  • Weltladen Würzburg; Plattnerstraße 14, 97070 Würzburg
  • Cafe Wunschlos Glücklich; Bronnbachergasse 22R, 97070 Würzburg
  • Veggie Bros; Juliuspromenade 38, 97070 Würzburg
  • KHG Würzburg; Hofstallstraße 10 97070 Würzburg

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Gruppe „Mehr als 16a“

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