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Das ideale Büro – der Kampf gegen lange Sitzzeiten

Ein Gastbeitrag von Dr. Birgit Sperlich (Institut für Sportwissenschaft) und Dipl.-Psych. Diana Löffler (Lehrstuhl für Psychologische Ergonomie)

Sitzen gefährdet die Gesundheit

Schlagzeilen wie „Sitzen ist das neue Rauchen“ oder der kürzlich erschienene Sterntitel „Sitzen – die unterschätzte Gefahr“ mehren sich in jüngster Zeit. Immer mehr wissenschaftliche Studien belegen, dass neben Bewegungsmangel auch lange Sitzzeiten einen Risikofaktor für die Gesundheit darstellen. Im Klartext bedeutet das: auch regelmäßige körperliche Aktivitäten wie Sport oder Spazierengehen – empfohlen werden mindestens 150 Minuten pro Woche – heben nicht das erhebliche gesundheitliche Risiko auf, das von vielen Stunden Büroarbeit im Sitzen ausgeht. Neben bekannten Problemen wie Rückenleiden, Muskel- und Skeletterkrankungen erhöht langes Sitzen auch das Risiko an vielen sogenannten Zivilisationserkrankungen wie Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, starkem Übergewicht und sogar verschiedenen Krebsarten zu erkranken und verringert dadurch die Lebenserwartung.

Sitzender Lebensstil ausgeprägt

Dabei haben sich lange Sitzzeiten fest in unserem Alltag verankert: egal ob zu Hause, bei der Arbeit, im Auto, Bus oder Zug oder auch in der Freizeit – wir sitzen gerne und überall ohne darüber viel nachzudenken. Sitzen ist in unserer Gesellschaft zur Selbstverständlichkeit geworden und meistens setzen wir uns ganz unbewusst einfach hin, weil unsere Umgebung uns dazu einlädt. Das Wohnzimmer, die Büros, die Klassenzimmer, die Straßenbahn, die Wartehallen und Besprechungsräume – alles gibt uns die Möglichkeit, oder besser gesagt, lässt uns gar keine andere Wahl, als uns zu hinzusetzen. Die Arbeitswelt als Dienstleistungsgesellschaft ist vor allem durch Büroarbeitsplätze gekennzeichnet und hier ist der sitzende Lebensstil besonders ausgeprägt.

Das ideale Büro reduziert Sitzzeiten

Aus diesem Grund hat sich eine Forschergruppe um Dr. Birgit Sperlich (Institut für Sportwissenschaft) und Dipl.-Psych. Diana Löffler (Lehrstuhl für Psychologische Ergonomie) der Universität Würzburg das Ziel gesetzt, ein „ideales“ Büro zu konzipieren, welches dazu einlädt die Sitzzeiten zu reduzieren und das Sitzen so häufig wie möglich zu unterbrechen.

Häufiges Aufstehen fördern

Neben eher kostenaufwändigeren Lösungen wie elektrisch höhenverstellbare Schreibtische oder sogar Laufbandschreibtische, die nachweislich die Sitzzeiten reduzieren, können auch einfachere Lösungen ihren Beitrag leisten. Kleine Veränderungen im Büro, wie Papierkorb, Drucker oder Ordner außerhalb der Rollweite des Bürostuhls zu platzieren, fördern häufigeres Aufstehen, aktivieren dadurch den Stoffwechsel und unterbrechen lange Sitzphasen.

Arbeitsleistung steigern

Einige Tätigkeiten im Büro können sogar besser im Stehen bzw. im Gehen durchgeführt werden, denn viele Menschen können beim Gehen besser denken und formulieren. Aufstehen beim Telefonieren, Besprechungen an Stehtischen oder sogenannte „Walk & Talk Meetings“ sind effektiv. Bei einem sinnvollen Einsatz reduzieren solche Maßnahmen auch nicht die Arbeitsleistung, sondern können diese sogar steigern.

Persönliche Gespräche, Stehtische & Fußstapfen am Boden

Auch die Arbeits- und Unternehmensphilosophie kann zu einer Reduzierung der langen Sitzzeiten beitragen. Abmachungen wie „keine Emails in der Arbeitsgruppe“, sondern persönliche Gespräche ohne zwischengeschaltete Medien, Stehtische in Pausenräumen oder dezente Hinweise, beispielsweise in Form von Fußstapfen am Boden, erinnern daran, häufiger aufzustehen.

In Würzburger Unternehmen getestet

Derzeit werden die im Forschungsprojekt entwickelten Gestaltungskonzepte in einer Pilotphase in Würzburger Unternehmen erprobt. Ziel der Feldforschung ist es herauszufinden, ob durch gezielte kleine Veränderungen der Büroumgebung verbunden mit einer Informationsvermittlung zu den gesundheitlichen Risiken langer Sitzzeiten, die Sitzzeiten auch tatsächlich im Büro reduziert bzw. häufiger unterbrochen werden können. Ein ideales Büro. Um an Ordner, Drucker oder Whiteboard zu gelangen, muss aufgestanden werden. Besprechungen und Telefonate werden im Stehen durchgeführt. Fußstapfen erinnern daran, die Sitzzeiten zu unterbrechen.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen oder sogar anstacheln – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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