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Schlag gegen organisierten Versicherungsbetrug: 60 Beschuldigte

Gemeinsame Presseerklärung des Polizeipräsidiums Unterfranken und der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg

ASCHAFFENBURG. Bereits seit über einem Jahr ermittelt die Kriminalpolizei Aschaffenburg in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg gegen offenbar gut organisierte Versicherungsbetrüger.

 

Dabei geht es um rund 200 manipulierte bzw. provozierte Verkehrsunfälle sowie vorgetäuschte Kasko-Schadensfälle. Der für die Versicherungswirtschaft entstandene Schaden beläuft sich zwischenzeitlich im Bereich von annähernd einer Million Euro.

Weitere Durchsuchungsaktion

Nach einer Durchsuchungsaktion Ende Juni 2014 folgte diese Woche Dienstag eine erneute Aktion der Strafverfolgungsbehörden in elf Objekten. Gegen insgesamt 60 Beschuldigte laufen jetzt strafrechtliche Ermittlungen u.a. wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Bandenbetruges.

Wie bereits berichtet, war Mitte 2014 (26.06.2014) ein Großaufgebot der Polizei am bayerischen Untermain und in Frankfurt am Main im Einsatz, um 18 Objekte zu durchsuchen. Dabei hatten die Fahnder umfangreiches Beweismaterial und auch sieben Autos der Oberklasse sichergestellt.

13 Personen waren damals vorläufig festgenommen worden, gegen zwei hatten Haftbefehle bestanden. Zwei weitere Beschuldigte waren zu diesem Zeitpunkt wegen eines versuchten Tötungsdelikts seit April 2014 in Untersuchungshaft. Die übrigen Festgenommenen waren wieder auf freien Fuß gekommen.

Durch anonymen Tipp ans Licht gekommen

Die Ausgangsermittlungen ins Rollen gebracht hatte eine anonyme Mitteilung, die bei der Kriminalpolizei Aschaffenburg im Herbst des Jahres 2013 eingegangen war. Darin gab es Hinweise auf eine ganze Reihe von Straftaten. Der Hauptvorwurf bestand darin, dass seit Jahren Verkehrsunfälle zum Zwecke des Versicherungsbetruges manipuliert und provoziert worden sein sollen. In der Folge hatten dann sehr aufwändige, gemeinsame Ermittlungen der Kriminalpolizei Aschaffenburg und der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg begonnen. Nach und nach hatten sich die in dem Schreiben geäußerten Verdachtsmomente bestätigt.

Verkehrsunfälle provoziert und manipuliert

Der Sachbearbeiter der Kriminalpolizei war bei seinen Recherchen auf eine offenbar gut organisierte, bandenmäßige Struktur gestoßen, bei der eine Vielzahl an Männern und auch Frauen an umfangreichen Betrugsfällen um manipulierte und provozierte Verkehrsunfälle beteiligt war. Es stellte sich heraus, dass viele der fälligen Reparaturen in einer Kfz-Werkstatt abgewickelt worden waren, deren Inhaber nach bisherigen Erkenntnissen ebenfalls dem Kreis der Tatverdächtigen zuzurechnen ist.

Schaden in Millionenhöhe

In dem laufenden Verfahren geht es um insgesamt 200 Verdachtsfälle, bei denen seit 2008 über die Versicherungen ein Schaden von annähernd einer Million Euro abgerechnet wurde. Teilweise wurden den Versicherungen gefälschte Gutachten vorgelegt. Die fingierten Unfälle ereigneten sich zumeist im Großraum Aschaffenburg und im angrenzenden hessischen Bereich.

Bei vielen dieser fingierten Unfälle stammten beide Unfallbeteiligte aus dem Kreis der jetzt beschuldigten Personen. In anderen Fällen waren auch völlig ahnungslose Verkehrsteilnehmer die Leidtragenden. In einem Fall saß in einem Fahrzeug auch eine schwangere Frau, die vorsorglich zwei Tage im Krankenhaus behandelt wurde. Ein weiterer Unfallbeteiligter war wegen eines Schocks einen Tag in der Klinik.

Nachdem gegen mehrere Beschuldigte bereits im April 2014 Haftbefehle ergingen, wurde Ende März 2015 gegen einen weiteren Hauptbeschuldigten ein Haftbefehl erlassen und vollzogen.

Umfangreiche Ermittlungen der Kripo

Die gemeinsamen Ermittlungen der Kripo Aschaffenburg dauern indes weiterhin an. Neben dem Verdacht von Betrugsstraftaten, stehen auch Verkehrsstraftaten im Raum. Insbesondere besteht in mehreren Fällen ein Tatverdacht bezüglich eines Verbrechens des vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Bei der zuletzt durchgeführten Aktion wurden insgesamt 11 Objekte von 7 Beschuldigten und auch einem Zeugen durchsucht, um Beweismittel zu erhalten. Die betroffenen Personen wurden im Anschluss zu den Vorfällen noch einmal vernommen.

Bislang wurden durch die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg gegen 16 Beschuldigte Anklagen erhoben oder Strafbefehle beantragt. Die Ermittlungskommission der Kriminalpolizei Aschaffenburg wird zusammen mit der Staatsanwaltschaft noch mehrere Monate damit beschäftigt sein, die bisher erkannten Verfahren sachgerecht abzuarbeiten.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Unterfranken.

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