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Zarnekow-Förderpreis für Psychologen

Rund 9.000 Stunden Selbstmanagement

Chronische Krankheiten tragen mit 77 Prozent zu den Krankheitsfällen in Europa bei. Ob Diabetiker, Rheumatiker oder Allergiker – die meiste Zeit müssen die Betroffenen allein mit ihrer Krankheit umgehen. Den durchschnittlich vier Stunden mit Arztkontakten stehen fast 9.000 Stunden Selbstmanagement gegenüber. Patientenschulungen helfen den Betroffenen dabei den eigenverantwortlichen Umgang mit ihrer Krankheit einzuüben. Darum ist es wichtig, die Qualität der Schulungen und ihre Wirksamkeit im Alltag der Patienten fundiert beurteilen zu können.

Australischen Fragebogen geprüft

Auf diesem Gebiet hat der Psychologe Michael Schuler (40) seine Doktorarbeit geschrieben. Er hat geprüft, ob sich der in Australien entwickelte Patientenfragebogen „Health Education Impact Questionnaire“ auch für Deutschland eignet. „Nach internationalen Richtlinien muss bei jeder Übersetzung eines Fragebogens geprüft werden, ob die übersetzte Version genauso funktioniert wie das Original“, erklärt Michael Schuler.

 Übersetzter Fragebogen gut geeignet

In seine Studie hat der Psychologe 1.202 Rehabilitanden mit unterschiedlichen chronischen Erkrankungen aus sieben Reha-Einrichtungen in Deutschland eingeschlossen. Beteiligt waren die Deegenberg-Klinik in Bad Kissingen und die Taubertalklinik in Bad Mergentheim; außerdem Einrichtungen in Bad Bramstedt, Bad Eilsen, Bad Oechsen, Bad Reichenhall und Norderney.

Schuler konnte zeigen: Der übersetzte Fragebogen eignet sich gut für die indikationenüber- greifende Prüfung der Wirksamkeit von Patientenschulungen und erlaubt es, die Qualität der Angebote differenziert zu bewerten. Seit dieser Erkenntnis war der Fragebogen in Deutschland bereits mehrfach im Einsatz.

Der Zarnekow-Förderpreis

Für die Ergebnisse seiner Doktorarbeit, die er an der Universität Freiburg angefertigt hat, bekam Michael Schuler am 18. März 2015 den Zarnekow-Förderpreis verliehen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert; vergeben wird er von der Illa-und-Werner-Zarnekow-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Überreicht wurde die Auszeichnung auf dem 24. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium in Augsburg

Der Förderpreis ist für wissenschaftlichen Nachwuchs gedacht, der sich „in herausragender Weise mit einem rehabilitationswissenschaftlichen Thema“ befasst hat. Die Preisjury lobte besonders die umfangreichen, komplexen und modernen Analysemethoden, die Michael Schuler verwendet hat. Zudem seien die von ihm diskutierten Fragen in der Reha-Forschung bisher kaum berücksichtigt worden.

Werdegang von Michael Schuler

Michael Schuler, 1974 in Bietigheim geboren, hat sein Diplom in Psychologie 2004 an der Universität Heidelberg abgeschlossen. Danach arbeitete er zwei Jahre als Methodenberater im Forschungs- und Methodenberatungsunternehmen „Method-Consult“. Seit 2006 ist Schuler Lehrkraft an der Würzburger Berufsfachschule für Logopädie und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Medizinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Würzburg.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft

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