Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Kein Gold ohne Mikroben

Festgehalten an der Erdkruste

An Schmuck und anderen Stücken aus Gold erfreuen sich viele Menschen. Das haben sie unscheinbaren Mikroben zu verdanken: Diese hielten vor drei Milliarden Jahren das edle Metall in der Erdkruste fest. Das meint zumindest ein Experte von der Universität Würzburg. Sämtliche Goldvorkommen der Erde sollten eigentlich im Erdkern stecken, tief verborgen und für den Menschen unerreichbar.

Warum blieb das Gold dort?

Das Metall hat eine so hohe Dichte, dass es sich im Lauf der Erdentstehung dorthin hätte verlagern müssen. Tatsächlich aber reicherte es sich auch in der Erdkruste an. Aber warum blieb das Gold dort? „Das ist bis heute eine der umstrittensten Fragen in der Geologie und Lagerstättenkunde“, sagt Professor Hartwig Frimmel, Inhaber des Lehrstuhls für Geodynamik und Geomaterialforschung an der Universität Würzburg.

Er bereichert diesen Streit jetzt mit einer neuen Theorie: Ihr zufolge sind urzeitliche Mikroben dafür verantwortlich, dass Gold in der Erdkruste gebunden wurde. Frimmel stellt seine Idee ausführlich in der Fachzeitschrift „Mineralium Deposita“ vor.

Weltweit größte Goldanreicherung

Der Würzburger Wissenschaftler gilt als weltweit führender Experte für Goldlagerstätten. Lange Zeit hat er als Professor der Universität Kapstadt unter anderem in der südafrikanischen Region Witwatersrand geforscht. Dort befindet sich die weltweit größte Goldanreicherung in der Erdkruste. Wo viel Gold ist, sind auch Relikte von Bakterien.

Doch was haben Mikroben mit Gold zu tun? Überall dort, wo es große Mengen Gold gibt, findet man auch lagenweise geschichtete kohleartige Substanzen, die biologischen Ursprungs sind, so Frimmel. „Wir haben Hinweise darauf, dass es sich dabei um Relikte von Cyanobakterien handelt“, sagt der Professor.

 Cyanobakterien

Diese ursprünglichen Mikroben besiedelten die Küstenregionen der Erde schon vor drei Milliarden Jahren. Die Cyanobakterien waren die ersten Lebewesen, die Photosynthese betrieben und erstmals Aushauchungen von Sauerstoff machten, wie Frimmel sagt. Die Erde war damals noch weitgehend lebensfeindlich: Der Regen hatte in etwa den Säuregrad von Essig, und im Oberflächenwasser war reichlich Schwefelwasserstoff vorhanden.

Unter genau diesen Bedingungen ist die Löslichkeit von Gold in Wasser sehr hoch, erklärt der Professor. Die Flüsse und auch andere Gewässer müssen damals sehr reich an Gold gewesen sein. Traf dieses Wasser auf die mattenartigen Kolonien von Cyanobakterien, wurde das Gold vom Sauerstoff an der Oberfläche der Mikroben chemisch sofort festgehalten.

Mehr als die Hälfte bereits abgebaut

Vor drei Milliarden Jahren fand also eine Art Gold-Mega-Event statt: Die chemischen Bedingungen waren damals perfekt, um Gold zu binden und Lagerstätten entstehen zu lassen, meint Frimmel. Im Lauf der Zeit seien auf diese Weise zum Beispiel die riesigen  Goldvorkommen entstanden, die etwa in der südafrikanischen Region Witwatersrand zu finden sind. Dort lagerten einmal 100.000 Tonnen des begehrten Metalls. Mehr als die Hälfte davon ist bereits abgebaut.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Universität Würzburg

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