Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Karfreitag: Tanzverbot bleibt in Bayern unangetastet

Keine weiteren Auflockerungen

Bayern will das Tanzverbot an Karfreitag laut der Augsburger Allgemeinen nach wie vor nicht lockern. Dort geht es auch nach einer Gesetzesänderung der „stillen Tage“ streng zu. Daher gilt auch dieses Jahr an Karfreitag, dem 3. April, wieder: Jede Art von „Musikdarbietung in Räumen mit Schankbetrieb“ ist nach Angaben des Innenministeriums ausnahmslos verboten.

„Stille Tage“

An Karfreitag und anderen Feiertagen, sogenannten „stillen Tagen“, herrscht in weiten Teilen Deutschlands ein Tanzverbot. In Bayern bedeutet das, dass es an diesem Tag keine öffentlichen Musik- oder Tanzveranstaltungen gibt. Besonders streng werden die Regeln an Karfreitag gehandhabt.

Gesetzesänderung 2013: Lockerung des Tanzverbots

Im Jahr 2013 hatte der Landtag einem Gesetzentwurf der Staatsregierung – damals noch mit FDP-Beteiligung – zugestimmt und das Tanzverbot an sechs „stillen Tagen“ aufgelockert. Seitdem darf in den Nächten vor anderen stillen Tagen bis zwei Uhr morgens getanzt werden – insgesamt zwei Stunden länger als vor der Gesetzesänderung. Davon ausgenommen sind allerdings weiterhin Karfreitag, Karsamstag und Heiligabend.

Laut Gesetz bundesweites Tanzverbot

Der Karfreitag bleibt, obwohl andere Bundesländer laxer mit dem Tanzverbot umgehen, auch in Zukunft unangetastet. An Karfreitag darf laut Gesetz fast nirgendwo in Deutschland getanzt werden. Ob und wie streng die Kommunen kontrollieren, bleibt allerdings fraglich und wird oft unterschiedlich gehandhabt.

Unterschiede zwischen Bundesländern

Besonders strikt im Umgang mit dem Tanzverbot ist Baden-Württemberg, was sich jedoch laut Angaben der Augsburger Allgemeinen bald ändern soll. Tanzverbote an Feiertagen stehen schon seit vielen Jahren in der Kritik. Nachdem Bayern bereits seine Regelungen gelockert hat, will Baden-Württemberg nun nachziehen.

In öffentlichen Tanzlokalen müssen Rheinland-Pfälzer etwa von vier Uhr am Gründonnerstag bis 16 Uhr am Ostersonntag verzichten und In Nordrhein-Westfalen beginnt das Verbot ebenfalls am Donnerstag, endet dafür allerdings schon in der Nacht zum Karsamstag. Auch im Norden sind die Regeln unterschiedlich. Niedersachsen und Schleswig-Holstein halten am Tanzverbot an Karfreitag fest, wogegen Bremen die ohnehin nur eingeschränkte Ruhe am Karfreitag ganz abschaffen will.

Tanzverbot: zeitgemäß?

Das hessische Innenministerium hielte das Tanzverbot über Ostern für zeitgemäß. Lockerungen des gesetzlichen Feiertagsschutzes zwischen Gründonnerstag bis Ostersonntag seien derzeit nicht beabsichtigt, teilte ein Sprecher in Wiesbaden mit. Zuletzt habe der Landtag 2014 eine entsprechende Petition abgelehnt.

In der Hauptstadt und Party-Hochburg Berlin bleibt alles beim alten. Dort scheint man das Tanzverbot nicht ganz ernst zu nehmen, denn obwohl am Karfreitag von 4 bis 21 Uhr öffentliche Tanzveranstaltungen untersagt sind, wird dennoch in etlichen Berliner Clubs und Discotheken bis Mittags gefeiert.

Kirchen halten an Tanzverbot fest

Auch die Kirchen halten an Karfreitag und einem Tanzverbot fest. „Der Karfreitag ist für die gesamte Gesellschaft bedeutsam, er ist ein gemeinsames Gut unserer Gesellschaft. Denn sie braucht solche stillen Tage – um der Menschen willen“, so Bernhard Schweßinger, Pressesprecher der Diözese Würzburg. „Stille Tage sind Atempausen fürs Leben“, meinte Bischof Dr. Friedhelm Hofmann kürzlich dazu. Als „Teil einer bedeutenden Gedenkkultur“ bezeichnete auch der Sprecher der Evangelischen Landeskirche Württemberg die „stillen Feiertage“.

Jahrhundertlange Tradition

Das Tanzverbot am Karfreitag blickt auf eine jahrhundertlange Tradition zurück. Der Karfreitag folgt auf den Gründonnerstag und geht dem Karsamstag voraus. Die Christen gedenken an diesem Tag des Leidens, des Sterbens und des Todes Jesu am Kreuz und feiern dies an Ostern bei Kreuzwegandachten, Passionen, Prozessionen und Karfreitagsliturgien. Der Karfreitag wird auch „Stiller“ oder „Hoher Freitag“ genannt und ist in der katholischen Kirche ein strenger Fast- und Abstinenztag.

„Zeit zur Auseinandersetzung mit Leid und Tod“

Die Themen Leid, Sterben und Tod stünden laut Schweßinger, Pressesprecher der Diözese Würzburg, am Karfreitag besonders im Mittelpunkt. Schweßinger: „Schwierige Themen, denen heute viele Menschen ausweichen wollen.“ Doch diese Themen würden Jeden und Jede letztlich irgendwann im Leben einholen.

„Die jüngste Flugzeugkatastrophe in den Alpen führt dies in ihrer ganzen Dramatik überdeutlich vor Augen“, so der Pressesprecher. Daher solle der Karfreitag im Jahr 2015 den Menschen besonders ausführlich Raum zur Stille und somit Zeit zur Auseinandersetzung mit Leid und Tod geben.

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