Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Wie steht es wirklich um die Würzburger Babies? Diskussion und Stellungnahme der Uniklinik

Stellungnahme der Uniklinik

Wird der Würzburger Nachwuchs gut versorgt? Diese Frage stellte sich vor kurzem eine Würzburger Mutter zweier Töchter, die 2011 in der Universitäts-Frauenklinik und 2013 in der Missionsärztlichen Klinik zur Welt kamen. „Ich habe zwei Töchter, die hoffentlich irgendwann einmal selbst Kinder haben werden.“ Sie seien auch der Grund, warum die Mutter seit Mai 2014 in der Hebammenunterstützung aktiv ist.

„Es sind viele Baustellen offen, bei denen ich mir als Laie eine Verbesserung wünsche.“ Aus diesem Grund startete sie eine private Initiative mit einem Diskussionsabend, zu dem sowohl Krankenhauspersonal als auch Vertreter der Politik geladen waren. Christoph Reiners, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikum Würzburg äußerte sich nun auf Anfrage der Redaktion zu den Vorwürfen.

Diskussionsabend in Eigeninitiative

Ziel des stattgefunden Diskussionsabends war ein Austausch auf Augenhöhe mit allen Betroffenen, um Unterstützungsmöglichkeiten für jede Seite zu klären, sich zu informieren und gemeinsam darauf abzustimmen, wie die Krankenhäuser sich räumlich und personell in Zukunft aufstellen können. Als Inspiration dienten der Initiatorin städtische Eigeninitiativen in Lörrach, Weilheim/Schongau und Stuttgart, wo die Kommunen durch freiwillige Zahlungen an Hebammen und Geburtshäuser die geburtshilfliche Versorgung in der Region am Leben erhalten.

Frage nach Hebammenstreik steht offen

Der Abend war unterteilt in drei Themenbereiche: Engpass Kreißsaal, Engpass Nachsorge und Handlungsmöglichkeiten. Anwesend waren 31 Teilnehmer, darunter 16 freiberufliche Hebammen, die z.T. aus Lohr angereist waren, sechs Klinikhebammen, ein Klinikarzt, ein Kinderarzt, fünf Eltern sowie die Würzburger Stadträte Lore Koerber-Becker und Heinz Braun.

Sehr deutlich sei das „überwältigende Engagement“ der freiberuflichen Hebammen und des Klinikpersonals geworden, die sich dafür einsetzen, dass die betreuten Frauen „trotz sich verschlechternder Bedingungen bestmöglich versorgt werden“, so die Mutter. Die Frage nach einem Hebammenstreik der freiberuflichen Hebammen stand im Raum, blieb aber offen.

Geburten wie „am Fließband“

Die Vorarbeit zur Veranstaltung habe deutlich gemacht, dass es sich bei der Verbesserung des „Engpasses Geburtshilfe in Würzburg“ nicht nur um ein reines Eltern-Anliegen handele. Für die Klinikhebammen ginge es um die Verbesserung der Arbeitssituation am Rande der personellen und räumlichen Belastbarkeit und das Auffangen der damit einhergehenden Geburten „am Fließband“.

Stellungnahme des Klinikdirektors zu den Vorwürfen

Reiners bestätigt die zunehmende Geburtenrate: „Die jährlichen Geburtenzahlen der Universitätsfrauenklinik sind seit über zehn Jahren steigend.“ Im vergangenen Jahr seien 1898 Geburten verzeichnet worden. In den vergangenen fünf Jahren habe die Universitätsfrauenklinik durchschnittlich zwischen 50 und 100 Geburten pro Jahr mehr zu bewältigen gehabt.

Jedoch dürfte, so Reiners, hier nur ein geringerer Teil der Schließung anderer Einrichtungen im Umland geschuldet sein. Vielmehr habe sich in den vergangenen Jahren der Anteil der Risikoschwangeren erhöht, die bewusst eine Universitätsfrauenklinik zur Entbindung aufsuchen, um die Vorteile und erhöhte Sicherheit des Perinatalzentrums der Stufe eins, welches unsere Frauenklinik gemeinsam mit der Kinderklinik betreibt, in Anspruch zu nehmen.

Personal mit wachsender Geburtenrate erhöht

Der Personalschlüssel im nicht ärztlichen Bereich sei mit steigenden Geburtenzahlen in den vergangenen Jahren erhöht worden, so der Klinikdirektor. Es befänden sich dauerhaft drei Frauenärzte im Bereitschaftsdienst, davon ein Oberarzt sowie  zusätzlich ein Anästhesist. Aktuell seien außerdem weitere Stellen für Hebammen ausgeschrieben. Auch im Bereich der Entbindungsstationen seien aktuell neue Stillberaterinnen eingestellt worden, um hier eine erweiterte Beratungsmöglickeit für Wöchnerinnen zu schaffen.

„Vollauslastung, aber keine Überlastung“

Eine Überlastung der Geburtshilfe kann Reiners nicht bestätigen. „Geburtshilfe ist grundsätzlich nie planbar, weshalb es an bestimmten Tagen zu sehr hohen Auslastungen kommen kann, während an anderen Tagen mehr Personal und Ausstattung vorgehalten werden muss, als es tatsächlich zum Einsatz kommt“, so der Direktor. Aktuell verzeichne die Uniklinik durchschnittliche Bettenauslastungen in der Unifrauenklinik von ca. 80%. Dies entspreche einer Vollauslastung, aber keiner Überlastung.

Die Frauenklinik verfüge laut Reiners über drei gynäkologische und zwei
geburtshilfliche Stationen. Bei einer Vollauslastung einzelner
Bereiche würden jeweils Kapazitäten aus den anderen Bereichen zur
Verfügung gestellt werden, so der Klinikdirektor.

Getroffener Nerv bei den Versorgern

Das große Interesse von Klinik- und freiberuflichen Hebammen sowie die von ihnen bereitgestellten Angaben hätten laut der Initiatorin und Mutter zweier Kinder gezeigt, dass die Themen „Engpässe Kreißsaal und Nachsorge“ einen Nerv bei den Versorgern getroffen haben. „Die Eltern müssen eine Grenze ziehen und den Verantwortlichen zeigen: Das lassen wir nicht mit uns machen.“

 

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