Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Holzblick: Die wohl eleganteste Art ein Brett vor dem Kopf zu tragen

Würzburger Jungunternehmer stellt außergewöhnliche Brillen aus Holz her

Sein Laden im Würzburger Stadtteil „Grombühl“ macht Dominic Neubauers Talent und seine Kreativität auf einen Blick sichtbar: zwischen einer Bohrmaschine, Fräsen, einem Verkaufsraum und einem Furnierlager entstehen ausgefallene, ökologisch hochwertige Brillengestelle aus heimischen Hölzern wie Ahorn, Räuchereiche oder Nussbaum, aber auch Modelle aus Zebrano, Palisander, Ebenholz oder sogar versteinertem Gras.

Dominic Neubauer experimentiert und tüftelt gerne. Holz ist für den 31-Jährigen ein Lieblingswerkstoff, mit dem er schon als Jugendlicher unbedingt arbeiten wollte. Deshalb führte ihn seine erste Lehre in die holzverarbeitende Industrie: bei einem heimischen Möbelhersteller lässt er sich zum Holzmechaniker ausbilden. Danach absolviert er zusätzlich eine Ausbildung zum Augenoptiker und arbeitet rund zehn Jahre in diesem Beruf. „Irgendwann wollte ich meine Fähigkeiten und Interessen verbinden und daraus eine Geschäftsidee entwickeln“, erklärt Neubauer. Er erkennt, dass der Werkstoff Holz sich ideal in das natürliche Hautbild einfügt und sich komfortabel tragen lässt.

Ein Widerspruch an sich? Nicht für den Würzburger, der trotz Festanstellung seine Vorstellungen umsetzen möchte. Monatelang tüftelt er abends und am Wochenende in einer privaten Werkstatt an seinen Vorstellungen, experimentiert mit verschiedenen Hölzern und holt sich Tipps von Fachleuten. Um mehr Zeit für seine Geschäftsideen zu haben, reduziert er seine Arbeitszeiten bei einem bekannten Optiker auf 30 Stunden.

Bruno, Emil und Berta

Dann wagt er den Sprung ins kalte Wasser und kündigt: Im März letzten Jahres macht er sich mit seiner eigenen Brillenmanufaktur „Holzblick“ selbstständig. Die Besonderheit: Seine Modelle werden alle vor Ort aus einem Stück und in reiner
Handarbeit verarbeitet – jede Brille ist ein individuelles Einzelstück und wird nach Kundenwunsch gefertigt. Je nach Holzart schimmern die Gestelle rötlich, beige, braun oder schwarz und besitzen einen hohen Tragekomfort. Sie wiegen mit Gläsern nur ein paar Gramm und verfügen über ein Federgelenk, das das Tragen der Sehhilfe noch angenehmer macht.

„Kaum ein Stück Natur ist so vielseitig und wertvoll wie Holz. Das ist ein Material, das sich trotz seiner ursprünglichen Grobheit sehr gut als Brille eignet“, weiß Dominic Neubauer aus Erfahrung. Dreizehn verschiedene Brillenmodellle hat der Würzburger entworfen, immer in verschiedenen Größen wählbar: Sie heißen „Bruno“, „Emil“ oder „Berta“ und passen sich jedem Gesichtstyp an. Der Bestseller unter den Holzbrillen ist „Gustav“, eine markante, sportliche Variante. „Ich war mir von Anfang an sicher, dass meine Idee funktioniert“, erinnert sich Neubauer rückblickend. Die Gläser, die er von einem deutschen Premiumhersteller bezieht, lässt der gelernte Augenoptiker einpassen. Seine Brillen bietet er in seinem Ladenlokal in der Petrinistraße 5 im Würzburger Stadtteil „Grombühl“ an.

Fully Green Glasses

Der verantwortungsbewusste Umgang mit Natur und Umwelt beginnt für den Existenzgründer bereits bei den Holzsorten,
die er verwendet. Furnier ist für ihn dabei die ökonomischste Form Holz zu nutzen, da nahezu alle anfallenden Stammteile verwendet werden können. Für die Herstellung einer Holzbrille verarbeitet er ausschließlich Furniere aus nachhaltiger zertifizierter Forstwirtschaft.

Auf einer Seite seiner Werkstatt steht ein großes Regal, wo er die dünnen Blätter aus Holz lagert.
Die einzelnen „Holzschichten“ verklebt er mit Leim, der wasserfest, vor allem aber formaldehydfrei ist. „Dadurch erreicht die Fassung die höchstmögliche Stabilität und ist im Gegensatz zu einer Vollholzbrille wesentlich stabiler, was Bruch und Formhaltigkeit angeht“, erklärt er. Die einzelnen Furnierschichten werden mit einer speziellen Pressvorrichtung über Nacht in Form gebracht. Ist alles ausreichend getrocknet, wird die Grundform – also Mittelteil und Bügel – ausgeschnitten. Für seine Sehhilfen verwendet Dominic Neubauer speziell für Holzbrillen entwickelte Federscharniere, die maschinell eingefräßt werden. Nach dem Montieren aller Einzelteile beginnt die eigentliche Arbeit und die heißt schleifen.

Bis zu 14 Tagen bearbeitet er eine einzige Brille an einer von ihm entwickelten Schleifmaschine bis die Oberfläche geglättet ist und das Holz seine wunderbare Struktur zeigt. Die Oberfläche wird anschließend mit ausgewählten Naturölen versiegelt, die nach DIN UV-Schweiß -und Feuchtigkeitsecht und somit auch für Allergiker geeignet sind. „Das Holz ist es, was der Brille die besondere Individualität verleiht. Es werden keine Farben oder Lacke verwendet, dadurch ist jede Brille einzigartig in ihrer Maserung und Farbe.“ Neubauer trägt seine Brillen selbst täglich, am liebsten das Modell „Bruno“. Seine Kunden sind meistens Individualisten, die ein besonderes Accessoire suchen und gleichzeitig Wert auf nachhaltig hergestellte Produkte legen.

Brille aus versteinertem Gras

Zur Zeit arbeitet Dominic Neubauer mit der Coburger Designovation GmbH zusammen. Das gemeinsame Projekt dreht sich um eine Brille aus versteinertem Gras, einem besonders harten, fast schwarzfarbigem Werkstoff. Bei diesem Material handelt es sich im eigentlichen Sinne nicht um eine Baumart, botanisch gesehen zählt das Material zur Familie der Gräser. „Das ist ein schwierig zu verarbeitendes Material, das aber eindrucksvoll aussieht. Mir macht es Spaß ständig etwas Neues auszuprobieren.“ Künftig will der Jungunternehmer sein Sortiment noch weiter ausbauen und auch mit anderen Furnieren experimentieren. Seine Modelle vertreibt er bisher über seine Internetseite (www.holzblick.de), präsentiert sie bei Messen oder bietet sie natürlich auch direkt vor Ort an.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung von Holzblick. 

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