Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Auch Würzburger Firmen verzichten auf Echtpelz

Ein Gastbeitrag von Sabine Ludwig 

Die Hoffnung der Tierschützer: Ein Europa ohne Pelzfarmen und Pelzmode

Pelz ist in. Wirklich? Das sagt zumindest Karl Lagerfeld. Klar, muss er auch. Denn für Fendi entwarf er gerade seine neueste Kollektion, maßgeschneidert und mit Pelz. Tierfreunde in aller Welt schreien auf. Denn es gibt sie wieder: Die weichen Mützenbommel, die Verbrämungen an Anorakkragen und Jackenaufschlägen oder Stiefel. Aus Pelz, Echtpelz wohlgemerkt. Die Zeiten, in denen Models gegen Pelz protestiert haben – damals, in den 1990ern – sind vorbei. Alle Welt trägt tote Tiere.

Doch der Aufschrei Tausender Tierschützer bleibt nicht ungehört. Denn jedes Jahr sterben circa 100 Millionen Nerze, Füchse und Marderhunde für die Modebranche. Doch nicht nur sie. In Asien werden auch Hunde und Katzen zu Bommeln und pelzigen Accessoires verarbeitet. Mitgefühl gibt es in den Schlachthäusern nicht. Oft werden sie lebendig gehäutet oder in kochendes Wasser geworfen, um ihnen das Fell abzuziehen.

Auf finnischen Pelzfarmen wird „geerntet“

Modezar Lagerfeld liebt seine Katze „Choupette“. Sie ist nur eine von vielen. Aber sie hat das große Los gezogen. Anders als ihre Artgenossen, die in dunklen, verdreckten Lagern auf ihren Tod warten. Wie würde wohl der Modezar reagieren, wenn man ihm direkt vor Ort zeigen würde, wie die „Echtpelze“ für seine Kollektion produziert werden? Oder wenn er all das Tierelend in Bild, Video und Texten ansehen müsste? Auch in den nordischen Ländern wird geerntet, mal ganz lapidar ausgedrückt. Auf finnischen Pelzfarmen zum Beispiel, beginnt die Schlachtsaison, also die so genannte Pelzernte, ab Ende Oktober und den ganzen November hindurch bei Hunderttausenden von Tieren.

Galeria Kaufhof verzichtet ab sofort auf Echtpelz

Doch es gibt Hoffnung. Zumindest ein bisschen. Die auch in Würzburg ansässigen Warenketten Galeria Kaufhof GmbH und Zara verzichten ab sofort auf Echtpelz, ebenso wie der Modegigant H&M.

„Unsere Vision ist, dass unser Handeln wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltig sein soll. Das bedeutet, dass unser Unternehmen den Bedürfnissen sowohl der gegenwärtigen als auch den zukünftigen Generationen Rechnung trägt. Das Wohlergehen von Tieren ist dabei H&M wichtig. Wir wollen einen positiven Einfluss auf unsere gesamte Wertschöpfungskette und die Textilindustrie ausüben“, sagt H&M-Sprecherin Kristina Jovanovic. „Unter anderem gehört dazu, dass H&M keine echten Pelze anbietet und auf der Liste der pelzfreien Einzelhändler der Fur Free Alliance steht.“

Das „Fur Free-Retailer“ Programm

Die Fur Free Alliance (FFA) ist eine internationale Koalition von Tierschutzorganisationen, um der Ausbeutung und der Tötung von Tieren zur Pelzgewinnung ein Ende zu setzen. Dazu gehört auch das Fur Free Retailer-Programm. Es geht dabei um eine internationale Bemühung, Verbrauchern genaue Informationen über die Pelzpolitik eines Einzelhändlers zu geben, damit die Kunden selbst eine fundierte Entscheidung bei ihrem Einkauf machen können

Die Galeria Kaufhof GmbH ist der „Fur Free Retailer“-Initiative auch beigetreten. „Für Galeria Kaufhof stellen das Wohl und die artgerechte Haltung von Tieren wichtige Auswahlkriterien beim Einkauf dar – genau wie für eine wachsende Zahl unserer Kunden“, betont Marion Sollbach, Leiterin Nachhaltigkeit. „Deshalb engagieren wir uns im Schulterschluss mit verschiedenen Tierschutzorganisationen und unseren Lieferanten für das Wohlergehen von Tieren.“

Galeria Kaufhof hat dabei eine Vielzahl von Produkten ausgeschlossen, die mit kritischen Haltungs- und Produktionsbedingungen verbunden sind. Gleichzeitig baut das Unternehmen das Angebot an Produkten aus, die unter anerkannten Tierwohlleitlinien hergestellt wurden. Sein Angebot an vegetarischen und veganen Lebensmitteln stockt das Unternehmen in seinen Gourmet-Abteilungen kontinuierlich auf.

Discounter als „Fur Free Retailer“

Außerdem verzichten nun auch Aldi Nord und Aldi Süd auf Echtpelz in ihrem Sortiment. Damit machen sie es Vorreiter Lidl nach. Die zwei deutschen Discounter gehören jetzt auch offiziell zum „Fur Free Retailer“-Programm. 

Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ ist seit 2012 deutscher Repräsentant dieses Programms und hilft damit Verbrauchern, beim Shoppen eine bewusste Entscheidung zu treffen. Über 350 Modeunternehmen sind der Initiative bereits beigetreten.

Produkte von Tieren aus verantwortungsbewusster Haltung

„Zara steht seit jeher für nachhaltige Produktionsstandards in Bezug auf die Verwendung von Produkten tierischen Ursprungs. In diesem Zusammenhang legen die Grundsätze im Bereich des Tierschutzes unter anderem fest, dass jegliche Produkte von Tieren stammen müssen, die auf eine ethische und verantwortungsbewusste Weise behandelt werden. Bereits seit 2004 ist es Unternehmensrichtlinie, weder Pelzprodukte noch Artikel, die Leder von Tieren enthalten, die ausschließlich zur Gewinnung Ihrer Häute gezüchtet oder geschlachtet werden, zu verkaufen. Somit war es eine logische Konsequenz dem Fur Free Retailer-Programm beizutreten“, betont Celin Lange-Hückstädt, Sprecherin der in Würzburg ansässigen Zara-Filiale.

Bewusstseinsbildung auf der Tagesordnung

Das gemeinsame Ziel, ein Europa ohne Pelzfarmen und Pelzmode, rückt damit hoffentlich in unmittelbare Nähe. Lagerfelds Einstellung könnte also bald überholt sein, denn auch die internationale Modebranche mit ihren Shows in den Metropolen wird sich beugen müssen. Bewusstseinsbildung steht auf der Tagesordnung. Denn wer möchte durch einen Bommel oder einen kuscheligen Kragen für Massentötungen verantwortlich sein? Es wird noch dauern, aber die Tierschützer werden nicht aufgeben. 

Dabei liegt Stella McCartney voll im Trend. Für ihre pelzfreie Mode hat sie mit „fur free fur“ ein eigenes Label entwickelt. Damit wendet sie sich entschieden gegen Lagerfeld und Co. Und die Tierfreunde danken es ihr mit steigenden Umsatzzahlen.

Und hier geht’s zur Tierschutz-App! Klickt man auf dem Startscreen auf „Pelzfrei shoppen“, erhält man eine Liste all jener Firmen, die beim „Fur Free Retailer“-Programm mitmachen.

Über Sabine Ludwig

Sabine Ludwig ist Journalistin. Spezialisiert auf Entwicklungszusammenarbeit arbeitet sie außerdem als Krisenreporterin und als Wahlbeobachterin für die OSZE. Geboren wurde sie in Würzburg. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften und Journalismus in Deutschland und den USA. Als Journalistin und Buchautorin publiziert sie im In- und Ausland.

Bis 2009 war sie als Redakteurin beim Deutschen Entwicklungsdienst (DED) in Bonn tätig. Danach arbeitete sie als Lehrbeauftragte für Journalismus und Public Relations (PR) an der Fachhochschule in Würzburg. Heute ist sie Pressereferentin bei der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe. Ihr treuer Begleiter ist Ihr Hund Gaston.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen oder sogar anstacheln – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@wuerzburgerleben.de.

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