Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Würzburg: Ziel der Zerstörung am 16. März 1945

Das Warten auf die Katastrophe

„Mit einem Angriff auf unsere Stadt ist zu rechnen!“ – Um 21.07 Uhr am 16. März vor genau 70 Jahren hatte, laut einem Artikel der Welt, der Einsatzstab des Luftschutzes diese Nachricht den Würzburgern über Drahtfunk mitgeteilt. Dann kam das Warten auf die Katastrophe.

Kurz zuvor konnte ein Unteroffizier einen Funkspruch des britischen Bomberverbandes, der mit mehr als 550 Flugzeugen bereits im Anflug war, abfangen. Laut der Nachricht waren Würzburg und Nürnberg Ziel des Angriffes. Daraufhin versuchten sich die Einwohner der beiden Städte in die Luftschutzkeller und andere geschützte Räume zu retten. Obwohl es bereits neun Bombardements gegeben hatte, waren die Würzburger, laut der Welt, nicht so routiniert wie etwa die Berliner. Die Angriffe waren immer verhältnismäßig klein gewesen. Höchstens 37 feindliche Maschinen hatten dabei gleichzeitig angegriffen und meist waren es kleinere Maschinen der Typen Hampdon und Mosquito gewesen.

21.25 Uhr – Der Angriff beginnt

Nur wenige Minuten lagen für den Großteil der Bewohner Würzburgs zwischen dem Eintreffen in den Luftschutzkellern und dem Beginn der Bombardierung. 21.25 Uhr war der Zeitpunkt, der Würzburg für immer verändern sollte. Durch Leuchtbomben wurde das Zielgebiet auf beiden Seiten des Mains markiert. Insgesamt waren es etwa 9 Quadratkilometer. Die 225 schweren Bomber, Typ Lancaster, waren so laut, dass sie in jedem Luftschutzkeller der Stadt zu hören waren. Hinzu kamen die Geräusche der Sprengbomben und etwa 400.000 Mal das Geräusch der Stabbrandbomben.

17 Minuten später waren die britischen Bomber verschwunden, aber von Ruhe war Würzburg weit entfernt. Ein neues Geräusch breitete sich aus: Ein verheerender Feuersturm. Die Fachwerkhäuser der Würzburger Altstadt brannten in dem bis zu 1000 Grad heißen Flammen wie Zunder. Einziger Schutz war der Main.

Die Würzburger hatten kaum Erfahrung mit Luftangriffen und verließen nach der Entwarnung nicht umgehend die Keller. Der Brand weitete sich immer weiter aus und die Lage für die Stadtbewohner verschlimmerte sich. Durch Mauerdurchbrüche zwischen den Kellern irrten die Leute in ihrer Panik umher. Familien verloren sich und Menschen wurden niedergetrampelt. Der Sauerstoff im Luftschutzkeller wurde immer knapper und Menschen erstickten, da nahe diesem Kohle gelagert wurde und diese angefangen hatte zu kokeln.

Würzburg war „zerstörungseffizient“

Warum wurde genau Würzburg ins Visier der Bomber genommen? Es gab zwar Firmen, die Rüstungsgüter produzierten, und Würzburg war die Heimatbasis der 2. Panzerdivision, doch dies sollten nicht die Gründe dafür sein. Und auch die Spekulation, dass Städte mit über 100.000 Einwohnern zerstört wurden, scheint laut der Welt nicht der ausschlaggebende Grund für den Befehl den Angriff gewesen zu sein. Der Grund war, Würzburg war „zerstörungseffizient“, so die Welt in ihrem Artikel über den 16. März 1945. Verhältnismäßig wenige Bomber konnten einen verheerenden Feuersturm auslösen. Am 23. Januar 1945 fand sich die Stadt am Main zum ersten Mal auf der Liste möglicher Angriffsziele, am 10. Februar 1945 befand sie sich bereits auf Platz 10 der demnächst zu zerstörenden Städte. Die RAF und die USAAF arbeiteten diese Liste in systematisch ab.

Am 16. März war es für Würzburg so weit. Etwa 5.000 Würzburger verloren in dieser Nacht ihr Leben. In der Würzburger Innenstadt standen nach dem Feuersturm gerade noch sieben benutzbare Häuser. 89 Prozent der Gebäude waren völlig zerstört, der Rest meist ausgebrannt. Der Krieg war für Würzburg jedoch immer nicht vorbei. Drei Wochen später verschanzten sich deutsche Soldaten in den Überresten der Gebäude, der Bischofssitz sollte weiter „verteidigt“ werden.

Fotos: Archiv Willi Dürrnagel

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