Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

„Erklärung der Religionen für den Frieden“ bei der Demonstration „Würzburg ist bunt“

„Juden, Christen und Muslime sind Partner“

Mehrere tausend Menschen haben nach Polizeiangaben an der Demonstration „Würzburg ist bunt“ des gleichnamigen Würzburger Aktionsbündnisses am Samstagnachmittag, 14. März, vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt bis zum Domplatz teilgenommen und für ein friedliches und tolerantes Miteinander geworben. Bei der abschließenden Kundgebung vor dem Kiliansdom wurde die „Erklärung der Religionen für den Frieden“ vorgelesen. Sie ist im Folgenden vollständig dokumentiert.

Die „Erklärung der Religionen für den Frieden“

„1. Wir – Vertreterinnen und Vertreter der Religionsgemeinschaften in Würzburg – verurteilen auf das Schärfste die unfassbaren Gräueltaten, die von terroristischen Gruppierungen im Namen des Islam im Nahen Osten und darüber hinaus begangen werden. Unsere Solidarität gilt den Opfern dieses Terrors, den Juden, Christen, Muslimen und Menschen anderer Religionszugehörigkeit, die aufgrund ihres Glaubens bedrängt und vertrieben wurden oder ihr Leben verloren haben.

2. Wir verurteilen den blutigen Anschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins ,Charlie Hebdo‘, den jüdischen Supermarkt sowie den Polizisten in Paris. Diese abscheulichen Taten sind zugleich ein Anschlag auf die Pressefreiheit, die Religionsfreiheit und den gesellschaftlichen Frieden. Ebenso verurteilen wir die Anschläge in Kopenhagen, die der offenen Gesellschaft, der Meinungsfreiheit und der Demokratie galten. Sie haben Angst, Unsicherheit und Sorge in das Leben vieler jüdischer Menschen in Europa gebracht und das friedliche Zusammenleben erschüttert.

3. Wir sind zugleich in tiefer Sorge ob der negativen Rückwirkungen des extremistischen Terrors auf das Bild des Islam und die interreligiöse Dialogarbeit in Deutschland. Es erfüllt uns ebenso mit Sorge, dass Menschen jüdischen Glaubens sich in Europa nicht mehr sicher fühlen.

4. Wir sind äußerst besorgt über die Zunahme religiöser Intoleranz und Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer Religion. Wir verurteilen die Übergriffe auf Gotteshäuser in Deutschland – Moscheen, Synagogen oder Kirchen gleichermaßen. Wir verurteilen die Instrumentalisierung der Wut und der Angst vieler Menschen, nicht mehr zur Gesellschaft dazuzugehören. Wir lehnen geschichtsvergessene populistische, fundamentalistische, rassistische und extremistische Bewegungen und Parteien ab. Wir sehen dies auch gerade vor dem Hintergrund des NSU-Skandals und der neuartigen islam- und fremdenfeindlichen Verbindungen gewaltbereiter Hooligans mit rechtsextremen Gruppierungen. Dass Bürger aus der Mitte unserer Gesellschaft ihre bisherige Distanz und Ablehnung gegenüber diesen neuen Bewegungen aufgeben, ist alarmierend.

5. Als Juden, Christen und Muslime sind wir Partner in einer pluralistischen Gesellschaft. Ausgehend von unserem Glauben und den uns gemeinsamen Grundlagen im Menschenbild sehen wir uns gemeinsam in der Verantwortung, zur Bewahrung des Gemeinwohls und der freiheitlich demokratischen Grundordnung in Deutschland beizutragen.

6. Wir stimmen darin überein, dass Religion nicht instrumentalisiert und für machtpolitische Zwecke missbraucht werden darf – ganz gleich von welcher politischen oder religiösen Seite. Vielmehr treten wir als Juden, Christen und Muslime für mehr Humanität und gesellschaftliche Solidarität ein, insbesondere auch gegenüber Flüchtlingen und Asylsuchenden, die unseren Schutz und unsere Hilfe brauchen. Gemeinsam stehen wir auf gegen Hass, Gewalt, Antisemitismus und Intoleranz. Gemeinsam stehen wir ein für gegenseitigen Respekt und ein friedliches Miteinander in unserer religiös und kulturell pluralen Gesellschaft.

7. Wir appellieren an alle, die in Religionsgemeinschaften, Politik und der Zivilgesellschaft aktiv sind und Verantwortung tragen, für den Frieden zwischen den Religionen einzutreten und den interreligiösen Dialog intensiv zu unterstützen!

8. Die Verstärkung des Dialogs der Religionen ist wichtiger denn je, um einer Spaltung unserer Gesellschaft entgegenzuwirken. Wir setzen uns ein für eine kritische Auseinandersetzung mit sowohl unseren eigenen Traditionen als auch den Ängsten vieler Bürger und den Motiven der Populisten und Extremisten. Wir sehen hoffnungsvolle Zeichen und Orte der Begegnung in unserer Stadt Würzburg und unserer Region: diese Veranstaltung heute, alle Initiativen, die sich dem gegenseitigen Verständnis der Religionen widmen. Wir freuen uns über den Ausländerbeirat, das Bündnis für Zivilcourage, den interreligiösen Gesprächskreis, die Versöhnungsinitiativen des Nagelkreuzes, die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Solche Initiativen zu unterstützen und zu fördern ist gerade in diesen Zeiten eine wichtige Aufgabe.“

Evangelisches Jugendwerk beteiligt sich an Demonstration

Auch das Evangelische Jugendwerk Würzburg  beteiligte sich an der heutigen Demonstration. Rund 7.000 Würzburgerinnen und Würzburger und 130 Verbände und Organisationen demonstrierten heute Nachmittag in der Würzburger Innenstadt für ein tolerantes und buntes Würzburg. Bei der anschließenden Kundgebung auf dem Domplatz setzten die Religionsgemeinschaften ein gemeinsames Friedenszeichen. Auch die Evangelische Jugend im Dekanat Würzburg beteiligte sich dabei. Unter dem Motto „Die Welt ist bunt – Gott sei Dank!“ beteiligten sich die Jugendlichen mit Banner, Fahne und bunten Luftballons am Demonstrationszug.

Dieser Artikel beruht auf Pressemitteilungen des POW und der Evangelischen Jugend Würzburg. 

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